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Grevesmühlen Tierärztin aus Goldbeck ist die Zweitbeste im ganzen Land: Was sie anders macht
Mecklenburg Grevesmühlen

Tierärztin aus Goldbeck ist die Zweitbeste im ganzen Land 

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13:03 27.11.2021
Ina Rheker behandelt den drei Jahre alten Boxer Arnold mit Akupunkturnadeln gegen seine Rückenverspannung.
Ina Rheker behandelt den drei Jahre alten Boxer Arnold mit Akupunkturnadeln gegen seine Rückenverspannung. Quelle: Annabelle von Bernstorff
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Goldbeck

Arnold ist drei Jahre alt und ein echter Boxer. Schon nach dem ersten Begrüßungsküsschen liege ich rücklings auf dem Praxisboden von Ina Rheker. Meine Schuld, ich habe ihn vermutlich durch meine freundliche Ansprache zu dieser stürmischen Begrüßung ermutigt. Man sieht sofort, dieser Kerl springt und tobt für sein Leben gern. „Und leider verreißt er sich dabei öfter mal den Rücken“, erklärt Frauchen Pia Lindquist-Franz aus Boltenhagen.

Er mache dann so einen Hechtrücken und laufe nicht flüssig. „Heute wissen wir, dass er eine Tendenz dazu hat, aber anfangs hatte unser Tierarzt den Verdacht, er habe sich das Kreuzband gerissen.“ Der Fahrplan war klar: Röntgen und anschließend eine kostspielige Operation. „Darum bin ich zu Ina gegangen und habe mir ihren Rat geholt“; berichtet die Besitzerin. „Sie hat ihn genadelt und es wurde ganz schnell wieder besser.“

Akupunktur gehört zu Ina Rhekers täglichem Geschäft. „Alternative Heilmethoden werden auch beim Tier zum Glück immer anerkannter“, freut sie sich. Viele Methoden würden im Leistungssport bei Mensch und Tier schon seit Jahren angewandt und schwappten dann so allmählich über in die allgemeine Medizin und die Physiotherapie. „Wo Leistung erhalten werden muss, ist die Motivation, neue Wege zu suchen, größer.“ Rheker erklärt am Beispiel Turnierpferd: „Ein Pferd mit verzwacktem Rücken darf vor einem Turnier kaum Medikamente erhalten. Da ist die Bereitschaft größer, es mal mit Osteopathie oder Akupunktur zu versuchen.“

„Ina kann die Tiere lesen“

Arnold ist nach dem Setzen der Akupunkturnadeln wie ausgewechselt. Er hat sich lang auf dem Behandlungstisch ausgestreckt und ist vom Boxer zum Schmusekätzchen geworden. „Wenn er nachher nach Hause kommt, legt er sich in sein Körbchen und verschläft den ganzen Nachmittag.“ Sein Frauchen Pia ist immer wieder verblüfft und schwärmt „Ich bin beeindruckt, wie Ina die Tiere lesen kann und sieht und ertastet, wo der Schuh drückt. Es ist mir ein Rätsel, wie sie das macht!“

Ganzheitliches Büfett von Heilmethoden

„Menschen wie Tiere spüren, ob man das, was man tut, aus vollem Herzen macht“, schickt Ina Rheker vorweg, bevor sie die Details aus ihrem „ganzheitlichen Büfett von Heilmethoden“ erläutert: Sie bietet klassische Tiermedizin inklusive Operationen, aber ohne Antibiotika und viele andere klassische Pharmazeutika. Dafür Homöopathie, Bachblütentherapie, Goldakupunktur und Goldimplantation, Neuraltherapie, Akupunktur, Physiotherapie, Lasertherapie, Osteopathie und auch noch Hundetraining an.

„Das Bessere ist des guten Feind“

„Hinter ‚ganzheitlich‘ kann sich ja viel verbergen“, sagt sie. Für sie heißt es, immer auf das ganze Tier zu schauen, das ganze Tier abzutasten, zu fragen, was dahintersteht. „Und wenn mein Büfett größer ist, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ich etwas finde, was passt.“ Wer sie von der Uni vor 20 Jahren kenne, wundere sich möglicherweise über den Weg, den sie eingeschlagen habe. „Ich hatte viele Möglichkeiten, mich auszuprobieren und habe dabei gelernt, dem einfachsten und effektivsten Weg den Vorzug zu geben“. Und das sei eben häufig nicht die antibiotische Salbe, sondern der Honig auf der Wunde des Pferdes gewesen. „Das Bessere ist des guten Feind“, erklärt sie ganz undogmatisch. „Wenn Ihr Hund im Maul von einer Wespe gestochen wird, werde ich trotzdem nicht zögern, ihm Cortison zu geben.“

