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Grevesmühlen Aufatmen in Schönberg: Corona-Quarantäne für Schüler beendet
Mecklenburg Grevesmühlen

Schönberg: Corona-Quarantäne für Schüler beendet

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15:17 21.08.2020
Kinder gehen zur Regionalen Schule mit Grundschule in Schönberg, um sich auf Corona testen zu lassen. Quelle: Jürgen Lenz
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Schönberg

Die Freude ist groß beim zehnjährigen John-Luca und seinem Pflegegroßvater Fred Hauser. „Man freut sich, endlich weiter rauszukommen“, sagt der 58-Jährige. Sein Pflegeenkel und alle anderen 109 Fünft- und Sechstklässler der Regionalen Schule mit Grundschule Schönberg waren seit Ende voriger Woche in Quarantäne.

Der Grund: Ein erster Test bei einem Schüler der fünften Klasse auf Covid-19 war positiv. Daraufhin wurden fast alle Schüler und ihre Lehrer am Montag und Donnerstag getestet. Am Freitagnachmittag teilte der Landkreis Nordwestmecklenburg mit, dass auch alle Nachtests negativ waren.

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„Das bedeutet, dass wir nun zum Wochenende die Quarantäne für fast alle Kinder, Lehrer und Betreuer verkürzen konnten und die Quarantäne mit Ablauf des 21. August 2020 endet“, erläutert Mathias Frenz, stellvertretender Leiter des öffentlichen Gesundheitsdienstes Nordwestmecklenburg. Aus der Quarantäne entlassen wird nach seiner Auskunft auch der Fünftklässler, der am Freitag vergangener Woche positiv getestet wurde – bei Nachtests jedoch negativ.

Kind ohne Testergebnis muss zu Hause bleiben

Nach Auskunft der Kreisverwaltung können alle Kinder und Lehrer am Montag wieder in die Schule – bis auf eine Ausnahme. Nach Angaben von Mathias Frenzel konnte für ein Kind der Quarantänezeitraum nicht vorzeitig beendet werden, „da die Eltern den Testaufforderungen für das Kind nicht gefolgt sind.“ Alle Eltern werden nach Angaben des Gesundheitsamtes am Freitagnachmittag und notfalls noch über den Sonnabend hinweg telefonisch über die Testergebnisse und die Folgen für ihre Kinder informiert.

Lesen Sie dazu: Corona-Fall in Schönberg: Eltern eines Schülers verweigern den Test

Der Schönberger Bürgermeister Stephan Korn (Kommunale Wählergemeinschaft KWG) sagt: „Es ist ein sehr gutes Ergebnis, was mich nicht nur für Schüler freut, sondern auch für die Lehrer.“ Aber auch die Eltern könnten jetzt aufatmen. Stephan Korn sagt, dass es zwischen ihm und Schulleiterin Sabine Hoffmann konstruktive Abstimmungen gab.

„Es ist ein sehr gutes Ergebnis, was mich nicht nur für Schüler freut, sondern auch für die Lehrer“, sagt Stephan Korn (KWG), Bürgermeister in Schönberg. Quelle: Jürgen Lenz

Landrätin ruft Eltern auf, sich auf solche Szenarien vorzubereiten

Auch Landrätin Kerstin Weiss zeigt sich über die Resultate der Test und die Folgen erleichtert. Sie sagte am Freitagnachmittag: „Es freut mich für alle Kinder und Eltern, dass die Testergebnisse negativ sind und die Quarantäne verkürzt werden kann.“ Die Landrätin schränkt ein: „Wir dürfen uns aber auch keine Illusionen machen: Dieser Fall könnte sich schon morgen an einer anderen Schule wiederholen.“

Sie rufe deshalb alle Eltern im Kreis auf, sich schon jetzt Gedanken zu machen, welche Maßnahmen sie für sich selbst ergreifen müssen, sollte ihr Kind von einer Quarantäne betroffen sein. In Gesprächen mit Eltern sei festgestellt worden, dass das oft viele Probleme für den Alltag nach sich zieht, die es zu lösen gelte.

