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Grevesmühlen Treffpunkt verwüstet: Kein Platz mehr für Jugendliche in Schönberg?
Mecklenburg Grevesmühlen Treffpunkt verwüstet: Kein Platz mehr für Jugendliche in Schönberg?
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15:08 30.10.2019
Jugendliche räumen zusammen mit Laura Thalmann (l.) und Carlett Bosten von der mobilen Jugendarbeit des Internationalen Bunds Müll weg. Quelle: Jürgen Lenz
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Schönberg

Der Wunsch von Kindern und Jugendlichen in Schönberg ist klar: Sie wollen sich am Nachmittag und Abend treffen. Aber wo? Gerade einmal 15 Quadratmeter groß ist der einzige Raum, den ihnen die 4400-Einwohner-Stadt in einem Jugendklub anbietet. Also raus ins Freie? Wo haben junge Schönberger dort eine Chance sich zu treffen? Jugendliche hatten unweit des Aldi-Einkaufsmarktes einen Platz zurechtgemacht. Doch Wochen später wurde er zerstört. Danach säuberten zehn Jugendliche den Platz. „Ich gebe nicht auf“, sagt Pascal Rodinger. Der 18-Jährige nennt einen Grund fürs Durchhalten: „Ich will für Jüngere ein Vorbild sein.“ Auch andere Jugendliche und Kinder betonen im Gespräch mit der OZ, wie wichtig es ihnen ist, einen Treffpunkt zu haben.

Ein Jugendlicher mäht mit einer Sense den Platz frei. Quelle: Carlett Bosten

Das wissen Carlett Bosten und Laura Thalmann von der mobilen Jugendarbeit des Internationalen Bunds. Im Sommer gaben sie die Wünsche junger Schönberger an den Bürgermeister Stephan Korn (Kommunale Wählergemeinschaft) weiter. Er sagte nach dem Gespräch zu, dass Kinder und Jugendliche erst einmal ein stadteigenes Grundstück unweit des Aldi-Marktes nutzen können. Kurz darauf machten sich die jungen Bürger ans Werk. Ihre erste Aufgabe: Wiese mähen. Also geeignete Technik besorgen. Jugendliche organisierten eine Motorsense, einen Rasenmäher, einen Rasentrimmer und mähten die Wiese. Ein Mädchen sagte: „Mein Onkel hat noch Paletten.“ Wenige Tage später waren Palettenmöbel fertig. Ein einfacher, aber gemütlicher Treffpunkt war entstanden.

Doch nach wenigen Tagen wurde ein Pavillon, den Jugendliche aufgestellt hatten, zerstört. Das nächste Problem: Müll. Carlett Bosten berichtet: „Jugendliche aus der Aufräumgruppe haben den Platz immer wieder aufgeräumt.“ Es sei ein Problem gewesen, dass Jugendliche immer wieder Abfall von anderen Jugendlichen wegräumen mussten.

In der Zeit zwischen den Einsätzen fotografierten Erwachsene den Müll. Ärger gab es bald auch wegen der Geräusche, die vom Platz ausgingen – auch zu späterer Stunde. „Es gab Beschwerden von Anwohnern“, sagt Laura Thalmann. Nach ihrer Auskunft kam dann vonseiten der Stadt die Maßgabe, dass die Jugendlichen nur bis 22 Uhr auf dem Platz laut sein dürfen – und sonntags gar nicht. Das kam bei den Betroffenen nicht gut an.

Eine Jugendliche macht es sich auf selbst gebauten Palettenmöbeln bequem. Quelle: Carlett Bosten

Wenige Tage später melden Anwohner kurz nach Mitternacht einen Feuerschein. Flammen lodern auf dem Platz, den Jugendliche hergerichtet hatten. Die Schönberger Feuerwehr löscht sie. Auch Polizei ist vor Ort. Verbrannt sind die Palettenmöbel, ein Sessel, ein Stuhl und Abfall.

Jugendliche haben die Überreste weggeräumt. Carlett Bosten erklärt: „Wir sind glücklich darüber, dass wir die Jugendlichen immer wieder motivieren können und sie dran bleiben.“ Sie finde es wichtig, dass Jugendliche gemeinsam Verantwortung übernehmen und sie befähigt werden, selbstständig Lösungen in problematischen Situationen zu finden. „So etwas braucht Zeit und Geduld“, erläutert Carlett Bosten. Sie könne es auch nachvollziehen, wenn sich Anwohner wegen Lärm beklagen.

Jugendliche hatten vor, Anwohner zu einem Gespräch einzuladen, um sich über Probleme auszutauschen. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Die Grundlage für das Gespräch ist weggefallen. Diesen Platz dürfen die Jugendlichen nicht mehr nutzen.

Alles Asche: Reste der Jugendplatzmöbel nach einer Brandstiftung. Quelle: Jürgen Lenz

Stephan Korn erläutert, er sei nach dem Einsatz der Feuerwehr zum Handeln gezwungen gewesen. Der Schönberger Bürgermeister bestätigt auch, dass es Beschwerden von Anwohnern gab. Grundsätzlich sehe er aber kein Problem, einen Platz in Schönberg zur Verfügung zu stellen. „Wir suchen eine andere Möglichkeit“, sagt Stephan Korn. Es sei gut, wenn Kinder und Jugendliche einen Platz haben, aber schwierig, einen geeigneten zu finden.

Laura Thalmann erklärt: „Sie brauchen einen Platz, wo sie sich einfach aufhalten können.“ Von mehreren Stellen in Privateigentum seien sie verwiesen worden. Laura Thalmann sagt: „Jugendliche haben den Eindruck, dass sie von Platz zu Platz weggeschickt werden.“

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Von Jürgen Lenz

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