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Grevesmühlen So hat Mecklenburg sich verändert: Markante Gebäude im Wandel der Zeit (Teil 5)
Mecklenburg Grevesmühlen So hat Mecklenburg sich verändert: Markante Gebäude im Wandel der Zeit (Teil 5)
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17:00 09.11.2019
Das Verwaltungsgebäude entstand in den Jahren 1921/22 in Grevesmühlen nach den Plänen des Stadtbaumeisters Karl Krämer. Quelle: Archiv Udo Meier
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Rostock

Mecklenburg hat sich im Lauf der Zeit deutlich verändert. Ein Vergleich historischer Ansichten von vor hundert Jahren mit aktuellen Aufnahmen macht deutlich, wie sehr. Während einige Gebäude noch gut erhalten sind oder erneuert wurden, verfallen andere zunehmend. In einer Serie stellen wir markante Bauten aus der Region vor.

Das Zisterzienserkloster zum Heiligen Kreuz in Rostock

Das Zisterzienserkloster zum Heiligen Kreuz in der Rostocker Stadtmitte war eines von vier mittelalterlichen Klöstern in der Hansestadt. 1270 wurde es durch Königin Margarete gegründet. Seinen Namen hat das Kloster von seiner Gründungsreliquie: ein (angeblicher) Splitter von Kreuz, an dem Jesus Christus gestorben ist.

Gleich zu Beginn hatte das Nonnenkloster so großen Zustrom, so dass die Zahl der Bewohnerinnen schließlich auf 40 Nonnen und zehn Laienschwestern begrenzt werden musste. Aufgenommen wurden vor allem Töchter aus bürgerlichen Rostocker Familien, die eine Mitgift einbringen mussten.

Weitere Bauarbeiten schufen Platz für Nonnen

Vermutlich ab 1307 entstand der Südflügel mit dem Schlafsaal der Nonnen, dem Dormitorium, im Dachgeschoss sowie Aufenthalts- und Versammlungsräumen im Erdgeschoss. Die Klosterkirche wurde etwa 1350 bis 1360 fertig. In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde nordwestlich ein weiterer Flügel erbaut. Im Nordwestflügel lag auch das Hospital des Klosters.

Ebenfalls im 14. Jahrhundert wurde der Westflügel errichtet. Hier lagen das Winter- und das Sommerrefektorium sowie ein Tagesraum und ein weiteres Dormitorium. Im späten 15. Jahrhundert wurde ein zweigeschossiger Eingangsbau angebaut. Zudem gab es weitere Gebäude wie ein Wasch-, ein Küchen- und ein Brauhaus sowie die Propstei, die Klosterscheune und Stallungen.

Stiftsdamen erhielten lebenslanges Wohnrecht

Das Kloster wurde während der Reformation 1584 in ein evangelisches Frauenstift für unverheiratete Töchter Rostocker Familien und mecklenburgischer Adliger umgewandelt. Seit 1605 lebten dort 20 Stiftsdamen. Mit dem allgemeinen Niedergang in Mecklenburg im 17. Jahrhundert verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation auch für das Stift. 1920 es geschlossen, die verbliebenen Stiftsdamen erhielten lebenslanges Wohnrecht.

Die Kirche war bereits 1899 zur Universitätskirche umgebaut worden. Heute beherbergt das Kloster zum Heiligen Kreuz das kulturhistorische Museum der Hansestadt. Der Komplex ist eines der letzten geschlossenen Bauensembles des Mittelalters in Rostock.

Grevesmühlener Verwaltungsgebäude in der Goethestraße

Das Bild der Goethestraße wird vor allem durch das Haus bestimmt, das in den Jahren 1921/22 von Stadtbaumeister Karl Krämer als Verwaltungsgebäude erbaut wurde. Bis 1934 nutzte es das sogenannte Domanialamt Grevesmühlen. Anschließend zog das Finanzamt des Kreises Schönberg ein, wie Ortschronist Eckart Redersborg in seinem Buch „Die Straßen und Plätze der Stadt Grevesmühlen“ ausführt.