Auf „weitere unauffällige Testergebnisse“ hoffte am Donnerstag auch der stellvertretende Schönberger Bürgermeister Sebastian Busse (KWG). Er bedankt sich in einem Schreiben an die Landrätin für Informationsveranstaltungen, zu denen sie am Dienstag die betroffenen Eltern eingeladen hatte. Sebastian Busse erläutert: „Ich denke, dass viele Fragen geklärt werden konnten, vor allem Gehör fanden und ein wichtiger Dialog – gern auch Diskussion – stattfand, in dem deutlich wurde, dass hier gesellschaftlich ein neuralgischer Punkt betroffen war und ist.“

Ursache für unterschiedliche Testergebnisse unklar

Unklar bleibt, warum bei dem Schüler der fünften Klasse der erste Test positiv war, der zweite aber negativ. Möglich ist nach Einschätzung des Gesundheitsamtes, dass das Virus „durch den zeitlichen Abstand“ nicht mehr im Rachen des Jungen war.

Landrätin Kerstin Weiss (SPD) erklärt, sie gehe davon aus, dass die erste Probe nicht mit fremdem biologischen Material verunreinigt wurde – was beim Coronatest eines Schülers in Graal-Müritz (Landkreis Rostock) zum positiven Ergebnis geführt haben könnte. Die Landrätin sagt, sie habe das Vertrauen, dass in Schönberg korrekt getestet wurde.

Zweiter Fall in Schönberg nicht bekannt

Entgegen einem anderslautenden Gerücht gibt es offenbar kein Kind in einer anderen Schule in Schönberg, das an Covid-19 erkrankt ist. Das Gesundheitsamt teilte auf Anfrage mit, dass ihm kein positiver Test bekannt ist.

Der Vater eines Schülers der Regionalen Schule mit Grundschule Schönberg kritisiert, bei der zweiten Corona-Testreihe am Donnerstag habe ein Helfer des DRK, der die Teststäbchen überreicht bekommen habe, keine Handschuhe getragen. Das weist der Vater mit einem Foto nach. Nach seinen Angaben trug ein anderer Helfer die Maske unter der Nase und der Mann, der die Abstriche machte, habe sich nur nach jedem fünften Kind die Hände desinfiziert, so der Vater.

Nach Kritik: DRK verspricht lückenlose Aufklärung

Der Vorstandsvorsitzende des DRK-Landesverbands, Jan-Hendrik Hartlöhner, erklärte am Freitag auf Anfrage der OZ: „Sie können davon ausgehen, dass die betreffenden Personen von uns konsequent zur Rede gestellt werden und der Sachverhalt lückenlos aufgeklärt wird.“ Das DRK nehme die Hinweise ernst und gehe ihnen unverzüglich nach.

Jan-Hendrik Hartlöhner erläutert: „Das DRK engagiert sich seit Beginn dieser Pandemie in erheblichem Umfang in den bestehenden Einrichtungen für hilfsbedürftige Menschen. Darüber hinaus haben wir kurzfristig vielfältige Aufgaben zur Bewältigung der Pandemie übernommen.“ Es sei selbstverständlich, dass die Hygiene- und Abstandsregelungen einzuhalten sind. Die Mitarbeiter würden regelmäßig geschult. Seit einigen Wochen stehe auch in ausreichendem Umfang Schutzausstattung und Desinfektionsmittel zur Verfügung.

„Dieser Fall könnte sich schon morgen an einer anderen Schule wiederholen“, sagt Landrätin Kerstin Weiss (SPD). Quelle: Landkreis

Die Kreisverwaltung erklärte, die Kritik an den Mitarbeitern des mobilen Abstrichteams zur Kenntnis genommen zu haben. Sie würden in Gesprächen mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) thematisiert. Der Landkreis erläutert: „Wir sehen derzeit keine Veranlassung zu glauben, dass durch die Arbeit des Abstrichteams Ergebnisse verfälscht oder unbrauchbar gemacht wurden.“ Dennoch werde der Kreis die erhobenen Vorwürfe gegenüber dem Land und dem Lagus ansprechen und zu mehr Sorgfalt auffordern.

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Von Jürgen Lenz