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Grevesmühlen Touristen missachten Naturschutz auf Herrnburger Binnendüne
Mecklenburg Grevesmühlen Touristen missachten Naturschutz auf Herrnburger Binnendüne
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09:58 09.09.2019
Landwirt Thomas Böhm (M.) aus Schattin beklagt sich bei Dr. Till Backhaus, Agrarminister MV (r.) über die immer aggressiver den Naturschutz und die Bewirtschaftung der an den ehemaligen Grenzstreifen angrenzenden Flächen missachtenden Touristen. Quelle: Annett Meinke
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Herrnburg/Schattin

Das Naturschutzgebiet zwischen Herrnburg und Schattin, die sogenannte Herrnburger Binnendüne und das Duvennester Moor, die zur Wakenitzniederung gehören, ist bei Touristen und Freizeitausflüglern, besonders aus Richtung Lübeck kommend, ziemlich beliebt. Dass es sich bei Teilen dieser Fläche um einen Abschnitt des sogenannten Grünen Bandes handelt – ehemaliger Grenzstreifen zwischen DDR und BRD –, ist für die meisten, die dort Erholung in der Natur suchen, eher zweitrangig. Ebenso wenig scheint sie zu interessieren, dass die an den ehemaligen Grenzstreifen angrenzenden Flächen von Landwirten bewirtschaftet werden.

„Immer mehr Menschen bewegen sich außerhalb der vorgegebenen Wege“, beklagte sich der Schattiner Landwirt Thomas Böhm, der die Flächen, die dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gehören, als Weideflächen bewirtschaftet, bei einer gemeinsamen Begehung bei Till Backhaus, Agrar- und Umweltminister von MV. Backhaus war einer Einladung des BUND zur gemeinsamen Begehung, anlässlich des Jubiläums „30 Jahre Grünes Band“ gefolgt. Ein Ausflügler, den Landwirt Böhm kürzlich darauf hinwies, die geschützten Fläche bitte wieder zu verlassen und sich an die Wege, die in dem Gebiet zum Wandern oder Radfahren vorgegeben sind, zu halten, schlug ihn kurzerhand nieder.

Herrnburger Binnendüne und Duvennester Moor

Grünes Band als Nationales Naturmonument

Außer dem Agrarminister nahmen der BUND-Bundesvorsitzenden Prof. Dr. Hubert Weiger an der Begehung teil, ebenso Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin MV des BUND und andere Naturschützer.

Weiger forderte im Gespräch mit Backhaus unter anderem, dass das Grüne Band Deutschlands noch besser geschützt werden müsse: „Es muss in allen Bundesländern Nationales Naturmonument werden.“ Mecklenburg-Vorpommern, erläuterte er weiter, besitzt von der Elbe über den Schaalsee bis an die Ostseeküste viele wertvolle Naturschätze am Grünen Band. Die Ernennung zum Nationalen Naturmonument biete die einzigartige Chance, Naturschutz und Erinnerungskultur entlang der früheren innerdeutschen Grenze miteinander zu verbinden.

Thüringen hat das Grüne Band in seinem Landesbereich bereits als Nationales Naturmonument ausgewiesen. Sachsen-Anhalt hat im Landtag ebenfalls nahezu einstimmig dafür gestimmt. „Sachsen und Hessen haben ebenfalls signalisiert, das Grüne Band als Nationales Naturmonument auszuweisen“, so Weiger. „Es wird Zeit“, bekräftigte Landesgeschäftsführerin des BUND MV, Cwielag, „dass MV endlich nachzieht und sich im Landtag damit beschäftigt.“

Nationale Naturmonumente

Die Schutzgebietkategorie Nationale Naturmonumente wurde im Jahr 2009 in das Bundesnaturschutzgesetz eingefügt, um auch für national bedeutsame Schöpfungen der Natur einen herausgehobenen Schutz zu gewährleisten, die die Voraussetzungen eines Nationalparks nicht erfüllen. Bei Nationalen Naturmonumenten kann es auch um national bedeutsame Naturerscheinungen, aber auch um spezielle geologisch-geomorphologische Erscheinungen oder solche, in denen sich besondere Natur- und Kulturwerte miteinander verbinden, handeln. Weltweit gehören dazu zum Beispiel der Grand Canyon in den USA, in Deutschland das Grüne Band Thüringen, die Kluterhöhle mit einem 370 Millionen Jahre alten versteinerten Riff in Nordrhein-Westfalen und die 800- bis 1000-jährigen Ivenacker Eichen in Mecklenburg-Vorpommern dazu.

Mecklenburg-Vorpommern hat mit den Ivenacker Eichen bundesweit das erste Nationale Naturmonument ausgewiesen.

Wakenitzniederung ist artenreich

Die artenreiche Wakenitzniederung, die entlang der ehemaligen Grenze im Osten Lübecks liegt, wird auch als „Amazonas des Nordens“ bezeichnet. Fachleute fanden in dem mehr als 40 Jahre aufgrund der Existenz der Grenze unberührten Gebiet 2066 Tier- und Pflanzenarten auf nur 12 Quadratkilometern. Seit 1990 besteht in diesem Gebiet lediglich ein Schutzstatus, die Ausweisung als gesichertes Naturschutzgebiet wurde aufgrund des Autobahnbaus der A 20 im Jahr 1994 unterbrochen.

Gegenwärtig arbeitet das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommerns an einem erneuten Verfahren zur Ausweisung als Naturschutzgebiet. Darauf verwies der Minister bei dem Treffen vor Ort.

Gegenüber dem Anliegen des BUND, das Grüne Band auch in MV als Nationales Naturmonument auszuweisen, zeigte sich Backhaus offen, bat aber gleichzeitig um Geduld: „Sie wissen, dass wir bei diesem Thema immer auch über Finanzen und Personal sprechen, die zur Verfügung stehen müssen.“ Gleichzeitig zeigte sich der Agrarminister zuversichtlich: „Naturschutz spielt in unserem Land eine große Rolle. Von 16 Biosphärenreservaten in gesamt Deutschland befinden sich allein drei in unserem Land, ebenso sieht es bei den Nationalparks aus.“

Backhaus verwies auch auf das erste Nationalmonument Deutschlands, die Ivenacker Eichen, auf viele bereits realisierte Projekte, in denen die Bereiche Natur, Kultur, Wissenschaft und Historie bereits in Verbindung stehen, unter anderem das Grenzhus Schlagsdorf, das Paalhus, der Waldtag Mecklenburg-Vorpommern und andere Projekte.

Auch die Landwirte in der Wakenitzniederung begrüßen eine Ausweisung des Grünen Bandes als Nationalmonument. Bei Landwirt Thomas Böhm aus Schattin verbindet sich damit wohl vor allen Dingen die Hoffnung, die Menschen, die das Gebiet touristisch nutzen, endlich zu mehr Rücksichtnahme und Respekt für seine Arbeit auf den angrenzenden Flächen zu bewegen, die zum Erhalt des Naturschutzgebietes beitragen.

Von Annett Meinke