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Grevesmühlen Silvester-Ansturm in Boltenhagen: Gut gelaunte Gäste trotz vieler Verbote
Mecklenburg Grevesmühlen

Silvester in Boltenhagen: Verbotszonen für Böller ausgewiesen

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15:04 30.12.2021
Boltenhagen ist voller gut gelaunter Besucher – trotz Einschränkungen und Böllerverbot.
Boltenhagen ist voller gut gelaunter Besucher – trotz Einschränkungen und Böllerverbot. Quelle: Annabelle von Bernstorff
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Boltenhagen

An den Ständen auf dem Wintermarkt bilden sich trotz ungemütlichen Tauwetters lange Schlangen. Viele Menschen schlendern am Mittwoch über die Seebrücke, die Dünenpromenade und den Strand. Boltenhagens Kurdirektor Martin Burtzlaff ist mit dem Ordnungsamt unterwegs, um die Caterer zu sensibilisieren, damit diese die Menschen anhalten, die Abstände einzuhalten.

Nun müssen noch Schilder aufgehängt werden, die die Gäste darüber belehren, an welchen Plätzen im Ostseebad „die Verwendung von Pyrotechnik sowie Ansammlungen und Zusammenkünfte, insbesondere feiernder Menschen“ am 31. Dezember und am 1. Januar 2022 verboten sind. So steht es in einem Erlass, den Amtsvorsteher Jürgen Mevius auf der Grundlage der Corona-Landesverordnung übermittelt hat.

Verbotszonen im Amt Klützer Winkel

An folgenden Plätzen sind „die Verwendung von Pyrotechnik sowie Ansammlungen und Zusammenkünfte, insbesondere feiernder Menschen“ verboten:

Boltenhagen: Strandbereich, Kurpark, Mittel-, Strand- und Dünenpromenade, Seebrückenvorplatz, Ostseeallee zwischen Kreisverkehr bis „Am Reek“

Klütz: Markt, Im Thurow (BAX), Kreuzung Wismarsche Straße/Boltenhagener Straße sowie im Bereich Bushaltestelle.

In der Gemeinde Zierow gelten die Einschränkungen für den gesamten Strandbereich.

„Wir sind ja nicht wegen des Feuerwerks hier“

Mit zwei Bands und einer rauschenden Party am Strand wollte das Ostseebad eigentlich das Jahr 2021 verabschieden. Und mit einem Neujahrskonzert das neue Jahr begrüßen. Nun darf es nicht einmal ein Feuerwerk geben. Die Besucher lassen sich davon die Laune nicht verderben. „Wir sind ja nicht wegen des Feuerwerks hier“, erklärt René Fischer. „Wir wollen das Jahr in Ruhe mit Freunden und Familie ausklingen lassen und genießen den Tapetenwechsel zum Großraum Berlin.“

Entgegen den Prognosen ist das Ostseebad nun doch mit bis zu 75 Prozent gut gebucht, obwohl das Silvesterprogramm flachfällt. „Wir hatten uns schon darauf eingestellt, dass es kein Programm geben würde“, sagt ein Paar aus dem Sauerland. „Es ist erstaunlich viel los“, sagen sie mit Blick auf die Buden im Kurpark, „aber alle sind herrlich entspannt.“

René Fischer (l.) ist mit Familie und Freunden aus Berlin und Brandenburg über den Jahreswechsel nach Boltenhagen gekommen. Quelle: Annabelle von Bernstorff

Familie Kastilahn aus Brandenburg an der Havel wollte eigentlich schon letztes Jahr zum Jahreswechsel ins Dorfhotel kommen. „Damals wurde wegen Corona alles geschlossen, jetzt haben wir ganz spontan gebucht und sind einfach froh, dass wir da sein dürfen“, berichtet Steffanie Kastilahn. „Klar ist das mühsam mit 2G plus, aber wie schön ist es, dass alles wieder machbar ist, dafür nehmen wir auch die Testerei in Kauf.“ In der Apotheke sei sie auch ganz schnell drangekommen.

Fröhlich trotz Schneematsch: Familie Kastilahn aus Brandenburg an der Havel Quelle: Annabelle von Bernstorff

Ihre beiden Jungs Tom und Paul schliddern auf dem Eis und suchen mit Begeisterung Steine und Muscheln am Strand. „Sehen Sie, die Kinder sind Programm genug“, lacht die Mutter. Ein Ehepaar aus Frankfurt sagt: „Wir sind wegen der frischen Luft hier, wir lieben die See im Winter.“ In Boltenhagen sind sie zum ersten Mal. „Wir haben gleich die Geschäfte im Dorf unterstützt“, erzählen sie lachend mit Blick auf die prall gefüllten Einkaufstüten und verabschieden sich mit den Worten: „Es ist halt, wie es ist, wir können uns ja nicht immer nur aufregen.“

Ein bisschen aufregen muss sich Kurdirektor Martin Burtzlaff doch: „In Schleswig-Holstein reicht 2G in der Gastronomie, da findet man eine bessere Balance zwischen Wirtschaftsinteressen und dem Schutz der Bürger.“ In MV würden die Gastronomen „mit praxisfernen Kontrolltätigkeiten belastet und unsere armen Gäste stehen bei Wind und Wetter Schlange am Testzentrum, um ins Restaurant zu dürfen.“

Von Annabelle von Bernstorff