Streit um Piraten-Open-Air in Grevesmühlen: Bürgermeister Lars Prahler stellt sich hinter das Theater
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Grevesmühlen Streit um Piraten Open Air in Grevesmühlen: Bürgermeister stellt sich hinter das Theater
Mecklenburg Grevesmühlen

Streit um Piraten-Open-Air in Grevesmühlen: Bürgermeister Lars Prahler stellt sich hinter das Theater

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18:04 26.07.2021
Premiere beim Piraten Open Air in Grevesmühlen, Bürgermeister Lars Prahler.
Premiere beim Piraten Open Air in Grevesmühlen, Bürgermeister Lars Prahler. Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen

Volles Haus bei der Premiere am Freitagabend beim Piraten Open Air in Grevesmühlen, auch die Vorstellungen am Sonnabend und Sonntag waren sehr gut besucht. Allerdings musste das Theater aufgrund der aktuellen Auflagen die Lautstärke deutlich runterfahren, um die Saison nicht zu gefährden. Denn es laufen mehrere juristische Verfahren, die sich mit dem Theater

Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler, 49, parteilos: „Rechtsfrieden wird nicht zu erreichen sein, wenn sich die jeweilige Partei auf rechtliche Standpunkte zurückzieht und sich nicht bewegt.“ Quelle: Dietmar Lilienthal

beschäftigen. Zum einen gibt es noch immer keine Baugenehmigung für die Spielstätte, zum anderen hat das Verwaltungsgericht in Schwerin den Veranstaltern unter anderem die Auflage erteilt, die Lautstärke zu messen. Bei Überschreitung der Grenzwerte droht die Schließung des Theaters an der Schweriner Landstraße. Nun hat sich Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler mit einem emotionalen Statement in die Debatte eingeschaltet. Er fordert alle Beteiligten zu einem Kompromiss auf. Denn: „Meine persönliche Erkenntnis nach all den Jahren ist: Rechtsfrieden wird nicht zu erreichen sein, wenn sich die jeweilige Partei auf rechtliche Standpunkte zurückzieht und sich nicht bewegt.“

Seit 2005 gibt es die Piraten in Grevesmühlen

Lars Prahler hatte 2006 als Bauamtsleiter in der Grevesmühlener Stadtverwaltung angefangen, im Jahr zuvor hatten die Piraten ihre erste Saison vor rund 20 000 Zuschauern am Ploggensee gespielt. Alle Höhen und Tiefen des Theaters habe er miterlebt. „Unzählige Beratungen, unzählige Streitgespräche, dutzende Gutachten, Gerichts- und auch ein Insolvenzverfahren gab es seitdem zu meistern. Hätte ich Haare, wären sie wohl deswegen grauer.“ Hauptargument der Kritiker sind die Zahlen in der TA Lärm, übersetzt ist das die „Technische Anleitung (TA) zur Reinhaltung der Luft und zum Schutz gegen Lärm“ des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Die Grenzwerte für Geräusche sind, so weit sind sich alle Beteiligten einig, an den Wohnhäusern, die im Umfeld des Theaters liegen, nicht einzuhalten, wenn Capt’n Flint sich mit seinen Herausforderern Duelle mit Schiffskanonen und Musketen liefert. Die Familien, die vor dem Verwaltungsgericht gegen die Spielgenehmigung, die der Landkreis erteilt, klagen, wollen sich nicht öffentlich äußern. Sie verweisen auf die Gesetze. Ihr Rechtsanwalt will sich ebenfalls nicht in der Presse dazu erklären. Auch zur Zahl der Kläger gibt es keine Angaben.

Premiere beim Piraten Open Air in Grevesmühlen Quelle: Michael Prochnow

60 000 Besucher pro Jahr

Prahler verweist auf die Wirkung des Theaters für die Stadt und die Region. Denn die Piraten hätten Grevesmühlen zur heimlichen Piratenhauptstadt Deutschlands gemacht. „60 000 Gäste pro Jahr, Werbung für unsere Stadt auf unzähligen Messen und Plakaten, Funk und Fernsehen, in In- und Ausland, Freude für uns selbst und Zuschauende aus nah und fern, zahlreiche Stars, wie die Semmelrogges oder zuletzt Anouschka Renzi, hier in Grevesmühlen. Kultur, Konzerte und Aktionen, die uns allen noch sehr gut in Erinnerung sind und wir sicher so vor 15 Jahren in Grevesmühlen nicht für möglich gehalten haben.“

Lärmschutzwälle und Mauern als Schallschutz?

Der 49-Jährige verweist darauf, dass die Stadtverwaltung, der das Theatergelände gehört – das Theater ist der Pächter der Immobilie –, in den vergangenen Jahren mehrfach versucht habe, zu vermitteln. Allein zwei Mediationsverfahren gab es – beide brachten kein Ergebnis. Inzwischen hat das Schweriner Verwaltungsgericht die Verantwortlichen verdonnert, nicht nur den Lärm zu reduzieren, sondern auch verwertbare Messungen durchzuführen. Auch wenn es noch einige Tage dauert, bis die ersten Messungen vorliegen, das Theater hat bereits reagiert. „Das Stück beginnt mit gewohntem Gedonner und Geballer und just um 20 Uhr – wie abgezählt – steuert das Stück mehr mit Gesang und Fechteinlagen als mit Kanonen und Pistolen dem grandiosen Finale entgegen. Die Anwohner, die das Verwaltungsgericht bemühten, müssten also konstatieren, dass die Bestrebungen nach Lärmreduktion Früchte zeigen“, so Lars Prahler. Eine absolute Ruhe werde es jedoch nicht geben.

Die Frage sei nun, was die Messungen am Ende ergeben werden. „Sind Richtwerte, die ebenso für 365 Tage gelten, richtig interpretiert, auch wenn das Stück nur 80-mal im Jahr stattfindet und sich die maßgeblichen Immissionen auf eine Viertelstunde, stets zur gleichen Zeit, beschränken?“, fragt der Bürgermeister. Er kündigt an, dass die Stadt durchaus bereit sei, in den Schallschutz zu investieren. „Denn unser Ziel muss es meiner Meinung nach sein, dass das Piraten Open Air in unserer Stadt weiter seine Heimat hat und erfolgreich für uns und unsere Gäste Freude schenken kann.“

Von Michael Prochnow