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Grevesmühlen Landrätin „geschockt“ von Impfstopp: So geht es in Nordwestmecklenburg weiter
Mecklenburg Grevesmühlen

Stopp für Astrazeneca: Das wird aus Zweitimpfung in Nordwestmecklenburg

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18:03 16.03.2021
Im Impfzentrum des Landkreises NWM in Grevesmühlen wird derzeit nur das Präparat von Biontech verimpft. DRK-Chef Giewald und Landrätin Kerstin Weiss (SPD) äußern sich zum Impfstoff.
Im Impfzentrum des Landkreises NWM in Grevesmühlen wird derzeit nur das Präparat von Biontech verimpft. DRK-Chef Giewald und Landrätin Kerstin Weiss (SPD) äußern sich zum Impfstoff. Quelle: J. Schultz, privat, Anne Karsten
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Grevesmühlen/Wismar

Die gute Nachricht zuerst: Die Impfungen werden in Nordwestmecklenburg fortgesetzt. 1 125 Dosen mit dem Präparat von Biontech stehen in dieser Woche zur Verfügung, teilte der Landkreis mit. Auch am Dienstag waren die mobilen Impfteams unterwegs, um beispielsweise eine Pflegeeinrichtung zu impfen. Doch damit enden die frohen Botschaften bereits, denn vieles ist nach dem abrupten Impfstopp noch unklar.

Wie andere europäische Länder zuvor hatte auch Deutschland am Montag die Impfungen mit Astrazeneca ausgesetzt, bis eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zum weiteren Umgang mit dem Produkt vorliegt. Grund dafür sind Meldungen von Blutgerinnseln in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung des Herstellers.

„Zeitfenster für die Zweitimpfung ist sehr groß“

Die Folge: 850 geplante Impftermine fallen laut Landkreis allein in dieser Woche aus. Auch die Zweitimpfungen sind derzeit ausgesetzt, doch noch sei das unproblematisch, so Sprecher Christoph Wohlleben: „Das Zeitfenster für die Zweitimpfung ist sehr groß und so sollte es nach aktuellem Stand nicht zu Komplikationen oder einem nachlassenden Impfschutz kommen.“

Mehr lesen: DRK-Chef von Nordwestmecklenburg beruhigt: Zeitfenster für Zweitimpfung noch „weit offen“

Dennoch: Ein herber Schlag für alle, die darauf gehofft hatten, bald vor dem Coronavirus geschützt zu sein, und auch für die Landrätin Kerstin Weiss (SPD). Auf Nachfrage sagt sie: „Die Nachricht hat mich geschockt. Ich hoffe auf eine schnelle Klärung und darauf, dass wir bald auch diesen Impfstoff wieder nutzen können. Denn nur das Impfen ist der Weg heraus aus der Pandemie.“ Bei den Menschen spüre sie eine große Unzufriedenheit mit der Situation. „Das ist verständlich – es geht mir nicht anders. Der fehlende Impfstoff wirft uns zurück.“

„Knüppel zwischen die Beine geworfen“

Weiss hoffe, dass die erneute Überprüfung des Impfstoffes durch die EMA bald abgeschlossen und Astrazeneca nicht aus dem Verkehr gezogen werde: „Meinem Ziel, allen Kita-Erzieherinnen und Erziehern und allen Grund-, Förder- und Sonderschullehrern bis zu den Osterferien ein Impfangebot machen zu können, wurde nun natürlich ein gehöriger Knüppel zwischen die Beine geworfen.“

Tom Brose, Impfmanager des Landkreises, ahnt: „Wir werden es in den kommenden Tagen wahrscheinlich mit dem Unmut vieler Menschen zu tun haben, die ihren Impftermin nicht wahrnehmen können, was sehr ärgerlich ist.“ Für ihn bedeutet die Entscheidung der Bundesregierung zusätzliche Arbeit: „Sollte der Astrazeneca-Impfstoff bald wieder freigegeben werden, stehen wir vor der Herausforderung, den Impfbetrieb schnell wieder hochzufahren.“ Bis das geschehen kann, wird das Präparat entsprechend gelagert.

„Kollektive Verunsicherung, aber keine Panik“

Brose zur Seite steht der DRK-Kreisverband mit Personal und Fachwissen. Vorstand Ekkehard Giewald räumt ein: Nun herrsche leichte Verunsicherung in seinem Team und bei den Menschen, die bereits mit Astrazeneca geimpft wurden: „Wir haben ihnen gesagt, was uns die Gesundheitsexperten mitgeteilt hatten, nämlich dass es ein sicherer Impfstoff ist.“

Am vergangenen Samstag habe das DRK mehr als 100 Pädagogen und Erzieher im Klützer Winkel mit Astrazeneca geimpft. „Die waren zu einem großen Anteil froh, dass das Impfen für diese Personengruppe losgeht.“ Verständlich, denn inzwischen wisse man ja, dass Schulen und Kitas zum Infektionsgeschehen beitragen, so Giewald. „Jetzt gibt es ein Stück weit kollektive Verunsicherung, aber keine Panik.“

Er bleibt zuversichtlich: „Ich gehe davon aus, dass man innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen, vielleicht auch zügiger, den Impfstoff wieder zulassen wird, weil der Anteil der schweren Nebenwirkungen im Promillebereich ist.“

Landkreis bereit, Impftermine selbst zu vergeben

Doch die dann wohl notwendige Neuvergabe vereinbarter, aber ausgefallener Impftermine dürfte nicht einfach werden. Schon in der vergangenen Woche äußerste die Landrätin ihren Unmut über die Terminvergabe durch die Impfhotline des Landes und kündigte eine eigene Lösung an. Nun heißt es aus dem Landkreis: „Das Land hat bei der Hotline nachgesteuert. Wir stehen aber bereit, um einzuspringen, wenn es mit der Terminvergabe nicht besser wird.“

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Und am Ende hat Kerstin Weiss doch noch eine gute Nachricht: „Die kostenlosen Corona-Schnelltests sind sehr gut angelaufen.“ Die drei Teststationen in Wismar, Gadebusch und Grevesmühlen seien zwar nur als Übergangslösung gedacht gewesen, bis jetzt sei aber noch keine flächendeckende andere Lösung in Sicht. Unterdessen hat der Landkreis die kritische Inzidenz der vergangenen Woche von über 100 Infektionen je 100 000 Einwohner wieder unterschritten. Am Dienstagabend lag der Wert bei 96,6.

Von Juliane Schultz