Nachdem es ab 1945 verschiedenen Zwecken diente – zunächst auch für die damalige amerikanische, britische und sowjetische Besatzung –, ist es von 1950 bis 1952 zum ersten Volkspolizeikreisamt umfunktioniert worden. Bis zum 13. Februar war dort die Kommandantur der Roten Armee zu finden. Dann verwahrloste das Gebäude mehr und mehr. Der gesamte Hofbereich war von einer etwa zwei Meter hohen Mauer umgeben, die bis zum damals benachbarten Feuerwehrgebäude reichte.

Stadt baute das Gebäude zum Rathaus aus

Anfang der 1990er-Jahre nahm die Stadt Grevesmühlen viel Geld in die Hand: Sie kaufte das Gebäude vom Bundesvermögensamt, sanierte es und baute es zum Rathaus der Stadt aus. Die offizielle Übergabe fand am 14. Januar 1994 statt.

Einige Jahre später zog die Verwaltung in die Stadtmitte. Das jetzige Rathaus am Markt ist am 27. November 1997 übergeben worden. Nur zwei Amtsbereiche blieben in der Goethestraße. Bis 2015 ist das Gebäude als Rathaus 2 geführt worden. Zeitweise hatten auch der Kreissportbund, der Heimatverein und die Polizei mit einem Kontaktbüro als direkte Anlaufstelle in der Innenstadt ihren Sitz.

Verwaltungsgebäude 2015 kostenintensiv saniert

Für das Jobcenter Nordwestmecklenburg (Anmeldung und Arbeitsvermittlung) ist das Haus noch einmal umfangreich saniert worden. Unter anderem entsprachen Brandmeldeanlage und -schutztüren nicht den Standards. Auch die Elektroanlage musste erneuert werden.

Die Stadt als Eigentümer der Immobilie rechnete zunächst mit Kosten in Höhe von 115 000 Euro, dann mit 205 000 Euro. Auf der Rechnung stand unterm Strich aber die Summe von 378 000 Euro. Im April 2015 zog das Jobcenter, das zuvor in der August-Bebel-Straßen zu finden war, ein.

Die OSTSEE-ZEITUNG zeigt historische und neue Aufnahmen von markanten Gebäuden in Mecklenburg.

Der See-Grenzbeobachtungsturm in Kühlungsborn

Im Mai 1973 wurde der See-Grenzbeobachtungsturm (BT 11) in Kühlungsborn von einem Pionierzug des III. Grenzbataillons der Grenzbrigade Küste an der jetzigen Stelle errichtet. Von dem 15 Meter hohen Turm aus konnten die Grenzer ein bis zu zwölf Seemeilen weites Seegebiet absuchen. 27 Türme dieses Typs standen entlang der Seegrenze.

Der Turm war zu DDR-Zeiten mit ein bis zwei Soldaten besetzt. Die Dienstzeit betrug sechs bis zwölf Stunden. Jede verdächtig erscheinende Bewegung wurde protokolliert. Mit starken Ferngläsern wurden Strand und Ostsee abgesucht. Über eine ständige Telefon- und Funkverbindung zur Grenzkompanie wurden verdächtige Beobachtungen gemeldet und der Einsatz von Hubschraubern, Suchpatrouillen sowie Grenz- und Marineschiffen ausgelöst. Der Suchscheinwerfer auf dem Dach diente der Ausleuchtung des Nahbereiches und wurde von innen bedient.

Rund 40 Fluchtversuche sind bislang bekannt

Vor allem mit Faltbooten hätten die Menschen versucht, über die Ostsee zu flüchten, sagt Knut Wiek, Vorsitzender des Vereins „Ostsee-Grenzturm“: „Viele Leute, die abgehauen sind, waren unpolitisch. Sie wollten die Welt sehen – die Faltboote waren als Fluchtmittel beliebt und auch erfolgreich.“ Kühlungsborn war ein Ort voll mit Menschen – „hier kam man unbemerkt an die See ran, man tauchte in der Menschenmasse unter.“ Etwa 40 Fluchtversuche vom Ostseebad über das Wasser seien dem Verein bislang bekannt, so Wiek.

