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Grevesmühlen Seid nett zueinander: Wismar und Nordwestmecklenburg starten Aktion für freundlichen Umgang
Mecklenburg Grevesmühlen Seid nett zueinander: Wismar und Nordwestmecklenburg starten Aktion für freundlichen Umgang
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16:15 28.10.2019
Die Bürgerstiftung Wismar hat die Aktion "Seid nett zueinander" ins Leben gerufen, die unter anderem von der Leiterin der Polizeiinspektion Wismar Sibylle Hofmann, Landrätin Kerstin Weiss und Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (vorne, v.l.) unterstützt werden. Hinten: Gerhard Raabe und Wolfgang Eick von der Bürgerstiftung und Schulleiter Klaus-Dieter Sass (v.l.). Quelle: Michaela Krohn
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Wismar

Pöbeleien im Straßenverkehr gegen Mitmenschen und Polizisten, Cybermobbing zwischen Schülern, Respektlosigkeit gegenüber Älteren – weil der Umgangston zwischen den Menschen immer rauer werde, hat die Bürgerstiftung Wismar nun eine Aktion gestartet. Im gesamten Landkreis Nordwestmecklenburg will sie mit leuchtend roten Aufklebern zu mehr Freundlichkeit im Alltag motivieren. „Seid nett zueinander“ steht auf ihnen. 5000 Stück wurden bereits gedruckt und verteilt.

Der Aufkleber zur Initiative "Seid nett zueinander". 5000 Stück wurden schon gedruckt und verteilt. Quelle: Michaela Krohn

Höflichkeit und Respekt sind schwierig zu messen

Höflichkeit und Respekt seien zwar schwierig zu messen, „die Aktion soll aber zumindest wachrütteln“, erklärt Gerhard Raabe, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Wismar. Die Idee, mit Aufklebern darauf aufmerksam zu machen, hatte zunächst das Hamburger Abendblatt. „Wir fanden das so toll, dass wir das auch wollten“, berichtet Raabe. Denn er sagt: „Gegenseitiger Respekt und Toleranz sind Grundpfeiler unserer Wertegemeinschaft, Höflichkeit und Freundlichkeit unseren Mitmenschen gegenüber sollten im Alltag selbstverständlich sein.“

Landrätin: „In meiner Behörde kommt es täglich zu Konfliktsituationen“

Mit ins Boot geholt hat die Bürgerstiftung die Hansestadt, den Landkreis, die Polizeiinspektion und die Große Stadtschule in Wismar. Landrätin Kerstin Weiss (SPD) sagt: „Es ist mir nicht schwer gefallen, die Aktion zu unterstützen.“ Beim Einkaufen, im Straßenverkehr und auch in ihrer eigenen Behörde komme es täglich zu Konfliktsituationen. Die Mitarbeiter dort würden geschult, um darauf eingehen zu können und deeskalierend zu wirken.

Bürgermeister: „Man kann es auch freundlich sagen“

Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) betont: „Die Aktion mag zunächst naiv erscheinen. Das Thema soll aber erst mal ins Bewusstsein der Menschen gebracht werden.“ Als Beispiel nennt er die häufig aufgeregte Verkehrssituation am Wismarer Marktplatz vor der Sparkasse. „Es ist heftig, was man dort manchmal an Beschimpfungen hört“, sagt er. Und: Kritische Dinge kann man auch freundlich sagen.

Die Aufkleber

5000 Aufkleberwurden für die Aktion „Seid nett zueinander“ bereits gedruckt und verteilt. Zu haben sind sie in der Geschäftsstelle der Bürgerstiftung in Wismar, Juri-Gagarin-Ring 55, in den Bürger-Service-Centern des Landkreises und der Hansestadt Wismar, in den Geschäftsstellen der Sparkasse Mecklenburg Nordwest und in den McDonalds-Filialen im Kreis.

Auch Sibylle Hofmann, Leiterin der Polizeiinspektion Wismar, die für den gesamten Landkreis zuständig ist weiß zum Slogan auf den Aufklebern: „Es ist so simpel wie wahr.“ Auch bei der Polizei geht es nicht immer nett zu. „Wir wünschen uns auch mehr Respekt.“ Jede mache mal Fehler und führt das Beispiel „Auffahrunfall“ an. „Wir wollen ein gutes Vorbild sein und unterstützen die Aktion im Kleinen – zum Beispiel in der Öffentlichkeitsarbeit.“

Freundlichkeit motiviert Schüler

Klaus-Dieter Sass, Schulleiter der Großen Stadtschule in Wismar, weiß: „Wenn wir den Schülern gegenüber mit einem freundlichen Gruß auftreten, sind sie mehr motiviert.“ Das freundliche Wort sei die Basis für ein gutes Miteinander, daher unterstütze auch die Aktion gern.

Im sozialen Netzwerk Facebook, das selbst immer wieder für seinen laxen Umgang mit Hasskommentaren kritisiert wird, schreibt Nutzer Clark Dreyer der OZ unter anderem: „Im Internet kann jeder auf dicke Hose machen. Es war alles mal ruhiger. Ohne Smartphones wären wir wohl besser dran, dann lieber ein Nokia 3310 zum Beispiel und man könnte wieder ein normales Leben führen.“

Aktion könnte landesweit Schule machen

Thomas Beyer, seit Neuestem auch Vorsitzender des Städte- und Gemeindetages Mecklenburg-Vorpommern, habe zudem angeregt, die Aktion landesweit zu organisieren. „Dazu haben wir schon die Ehrenamtsstiftung des Landes kontaktiert“, bestätigt Gerhard Raabe.

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Über die Autorin

Von Michaela Krohn

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