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Grevesmühlen Übergangsgeschäftsführer für die Deponie Ihlenberg bestellt
Mecklenburg Grevesmühlen

Übergangsgeschäftsführer für die Deponie Ihlenberg bestellt

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09:00 28.03.2020
Die Deponie Ihlenberg bei Selmsdorf ist ab 1. April Arbeitsort eines Übergangsgeschäftsführers. Quelle: Lenz Jürgen
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Selmsdorf

Mike Kersten soll ab 1. April die Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft (IAG) leiten. Der Aufsichtsrat des Deponiebetreibers hat ihn einstimmig als Übergangsgeschäftsführer berufen. Das teilte das Schweriner Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt mit. Es erläutert, Kersten führe das landeseigene Unternehmen, bis die Stelle langfristig besetzt werde. Dafür gebe es ein „derzeit laufendes Verfahren.“ Nach Angaben des Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Buchwald werden dem Interimsgeschäftsführer zwei erfahrene Prokuristen der IAG zur Seite gestellt. Sie sollen ihn bei seiner Arbeit unterstützen.

Mike Kersten ist Sachverständiger für Abfallstoffe, Energie und die Bewertung von Schienenfahrzeugen. Nach Angaben des Magdeburger Unternehmens Kersten & Partner betreut er als Berater, Trainer und Auditor weltweit Kunden.

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Doppelspitze leitete die IAG

In Selmsdorf übernimmt Kersten die Arbeit von Beate Ibiß und Norbert Jacobsen. Sie leiteten die IAG seit dem 1. Juli 2015 als Doppelspitze. Jacobsen arbeitete als technischer Geschäftsführer des Unternehmens. Vorher war er Prokurist beim Deponiebetreiber. Beate Ibiß kam neu zur IAG. Die Diplom-Ökonomin aus Sachsen-Anhalt war bisher für den kaufmännischen Teil der Geschäftsführung zuständig.

Dass auf der Deponie Ihlenberg personelle Änderungen anstehen, wurde Ende vorigen Jahres nach einigen Querelen klar. Zuerst wurde der Staatssekretär Jürgen Buchwald zum neuen Aufsichtsratschef gewählt. Er ersetzte Hans-Thomas Sönnichsen, der zuvor mehr Sachverstand der Landesregierung bei Entscheidungen über die Zukunft der Deponie gefordert hatte. Dem voraus gingen Vorwürfe des damaligen Controllers Stefan Schwesig, Ehemann von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), wegen angeblicher Umweltgefahren und Fehlentwicklungen auf der Deponie. Die Kritik erwies sich in weiten Teilen als unzutreffend. Laut einem Gutachten hatte die IAG nicht gegen Gesetze verstoßen.

Bisherige Chefs gehen vor Vertragsende

Zuständigkeiten von Ministerien wechselten. Im Dezember gab Umweltminister Till Backhaus (SPD) bekannt, dass die Verträge der beiden Geschäftsführer nicht verlängert werden. Ihnen werde für die bisherige hervorragende Zusammenarbeit gedankt, hieß es aus dem Ministerium. Die Laufzeit der Verträge endete regulär am 30. Juni 2020. Beide Geschäftsführer haben aber die Chance genutzt, vorher zu gehen. In der aktuellen Pressemitteilung des Ministeriums heißt es, der Aufsichtsrat danke ihnen für ihre Arbeit und wünsche für den weiteren beruflichen Werdegang viel Erfolg.

Als im Dezember bekannt wurde, dass die Verträge nicht verlängert werden, sagte der Selmsdorfer Bürgermeister Marcus Kreft (SPD): „Ich bedauere sehr, dass beide Geschäftsführer den Ihlenberg verlassen.“ Selmsdorf habe zusammen mit ihnen zusammen in teilweise mühsamer Kleinarbeit an einem Bebauungsplan der Deponie gearbeitet. Kreft erläutert: „Gerade was die Ausrichtung für die Zukunft der Deponie betrifft, hat die hohe fachliche Qualifikation der Geschäftsführung sowie die hohe Transparenz von beiden Geschäftsführern dazu beigetragen, dass diese vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich war.“ Auch Gegner der Deponie Ihlenberg erkennen an: Norbert Jacobsen und Beate Ibiß leisteten viel mehr Öffentlichkeitsarbeit als ihre Vorgänger.

Alleingeschäftsführer gesucht

Der Aufsichtsrat der landeseigenen IAG beschloss bereit Ende 2019, die Geschäftsführung neu auszuschreiben. In der Stellenanzeige heißt es, gesucht werde „eine technisch versierte und überzeugende Führungspersönlichkeit als Alleingeschäftsführer.“ Zu den Aufgaben gehöre die Steuerung der Sondermülldeponie inklusive Restbehandlungsanlage „im Hinblick auf die Zielvorgaben des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur zukünftigen Ausrichtung.“

Nach dem Willen der Landesregierung soll die Deponie Ihlenberg ab 2035 keine Abfälle mehr annehmen. Zur Arbeit des künftigen Chefs gehört laut Ausschreibung „die langfristige Entwicklung des Ihlenbergs als Wirtschaftsstandort (Planung und Umsetzung der Rekultivierung von Flächen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten und Entwicklung angrenzender Fläche zum Gewerbestandort.“ Das landeseigene Unternehmen plant ein Gewerbegebiet neben der Deponie. Geplante Größe: rund zehn Hektar. Die IAG beschäftigt derzeit 130 Mitarbeiter.

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Von Jürgen Lenz