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Grevesmühlen Mit dem Reittherapeut im Schwerstpflegeheim in Grevesmühlen
Mecklenburg Grevesmühlen Mit dem Reittherapeut im Schwerstpflegeheim in Grevesmühlen
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18:44 12.04.2019
Vorsichtiges Beschnuppern: Vera Fritsche führt die Hand eines Diakoniebewohners an Hengst "Kristall". Der wird von Pferdebesitzer Olaf Quinque am Zügel gehalten. Quelle: JANA FRANKE
Grevesmühlen

Da steht ein Pferd auf dem Flur – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Ronny läuft schnell in sein Zimmer und holt einen Fotoapparat, um ein Erinnerungsfoto von sich und Hengst „Kristall“ schießen zu lassen. Schließlich kommt ein solch tierischer Besuch im Schwerstpflege- und Förderheim der Diakonie im Nördlichen Mecklenburg am Tannenberg nicht alle Tage vor.

Anne-Christin Kijas, Abteilungsleiterin im Diakoniewerk: Quelle: JANA FRANKE

Alpakas und auch Hunde seien schon da gewesen. Aber Pferde? Nein! Und wäre der Urlaub der Abteilungsleiterin Anne-Christin Kijas auf der griechischen Insel Rhodos nicht gewesen, hätte es diese Begegnung wahrscheinlich auch nie gegeben.

„Pferdemenschen riechen sich eben“, sagt sie lächelnd und streichelt „Kristall“ dabei über die Nase. Am Pool hätten sie und ihre Familie Olaf Quinque kennengelernt. Er kommt aus Rostock, sie aus Wismar, beide sind Pferdenarren – genügend Gesprächsstoff war also da. Und nun steht der 55-Jährige auf Einladung seiner neuen Bekanntschaft im Pflegeheim – mit „Kristall“ und „Ricano“ sowie seinen beiden Teamkollegen Nicole Witte (27) und Martha Richard (19). Kostenfrei. „Ich will den Bewohnern Freude schenken“, begründet der Außendienstmitarbeiter eines Telekommunikationsunternehmens sichtlich gerührt.

Überhaupt keine Angst vor dem großen Tier hat Anke. Im Innenhof des Heimes greift die 64-Jährige immer wieder in die Mähne von „Kristall“. „Schön“, sagt sie und legt ein breites Lächeln auf. Dann reibt sie mit geschlossenen Augen ihre Nase am Kopf des Pferdes. Die Berührung und den Geruch genießt sie sichtlich. „Kristall“ lässt alles geduldig über sich ergehen. „Man sagt, dass das Pferd der Spiegel deiner Seele ist“, erklärt Olaf Quinque. Also scheint Anke ein toller Mensch zu sein.

Olaf Quinque (55) und Martha Richard (19) führen Anke (64) aus dem Schwerstpflege- und Förderheim der Diakonie an Hengst "Kristall" heran. Quelle: JANA FRANKE

Vater als großes Vorbild

Mit Pferden arbeitet Olaf Quinque von Kindesbeinen an zusammen. Von seinem Vater Horst Quinque ist ihm anscheinend die Liebe zu den Tieren in die Wiege gelegt worden. Der ist heute 84 Jahre alt und war 1952 zweiter deutsche Springmeister. „Seit einem Bandscheibenvorfall ist er Invalidenrentner. Dann ließ er sich zum therapeutischen Reitlehrer ausbilden“, erklärt Olaf Quinque. Na ja, und auf seinen Sohn Olaf sei er nun stolz wie Bolle, dass auch er in seiner Freizeit mit Pferden und Menschen arbeitet. Und letztgenannte sind nicht immer mit Behinderung, sondern tragen auch schicke Anzüge. Regelmäßig bringt er Führungskräfte und seine Vierbeiner zusammen, damit die an einem Pferd als Spiegel der Seele erfahren, wie sie ihre Mitarbeiter zu neuen Taten anspornen und wie sie neue Wege im Vertrieb gehen.

Der Ritt für seine Schwester

Menschen erreichen, ist auch das große Ziel, das sich Olaf Quinque im Juli gesetzt hat. Der gebürtige Berliner, der der Liebe wegen nach Rostock zog, macht sich mit „Kristall“ zehn Tage lang auf einen 300 Kilometer langen Ritt – von Rostock in seine alte Heimat Berlin. Er galoppiert für die gemeinnützige Organisation DKMS, der Deutschen Knochenspendedatei. „Ich habe vor dreieinhalb Jahren meine Schwester an Krebs verloren. Mit diesem Gedenkritt will ich auf die Typisierungsaktionen und die Möglichkeit der Knochenmarkspende hinweisen“, erklärt er. Begleitet wird er dabei von Martha Richard (19) auf ihrem Pferd „Abra“.

Es wird Zeit, Abschied zu nehmen. Ronny geht noch einmal zu „Kristall“, um ihn zu streicheln. Aber eine Möhre geben? Nein, das will er dann doch nicht. Zu viel Respekt hat er vor den Zähnen des Pferdes. Von dem Tag wird er noch lange zehren. Und die Fotos, die bekommen einen ganz besonderen Platz in seinem Zimmer.

Jana Franke

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