Heute sind nur noch zwei Grenztürme entlang der Ostsee erhalten. In Börgerende soll der aktuell leerstehende Turm vor dem Verfall gerettet und restauriert werden. Der Ostseegrenzturm Kühlungsborn ist der einzige öffentlich zugängliche.

Verein „Ostsee-Grenzturm“ engagiert sich für Erhalt

Im Jahr 2002 gründete sich der Verein „Ostsee-Grenzturm“ mit dem Ziel, den DDR-Ostsee-Grenzturm BT11 als Geschichtsdenkmal zu erhalten. Am Turm soll Geschichte erlebbar dargestellt werden. Es wird über Schicksale, Hintergründe und das Leben im Grenzgebiet informiert. Mit dem Vereinsarchiv ist eine umfangreiche Sammlung zu diesem Thema entstanden.

Der Turm lässt sich über versetzte Leitern besteigen, die jeweils mit einem halbkreisförmigen Podest nach unten gesichert sind. Die Kanzel ermöglicht einen 360 Grad Panoramablick.

Wismarer Wasserkunst auf dem Marktplatz

Zu den beliebtesten Fotomotiven in Wismar zählt die Wasserkunst auf dem Marktplatz. Damals wie heute ist Wasser aus dem Alltag nicht wegzudenken. Um 1570 befand sich ein Holz-Brunnen am Markt. Von hier konnten sich die Wismarer frisches Trinkwasser holen oder auch durch Wasserfahrer bringen lassen. Doch das einfache Holz hielt nicht lange stand. Daher wurde eine neue Brunnenanlage auf dem Markt gebaut.

Das nasse Element kam ab 1595 aus der Wasserkunst. Das Bauwerk selbst wurde erst 1602 nach Streitigkeiten vollendet.

Wasserkunst versorgte die Anwohner

Die Häuser, die an die Leitung angeschlossen waren, konnten nun bequem das Wasser beziehen. 1861 wurde die Wasserkunst nach einer Rekonstruktion mit einem größeren Wasserbehälter versehen und steht seitdem auf einem „Sockel“ etwas höher. Die grundsanierte Wasserkunst hatte 34 Jahre später ausgedient und wurde durch eine neue Wasserversorgung abgelöst.

Ab 1929 bekommt Wismar sein Wasser aus Friedrichshof, wo sich auch heute noch der Sitz der Wismarer Stadtwerke befindet.

Denkmal gehört bis heute zum Stadtbild

An der Wasserkunst nagte mit den Jahren der Zahn der Zeit. Dank denkmalpflegerischer Arbeiten ist die Wasserkunst ein Hingucker im Wismarer Stadtbild geblieben.

Zur Bezeichnung „Wasserkunst“ sagte Wismars früherer Ortschronist Detlef Schmidt: „Die Bezeichnung Kunst rührt nicht von dem heute von vielen Menschen bewunderten Renaissancebau. Vielmehr bezieht es sich auf ,künstlich‘, da das Wasser künstlich herbeigeschafft und auch künstlich in die Häuser geliefert wurde.“

Alle Teile der Serie im Überblick

In einer Bildergalerie zeigt die OZ historische und neue Aufnahmen von markanten Gebäuden aus Mecklenburg und erzählt ihre Geschichte.

Teil 1: der Warnemünder Teepott, der Bürgerbahnhof in Grevesmühlen, das Wismarer Reuterhaus und das Doberaner Moorbad.

Teil 2: das Schabbellhaus in Wismar, das Rostocker Telegrafenamt, Villa Baltic in Kühlungsborn und das Museums- und Vereinshaus Grevesmühlen-

Teil 3: der „Alte Schwede“ in Wismar, das Wirtschaftsgebäude in der Klosteranlage Bad Doberan, das Rostocker IHK-Gebäude und die Malzfabrik in Grevesmühlen.

Teil 4: die Löwen-Apotheke am Wismarer Hopfenmarkt, der Jakobikirchplatz in Rostock, das Schloss in Kalkhorst und die Kirchruine in Satow.

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