Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Grevesmühlen Simson-Treffen in Gadebusch: Diese aufgemotzten Mopeds sind einmalig
Mecklenburg Grevesmühlen

Simson-Treffen in Gadebusch: Diese aufgemotzten Mopeds sind einmalig

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:27 05.09.2021
Impressionen vom Simson-Treffen am 4. September 2021
Impressionen vom Simson-Treffen am 4. September 2021 Quelle: Maik Freitag
Anzeige
Gadebusch/Grevesmühlen

Endlich, nach monatelanger Corona-Pause konnten die Veranstalter des Simson-Treffens in Gadebusch endlich wieder Vollgas geben. Rund 900 Fahrzeuge mit ihren Besitzern kamen, die Besucherzahlen schätzen die Organisatoren auf rund 2000.

Mit dabei waren am Sonnabend Mopedfans aus der ganzen Region, natürlich auch aus Grevesmühlen und Umgebung. Karsten Bössow aus Klütz war mit seiner KR 50 angereist, der Schwalbe-Vorläufer aus dem Baujahr 61 ist ein wenig älter als sein Besitzer, aber ein Familienerbstück. Das liebevoll restaurierte Moped hatte der Vater von Karsten Bössow einst gekauft. „Es stand 30 Jahre in der Garage.“ Doch dann die Überraschung: „Sprit rein, und es lief.“

Karsten Bössow aus Klütz mit seiner Simson KR 50, dem Vorgänger der Schwalbe, im Gespräch mit Jan Reimann von der Zweiradbude in Grevesmühlen. Quelle: Michael Prochnow

Restauriert werden musste es dennoch. Und das hat sich gelohnt, das Fahrzeug sieht aus wie neu und zieht überall Blicke auf sich. Der DRK-Mitarbeiter startete damit am Sonnabend von Grevesmühlen aus nach Gadebusch. Treffpunkt war die Zweiradbude von Jan Reimann in Grevesmühlen, der sich mit seiner Werkstatt auf dem Kfl-Gelände am Degtower Weg auf die Restauration von DDR-Mopeds und -Motorrädern spezialisiert hat.

So sieht es aus, wenn 900 Mopeds durch die Gadebuscher Innenstadt fahren. Quelle: Maik Freitag

Lesen Sie auch: Der OZ-Liveticker vom Simson-Treffen mit Videos von der Ausfahrt

Das 17. Simson-Treffen in Gadebusch wollte auch der Naschendorfer Tino Groth auf keinen Fall verpassen. Immerhin besitzt er eine Schwalbe, die seinesgleichen sucht. Knallgrün, tiefergelegt, statt 50 gibt es 110 Kubikzentimeter Hubraum im Motor und einen Luftfilter aus einem 3D-Drucker. Und das sind nur einige wenige exotische Teile, die dieses Unikum ausmachen. Zum Fahren war ihm das Moped allerdings zu schade. Deshalb nahm der 31-Jährige auch nicht an der gut 40 Kilometer langen Ausfahrt, sondern nur an der Fahrzeugbewertung teil, die Benzingespräche gehören natürlich auch dazu.

Benzingespräche, Ausfahrten und Wettbewerbe gab es beim Treffen am Sonnabend in Gadebusch.

„Super, dass das Simson-Treffen endlich wieder mit unbegrenzter Teilnehmerzahl stattfinden darf“, sagt der 31-Jährige. Ähnlich sehen das auch Martin Speck und Steffen Schimanek. Die beiden Männer aus Möllin und Gadebusch waren mit ihren fast im Originalzustand erhaltenen, dunkelgrünen Schwalben dabei, beim kilometerlangen Konvoi während der Ausfahrt hatten sie sich vorn eingereiht. Denn: „Hinten sollte man nicht fahren. Es stinkt natürlich enorm“, so Steffen Schimanek.

Tino Groth aus Naschendorf transportierte sein Schmuckstück per Anhänger nach Gadebusch. Quelle: Maik Freitag

MZ-Motorräder der Volkspolizei

Matthias (links) und Werner Maack mit ihren Behördenfahrzeugen aus DDR-Zeiten. Quelle: Maik Freitag

Ganz besondere Motorräder haben sich hingegen Matthias und Vater Werner Maack in diesem Jahr zugelegt. Sie haben zwei ETZ 250 in ihrem Besitz, die vor 40 Jahren als Feuerwehr- bzw. Volkspolizei-Moped gelaufen sind. „Das Land Brandenburg hat einmal 56 Feuerwehrmotorräder ausrüsten lassen. Als sie gemerkt haben, dass die Vorderräder auf dem sandigen Gelände nicht funktionierten, haben sie sie wieder aus dem Verkehr gezogen. Meine Maschine hier stand 30 Jahre in einer Scheune“, erklärt Matthias Maack aus Rehna.

So viele DDR-Fahrzeuge sind in NWM zugelassen

63 Fahrzeuge mit der Kennung Simson-Zweirad sind in der Zulassungsstelle in Nordwestmecklenburg registriert. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was tatsächlich auf den Straßen unterwegs ist. Hintergrund: Die Mopeds brauchen nur eine Betriebserlaubnis und eine Versicherungsplakette, aber keine Zulassung.

967 Fahrzeuge sind unter Motorradwerke Zschopau, besser bekannt als MZ, in NWM angemeldet.

354 Fahrzeuge gibt es in der Statistik im Nordwestkreis mit dem Zusatz „Sachsenring Zwickau“, sprich Trabant.

26 Fahrzeuge sind mit dem Hinweis auf VEB Automobilwerke Zwickau – Wartburg – aktuell angemeldet.

Der Tüv-Albtraum: Moped mit 600 ccm

Beim Simson-Treffen nicht fehlen durfte auch der Lüdersdorfer Christian Schmylla. Der 40-jährige Tüftler war mit seinen Kumpels Karsten Schlichte und Lars Kascha nach Gadebusch gekommen, um seinen völlig umgebauten S 51 zu präsentieren. Gleich 600 Kubikzentimeter Hubraum weist der Motor seines Mopeds aus. Nach einem Jahr Bauzeit lief das Zweirad endlich. Original ist so gut wie gar nichts mehr. „Der Motor ist aus einer Yamaha XT und schon sehr kräftig. Da kann nicht mehr viel original bleiben“, erzählt er. Zeigen konnte er die Leistung bei einem sogenannten Wheelie. Dabei dreht das Hinterrad solange auf der Stelle durch, bis es platzt.

„Wir drei schrauben in unserem Kälberstall in Lüdersdorf gerne rum und haben schon alles in den Händen gehabt, was Simson hergibt. Es macht einfach Laune“, sagt der 40-Jährige. Seit 20 Jahren tüfteln sie an den DDR-Fahrzeugen und kommen seit dem ersten Simson-Treffen nach Gadebusch. „Nur im vergangenen Jahr, als coronabedingt nur 500 Teilnehmer zugelassen waren, waren wir nicht dabei“, sagt er. Jetzt allerdings war die Vorfreude riesig. Und sie wurden nicht enttäuscht. Geniales Wetter, 900 Fahrzeuge und 2000 Besucher – das Gadebuscher Simson-Treffen ist endlich zurück.

Im Rahmen des Treffens wurde eine nagelneue beziehungsweise komplett neu aufgebaute Simson S51 B verlost, der glückliche Gewinner heißt Stefan Birkman und kommt aus Veelböken. Das Fahrzeug hat einen Wert von rund 3600 Euro.

Stefan Birkmann aus Veelböken hat eine nagelneue Simson S51 gewonnen. Quelle: Maik Freitag

Von Maik Freitag und Michael Prochnow