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Grevesmühlen Schönbergs Friedhöfe im Zeichen des Kulturwandels
Mecklenburg Grevesmühlen Schönbergs Friedhöfe im Zeichen des Kulturwandels
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12:41 21.11.2019
Uralte Gräber stehen auf einem 1824 in Schönberg eröffneten Friedhof. Begräbnisse finden dort nicht mehr statt. Quelle: Jürgen Lenz
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Schönberg

Andernorts gedenken Vertreter aus Politik und Kirche den Opfern von Kriegen und Gewaltherrschaft am Volkstrauertag. Nicht so in Schönberg. Dort ist das einer langen Tradition folgend am Ewigkeitssonntag üblich. So auch am 24. November, wenn auf dem Friedhof um 14 Uhr eine Andacht mit Kranzniederlegung beginnt.

Nach dem Fall der Mauer vor 30 Jahren entschied sich die Kirchengemeinde dazu, weiterhin am Ewigkeitssonntag der Opfer von Krieg und Gewalt zu gedenken, anstatt, wie in der Bundesrepublik üblich, am Volkstrauertag. 2004 war es Bürgermeister Michael Heinze, der sich als erster Vertreter der Stadt dieser Schönberger Tradition anschloss. Er legte ebenfalls am Ewigkeitssonntag einen Kranz nieder.

Begräbniskultur hat sich geändert

Viele andere Einwohner von Schönberg und umliegender Dörfer gehen an diesem Sonntag auf den Friedhof, den die Kirchengemeinde im Jahr 1898 nahe der Ratzeburger Straße eröffnete. Bei einem Besuch ist offensichtlich: Seitdem hat sich vieles in der Begräbniskultur geändert. In früheren Zeiten waren Erdbestattungen üblich. Jetzt bevorzugen die meisten Menschen Begräbnisse mit Urnen. Das bestätigt Pastorin Wilma Schlaberg.

Auf einem 1896 eingeweihten Friedhof befinden sich die Gräber des gräflichen Ehepaars von Eyben und der Familie des langjährigen Schönberger Bürgermeisters Ludwig Bicker. Quelle: Jürgen Lenz

Auf dem Friedhof in Schönberg gibt es neben Grabstätten zur Erdbestattung und Urnenwahlgräbern auch eine Urnengemeinschaftsanlage. Sie besteht aus einem Rasenfeld, das in Rastern von 40 mal 40 Zentimetern aufgeteilt ist, und einer Tafel, auf der die Namen der Verstorbenen zu lesen sind. Wer will, kann seit Neuestem auch eine Urnengemeinschaftsanlage unter einem Baum wählen.

Anonym wird in Schönberg niemand beerdigt

Anonym bestattet wird in Schönberg niemand. Die Pastorin erklärt: „Auf kirchlichen Friedhöfen sind anonyme Bestattungen grundsätzlich nicht gestattet, da das unserem Glauben widerspricht.“ Die evangelische Kirche verweist darauf, dass jeder Mensch einen Namen hat. Sie zitiert biblische Aussagen wie diese: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ Auch sei erwiesen, dass sogar viele Hinterbliebene, die einer anonymen Beerdigung zugestimmt haben, später große Probleme mit einer „Ortlosigkeit der Trauer“ bekommen.

Museumsleiter Olaf Both informiert auf dem alten Friedhof über die Begräbniskultur in Schönberg. Quelle: Jürgen Lenz

Während auf dem 1896 in Schönberg eröffneten Friedhof der Wandel der Begräbniskultur zu sehen ist, verrät ein älterer, 1824 ebenfalls an der Ratzeburger Straße eingeweihter Friedhof, dass bei Begräbnissen in früheren Zeiten Geld, Macht und Ansehen eine größere Rolle spielten als heute. „Hier ist die soziale Schichtung sichtbar“, sagte Olaf Both, Leiter des Volkskundemuseums in Schönberg, im September bei einer öffentlichen Führung über den alten Friedhof, auf dem niemand mehr beerdigt wird, den die Kirchengemeinde aber weiterhin pflegt. Er liegt an einem Hang. Oben wurden die Honoratioren in prächtigen Gräbern bestattet, unten die weniger gut betuchten Menschen. Die Museologin Heidemarie Frimodig berichtet: „Wenn es das Geld hergab, stellte man einen Grabstein auf.“ Nicht immer reichte es.

Weit oben auf dem alten Friedhof in Schönberg liegt das Grab des Pastors Fischer. Er erlebte nach Auskunft von Heidemarie Frimodig „unruhige Zeiten.“ Ausgerechnet im deutschen Revolutionsjahr 1848 wurden Gebeine von einem Friedhof nahe der Kirche umgebettet. Zahlreiche sterbliche Überreste lagen frei. Jeder konnte sie sehen. Empörte Schönberger warfen Fenster des Pfarrhauses ein.

Umgang mit dem Tod war etwas Selbstverständliches

Der Anblick eines Toten war damals nichts Besonderes. Olaf Both erklärt: „Gevatter Tod war ein ständiger Begleiter der Menschen.“ Der Umgang mit ihm war etwas Selbstverständliches. Das änderte sich erst mit dem allmählichen Zurückdrängen des christlichen Glaubens.

Das Volkskundemuseum in Schönberg besitzt einige Zeugnisse vergangener Bestattungsrituale. In seinem Bestand befinden sich schwarze Totenleuchten und mehrere Totenkronen, die Unverheirateten auf den Sarg oder in dessen Inneres gelegt wurden. Im Denkmalhof „Bechelsdorfer Schulzenhaus“ findet der Besucher einige Totentragen. Sie dienten zum Aufbahren von Verstorbenen in der Kirche und dem Transport zum Friedhof.

Museologin Heidemarie Frimodig erläutert Einwohnern von Schönberg und Umgebung die Vergangenheit und Gegenwart des alten Friedhofs. Quelle: Jürgen Lenz

In der Kirche beginnt am Sonnabend, den 23. November, um 18 Uhr ein besonderes Konzert, das in den vergangenen Jahren zu einer weiteren Schönberger Tradition geworden ist: „Musik zur Ewigkeit“, diesmal mit Werken von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und César Franck. Der Schönberger Kirchenchor Sankt Laurentius singt. Kirchenmusikdirektor Christoph D. Minke spielt die Winzer-Orgel von 1847. Die Kirchengemeinde erläutert: „Schon lang ist dies eine vom Chor geschätzte Aufgabe, diesen besonderen Abend im Jahr musikalisch zu gestalten. Musik kann helfen, einen Moment der Stille hörbar zu machen, quasi einen akustisch näher bezeichneten Raum zu schaffen, um individuell und doch in Gemeinschaft nachsinnen zu können, was wirklich wichtig für uns ist.“

Von Jürgen Lenz

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