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Grevesmühlen Tarifverhandlungen: DRK-Mitarbeiter in Grevesmühlen bieten Klinikleitung die Stirn
Mecklenburg Grevesmühlen Tarifverhandlungen: DRK-Mitarbeiter in Grevesmühlen bieten Klinikleitung die Stirn
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18:47 29.10.2019
Für die Tonne? Die Geschäftsführung in Grevesmühlen hat sich bisher gesträubt, über einen Tarifvertrag zu verhandeln. Quelle: Jana Franke
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Grevesmühlen

Die Mitarbeiter des DRK-Krankenhauses in Grevesmühlen sind seit Dienstag einen entscheidenden Schritt weiter. Im Bürgerbahnhof trafen sich etwa 30 Angestellte mit Daniel Taprogge, Gewerkschaftssekretär bei „ver.di“, um eine Tarifkommission zu wählen. Sieben Kollegen haben sich gefunden – plus Stellvertreter.

Vor eineinhalb Wochen machten Mitarbeiter ihren Unmut in einem Brief öffentlich. Zu wenig Lohn, Personalmangel und unzureichende Kommunikation mit der Geschäftsführung kritisierten sie darin unter anderem. Der Brief verbreitete sich schnell im sozialen Netzwerk, ist mit aufmunternden Worten aus der Bevölkerung mehr als 300-mal geteilt worden.

Personalnotstand wird durch FSJler kompensiert

Die schriftliche Antwort des Geschäftsführers Jan Weyer ließ nicht lange auf sich warten. An Pressevertreter und als Hausmitteilung (mittlerweile soll sie verschwunden sein) ist diese verteilt worden. Darin heißt es, dass es sich bei dem offenen Brief um eine perfide Rufschädigung handele. Den Vorwürfen der Mitarbeiter setzte er „Tatsachen“, wie er es nennt, gegenüber: Allein in diesem Jahr hätte es 42 Neueinstellungen gegeben, Mitarbeiter könnten ihre Stunden aufstocken und das Krankenhaus halte mehr Personal als gesetzlich gefordert vor.

1992 hat das Deutsche Rote Kreuz die Trägerschaft über das Krankenhaus in Grevesmühlen übernommen. 28,5 Millionen Euro wurden in den Neubau investiert, der Ende 2000 die ersten Patienten aufnahm. Laut eigener Angaben des DRK werden jährlich etwa 5500 Patienten stationär und 6800 Patienten ambulant behandelt.

In Mecklenburg-Vorpommern ist das DRK Träger von vier Krankenhäusern. Neben Grevesmühlen sind dies die Häuser in Grimmen-Bartmannshagen, Teterow und Neustrelitz.

Die Anzahl der Neueinstellungen möge stimmen, geben die Mitarbeiter zu. Aber Austritte müssten dagegengerechnet werden. Und davon habe es in letzter Zeit viele gegeben. Der Personalnotstand werde durch FSJler (Freiwilliges Soziales Jahr) kompensiert, die als vollwertige Arbeitskraft eingesetzt werden.

Unter fairen Bedingungen weiterarbeiten

Den Mitarbeitern gehe es in erster Linie darum, in Grevesmühlen unter fairen Bedingungen weiterarbeiten zu können. „Nichts ist schlimmer, als wenn Stationen schließen müssen oder das Krankenhaus komplett dichtmacht“, heißt es. Sie fordern einen Tarifvertrag. 30 Prozent weniger Geld würden sie im Vergleich zu Krankenhausmitarbeitern in Lübeck, Schwerin und Wismar bekommen.

Mitarbeiter des DRK-Krankenhauses in Grevesmühlen bildeten nun eine Tarifkommission. Quelle: Dirk Hoffmann

57 Prozent der Kollegen (nichtärztliches Personal) sind bereits in die Gewerkschaft eingetreten. Einige, die es noch nicht sind, haben schlichtweg Angst vor Konsequenzen, erzählt eine Angestellte. „Die gilt es nun noch zu überzeugen.“

Erwartungen an Tarifvertrag werden abgefragt

In Grimmen – Jan Weyer ist Geschäftsführer der Häuser in Grevesmühlen, Grimmen, Neubrandenburg und Teterow – habe das geklappt, gibt Martina Hartung von Verdi Neubrandenburg an. Hier ist bereits vor zwei Wochen eine Tarifkommission gebildet worden. Die Mitglieder erfragen nun unter Kollegen, welche Erwartungen sie an einen Tarifvertrag haben – was zwingend verankert werden muss. Diese Aufgabe steht nun auch den Grevesmühlenern bevor.

Namen dürfen noch nicht veröffentlicht werden. „Wir müssen erst klären, ob die Geschäftsführung der Kommission eine Freistellung für Versammlungen genehmigt“, begründet Daniel Taprogge. Ein Streik, so betont er, sei das letzte Mittel.

Politik hat Unterstützung zugesagt

Dass die Gewerkschaft ein lästiges Übel für die Geschäftsleitung ist, erfuhr Taprogge am eigenen Leib. Auslagen der Gewerkschaft im Krankenhaus seien entfernt worden. Und: Laut seiner Aussage habe er ein Hausverbot erteilt bekommen. „Das Arbeitsgericht Schwerin kippte es mit einer einstweiligen Verfügung.“

Daniel Taprogge, Gewerkschaftssekretär Verdi Schwerin, sollte Hausverbot im Krankenhaus bekommen. Quelle: Annett Meinke

Unterdessen hat die Politik Unterstützung zugesagt. Kürzlich trafen sich Daniel Taprogge und Klinikmitarbeiter mit Linken-Politikern – darunter die Landtags- und Kreistagsabgeordnete Simone Oldenburg, Kreisfraktions-Chef Horst Krumpen und Torsten Koplin, gesundheitspolitischer Sprecher der Linken. „Die Anzahl der Patienten steigt, aber die Anzahl derer, die sich um sie kümmern, nicht“, zeigt Koplin ein Bild auf.

Das Personal müsse immer mehr leisten, so Simone Oldenburg. Das grenze an Ausbeutung. Horst Krumpen geht einen Schritt weiter. „In Grevesmühlen geht es der Leitung nicht um die Frage, was der Patient braucht, sondern wie viel Geld er bringt.“

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Von Jana Franke

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