Ina Rheker behandelt den drei Jahre alten Boxer Arnold mit Akupunkturnadeln gegen seine Rückenverspannung. Quelle: Annabelle von Bernstorff

Ihr Antrieb: Wenn sie etwas interessiert, dann wolle sie es genau wissen. „Dann hau ich mir auch mal einen Stapel Bücher auf ex rein“, lacht die lockige Rheinländerin, die schon als Kind sowohl tierverrückt als auch maßlos wissbegierig gewesen ist. Auf diese Weise ist sie gleich zu einer Reihe von Ausbildungen gekommen. So ist sie auch Hundetrainerin und Heilpraktikerin für Menschen.

So früh wie möglich ansetzen

Viel Wissen allein reicht Ina Rheker nicht. Ihre Besonderheit liegt neben dem absoluten Willen, für jedes Problem eine Lösung finden zu wollen, vor allem in der Herangehensweise: Sie möchte die Tiere nicht nur heilen, wenn sie krank und verletzt sind, sondern setzt am liebsten bereits vorher an. „Wenn ich einen jungen Hund laufen sehe, zeichnet sich vielfach schon ab, welche Beschwerden vorprogrammiert sind. Läuft die Hüfte nicht rund, gibt es zwangsläufig Folgeproblem wie beispielsweise eines Tages der Kreuzbandriss oder der Bandscheibenvorfall.

Das Schicksal kann ich dem Tier möglicherweise ersparen.“ Wichtig für ihre Arbeit ist, dass die Tiere entspannt seien, damit sie alles ertasten kann. „Wenn die Katze aber länger im Wartezimmer zwischen zwei fremden Hunden gewartet hat, dann ist die nicht entspannt.“ Darum gibt es bei ihr eine reine Bestellpraxis. Die Menschen kommen sogar aus Bayern oder den Niederlanden zu ihr.

Tiere werden zunehmend vollwertige Familienmitglieder

„Tiere werden immer mehr zu vollwertigen Familienmitgliedern“, erklärt sie. „Dadurch wird der Leidensdruck sehr groß, wenn es den Tieren schlecht geht“, analysiert Rheker. Es gäbe mittlerweile passable Versicherungen, die auch für sogenannte „alternative Heilmethoden“ wie etwa die Schmerztherapie mit Gold aufkommen würden.

Ina Rheker wurde zur zweitbesten Tierärztin in ganz Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Quelle: Annabelle von Bernstorff

Rheker selbst sieht sich eher als Ergänzung zu den örtlichen Tierärzten. Hier in der Region kämen häufig eher jene Tierbesitzer zu ihr, die schon alles probiert haben und denen der Haustierarzt dann rät „schau mal bei Ina vorbei“. Nicht selten melden sich Tierhalter bei ihr, die schon in drei Kliniken waren und die Hoffnung fast aufgegeben haben. Was sie dann tut? „So ganz pauschal? Ich mache mich gleich auf die Suche nach den Ursachen hinter den Symptomen.“ Sie nimmt sich Zeit für eine ausführliche Untersuchung und dann sucht sie nach einer Lösung.

Die Spannbreite ist groß, manchen Tieren kann sie die Schmerzen durch Goldimplantate nehmen, das zudem noch entzündungslindernd wirke, manchmal liegen Ernährungsprobleme zugrunde. „Und es gibt auch Fälle, da geht es dem Tierhalter nicht gut und das Tier spiegelt die Probleme seiner Bezugsperson“. Ich freue mich dann immer, wenn ich als Heilpraktikerin für Menschen auch dabei helfen kann.

Platz 15 auf der bundesweiten Bestenliste

Der Erfolg gibt ihr Recht, denn sonst hätten sie ihre Patienten, beziehungsweise deren Halter sie nicht mit einem Score von 96,7 auf Platz 15 im bundesweiten Tierarzt-Ranking von Focus gewählt. In Mecklenburg-Vorpommern belegt sie Platz 2 hinter Katrin Ringelmann aus Brüsewitz mit einem Score von 97,4.

Gestresst wirkt die 46-jährige, die mit einer wachsenden Schar von Hunden, Pferden, Katzen und Ziegen zusammenlebt, kein bisschen. „Mir liegt, was ich mache, das ist dann auch nicht anstrengend.“ Stressen würde sie, etwas tun zu müssen, wovon sie nicht überzeugt ist. Auch der Stillstand ist ihre Sache nicht. Für 2022 plant sie Kurse, in denen Kinder „Hundisch“ lernen können.

Von Annabelle von Bernstorff