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Grevesmühlen Sicherheitsdenken kontra Datenschutz
Mecklenburg Grevesmühlen Sicherheitsdenken kontra Datenschutz
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15:22 29.06.2018
Kameras im öffentlichen Raum - nicht bei allen beliebt. Quelle: STOCK.ADOBE.COM
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Grevesmühlen

Was auf der Bürgerwiese in Grevesmühlen nicht zu funktionieren scheint, läuft dagegen an anderen Stellen im Ort: Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Eine solchen wünschen sich vor allem Eltern und Anwohner seit Längerem auf der Bürgerwiese. Doch ob dort jemals eine Kamera aufgestellt wird, ist ungewiss. Bürgermeister Lars Prahler hatte mehrfach Treffen mit dem Datenschutzbeauftragten des Landes. Das Ergebnis dürfte die Befürworter der Überwachung wenig begeistern: Die Stadt wurde aufgefordert, sämtliche Vorkommnisse auf der Bürgerwiese zu dokumentieren. Anhand der Ergebnisse solle dann entschieden werden, ob eine Überwachung in Frage komme, heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus.

In der Badeanstalt hat der Verein „Unser Freibad Grevesmühlen“ als Betreiber vier Kameras hängen – der Vorsitzende Benny Andersson konnte damit schon Rowdys stellen. Glasscherben waren auf dem Badesteg entdeckt worden. „Anhand der Aufzeichnungen konnten wir die Täter identifizieren, die sich nach den Öffnungszeiten im Freibad herumtrieben“, erklärt er. Am Ende mussten sie antanzen und nicht nur den Steg säubern, sondern auch unter dem Steg den Sand sieben. Letztlich hatte Benny Andersson den Tätern die Wahl gestellt: Arbeitseinsatz oder Anzeige. „Mit einer Anzeige kann ich den Schaden nicht beheben“, begründet er sein Tun.

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Auch ein Einbruch in den Nachtstunden im Kiosk ist schon festgehalten worden, die Täter konnten allerdings nie gefasst werden. „Ich schaue mir die gespeicherten Aufnahmen nur an, wenn Hinweise auf Straftaten oder ähnliches gegeben werden“, nimmt Benny Andersson Kritikern den Wind aus den Segeln, die vermuten könnten, er schaut den Gästen beim Baden zu. Im vergangenen Jahr wurde der Verdacht geäußert, ein jugendlicher Badegast hätte eine Schreckschusspistole dabei – was sich später bestätigte, wie anhand der Aufzeichnungen zu sehen war.

Seit vier Jahren hängen die Kameras im Freibad. 48 Stunden werden die Aufnahmen gespeichert, außerhalb der Badesaison bis zu sieben Tage. Vier Kameras zählt die Badeanstalt – zwei fangen Bilder im Steg- und Badebereich sowie im Strandbereich ein, zwei im kleineren Winkel den Kiosk und das Rettungsschwimmerbüro. „Nur ich habe den Zugriff, die Aufnahmen zu sichten“, so Benny Andersson, der ergänzt: „Wir halten uns an gesetzliche Regelungen. Es ist alles konform mit den neuen Datenschutzrichtlinien.“ Gespeichert werden die Daten im Büro des selbstständigen Unternehmers außerhalb des Freibads. „Vor Ort gibt es keine Bildschirme, auf denen das Geschehen beobachtet werden kann“, verdeutlicht er.

Was sagen Bürger zu Kameras im öffentlichen Raum? „Das ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits fühlt man sich irgendwie überwacht, andererseits kann man im Falle des Falles das Videomaterial ansehen. Das hilft sicher bei der Verbrechensaufklärung“, glaubt Anja Krause, Mitarbeiterin im Reisbüro. Unternehmerin Britta Manja findet Kameras an öffentlichen Plätzen und in Kaufhäusern nützlich. „Aber das Material sollte nur im Notfall zugänglich sein und eingesehen werden“, betont sie.

OZ