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Grevesmühlen Traditionsunternehmen in Schieflage
Mecklenburg Grevesmühlen Traditionsunternehmen in Schieflage
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06:54 24.04.2014
Das Lübecker Traditionsunternehmens „Ladenbau Johann Weimann“ produziert seit 1995 im Selmsdorfer Gewerbegebiet. Quelle: Jürgen Lenz
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Selmsdorf

Die Geschäftsführung des Traditionsunternehmens Ladenbau Johann Weimann hat beim Amtsgericht Schwerin beantragt, ein Insolvenzverfahren zu eröffnen. Die Löhne und Gehälter der rund 100 Mitarbeiter sind nach Angaben der Firma und des vorläufigen Insolvenzverwalters Reinhold Schmid-Sperber bis Ende Mai über das Insolvenzgeld gesichert. Sie würden pünktlich ausbezahlt.

Schmid-Sperber geht nach eigenem Bekunden davon aus, dass der Geschäftsbetrieb wegen des Kundeninteresses und der Leistungsfähigkeit der Firma auch nach der Eröffnung des Verfahrens fortgeführt wird und die Löhne und Gehälter aus dem laufenden Betrieb erwirtschaftet werden können.

Weimann spricht von einer Sanierung, die nun mithilfe des Insolvenzrechts fortgesetzt werde. Die Geschäftsführung teilte auf Anfrage mit: „Zurzeit arbeiten wir im Zwei-Schicht-System, um alle Aufträge erledigen zu können.“ Es sei sichergestellt, dass die bestellte Ware termingerecht ausgeliefert werde. Besonders gefreut habe es sie, dass neue Aufträge eingehen und Kunden treu geblieben seien. Aufgrund einer guten Auftragslage hätten neue Mitarbeiter eingestellt werden können. „Neben den angestrebten leistungswirtschaftlichen Sanierungsmaßnahmen ist bereits ein Investorenprozess aufgesetzt worden, um hierüber auch die finanzielle Stabilität für den langfristigen Fortbestand des Unternehmens zu schaffen“, erläuterte die Geschäftsführung gestern.

Die 1906 von Tischlermeister Johann Ernst Friedrich Weimann in Lübeck gegründete Ladenbaufirma zog 1995 ins Selmsdorfer Gewerbegebiet um. Zu den Kunden gehören heute Audi, Peugeot, Miele, Arko und Hornbach. Wie berichtet, traf die Pleite von Max Bahr und Praktiker im vorigen Jahr auch Weimann. Mit den beiden Baumarktketten verlor der Ladenbauer zwei wichtige Kunden.

Wie Reinhold Schmid-Sperber auf Anfrage mitteilte, hat die Geschäftsführung den Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens mit „drohender Zahlungsunfähigkeit“ begründet. Gestern hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Geschäftsführung und vorläufigem Insolvenzverwalter gegenüber dieser Zeitung: „Die nun erfolgte Stellung des Insolvenzantrags wurde erforderlich, nachdem insolvenzbedingte Forderungsausfälle bei einem Hauptkunden hingenommen werden mussten.“ Darüber hinaus hätten sich längst zugesagte und fest eingeplante Kundenaufträge verschoben. Ihr Ausbleiben habe zu Liquiditätsengpässen geführt.

Sanierung statt Pleite
Ziel eines Insolvenzverfahrens ist eine gemeinschaftliche Befriedigung der Gläubiger eines Unternehmens, wenn es nicht mehr in der Lage ist, seine Verbindlichkeiten vollständig zu erfüllen — oder dies unmittelbar droht. Das Verfahren bedeutet nicht zwangsläufig das Ende eines Betriebes. Es kann gerade größeren Firmen auch Chancen zur Sanierung eröffnen. jl



Jürgen Lenz

Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit hat die traditionsreiche Ladenbau Johann Weimann GmbH in Selmsdorf (Nordwestmecklenburg) ein Insolvenzverfahren beantragt.

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