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Grevesmühlen Wenn Bäume eine Geschichte erzählen
Mecklenburg Grevesmühlen Wenn Bäume eine Geschichte erzählen
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00:06 28.05.2018
Er lässt einen Baum die Geschichte der Handelsstraße zwischen Lübeck und Wismar erzählen: Sven Eggers. Quelle: Fotos: Karl-Ernst Schmidt/jana Franke
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Grevesmühlen/Mallentin

Wenn der Baum reden könnte, hätte er mit seinen etwa 155 Jahren auf der Rinde bestimmt viel zu erzählen. Reden wird die Eiche am Gasthaus „Luisenhof“ bei Mallentin natürlich nicht, aber Sven Eggers lässt sie erzählen – die Geschichte der Handelsstraße zwischen Lübeck und Wismar, der heutigen B 105, an der die Gaststätte steht. Wie er das macht? Mit fünf verschiedenen Kettensägen.

Künstler Sven Eggers schafft mit seinen Kettensägen wahre Meisterwerke / In den Stamm einer Eiche sägt er die Entwicklung der Handelsstraße

Rückblende: Der letzte Sturm im Herbst vergangenen Jahres hatte kein Einsehen mit der Eiche auf dem Grundstück von Werner Junge. Er köpfte sie regelrecht. Nur der Stamm hielt den Winden stand.

Brennholz daraus machen? Das kann doch jeder! Einen Bären oder ein anderes Tier reinschnitzen lassen? Gute Idee, aber auch das könnte jeder haben. Werner Junge wollte etwas Besonderes. Etwas, wovon sein Enkelsohn und dessen Kinder und Kindeskinder noch erzählen. Und etwas, an dem viele Menschen ihre Freude haben – zum Beispiel die, die Richtung Hanstorf spazieren oder fahren. Denn dort steht die geschichtsträchtige Eiche.

„Sie hat eine stattliche Dicke erreicht“, schätzt der Fachmann ein. Bei einem Durchmesser von 1,20 Meter hat Sven Eggers genügend Spielraum, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Der 45-Jährige aus Grevesmühlen setzt zunächst die große Motorsäge an und trennt größere Holzstücke heraus. In Form bringt er die im Baumstamm grob angesägten Gebilde mit der kleinen Motorsäge. Da ist der kleine Lkw, der zeigt, dass die B 105 – einst eine Sandbahn – immer wieder aufgeschüttet und schließlich asphaltiert wurde und das Gasthaus deshalb deutlich tiefer liegt. Oder der Schlagbaum, der die Einwohner östlich sowie westlich davon viele Jahre begleitete. Und der Pferdewagen, der verdeutlicht, dass es zu der Zeit, als der Baum zu wachsen begann, noch gar keine Autos gab. Kirchen sind ebenso reingesägt wie das Gasthaus selbst. Und alles in einer Spirale, die von oben nach unten die Geschichte erzählt.

Die Ideen brachte Sven Eggers zunächst auf Papier. „Ich war sofort begeistert davon“, schwärmt Werner Junge. Seine Arbeit begann Eggers, der sich 2015 als Künstler selbstständig machte, mit dem intensiven Studieren des Baumstamms. Bei jedem Werk denkt er sich mehr oder weniger in das Holz hinein. Vorrangig schuf er bisher Tiere wie Eulen, Kraniche und Hunde oder Bänke und Seemänner.

Die Eiche am „Luisenhof“ ist sein bisher größtes Projekt. Ist das vollendet, wird es noch wetterfest gemacht. „Mit UV-Schutzöl“, verrät er. Was lässt sich Werner Junge das individuelle Meisterwerk kosten? „Den Preis wissen nur Herr Eggers und ich“, sagt er schmunzelnd und schweigt.

Sven Eggers’ Arbeitsplatz für sein kreatives Wirken war bis vor Kurzem auf einer Freifläche am Tannenberg in Grevesmühlen. Von Anfang an war für ihn klar: Eine Dauerlösung ist es nicht, fast täglich nur unter dem Schutz von Bäumen zu arbeiten. Sven Eggers suchte sich eine neue Bleibe – und fand sie in Mallentin auf dem Gelände hinter dem Autopark.

Infos: ☎ 01 76/96 43 94 87 Video: www.ostsee-zeitung.de

Jana Franke

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