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Grevesmühlen Krähen statt Ampelmännchen: Grevesmühlen diskutiert über Verkehrszeichen
Mecklenburg Grevesmühlen Krähen statt Ampelmännchen: Grevesmühlen diskutiert über Verkehrszeichen
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09:15 16.08.2019
Die Fußgängerampel in der Mühlenstraße Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen

Was Ostfriesland kann, das muss doch auch in Grevesmühlen möglich sein! Unter diesem Motto hat Stefan Baetke, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Grevesmühlener Stadtvertretung, jetzt die Idee eingebracht, einige der Ampelmännchen an den Kreuzungen der Stadt zu ersetzen. „Wie wäre es denn, wenn wir statt der grünen Ampelmännchen unser Wahrzeichen, die Krähe, dort einsetzen?“, fragte er in dieser Woche. Als Beispiel nannte er die Stadt Emden in Ostfriesland. Die Kommune hat ihrem berühmten Sohn, dem Komiker Otto Waalkes, sozusagen ein technisches Denkmal gesetzt, indem sie die Ampelmännchen durch Otto in seiner

Emden: Die erste Otto-Ampel wird in Anwesenheit des Komikers Otto Waalkes in Betrieb genommen. Quelle: dpa

berühmten Hüpfpose ersetzen lässt. Einen entsprechenden Beschluss fassten die Kommunalpolitiker Ende Mai, einen Monat später wurde die erste Ampel eingeweiht – natürlich von Otto selbst, der naturgemäß für jeden Spaß zu haben ist. Bei den Behörden allerdings hält sich die Begeisterung über solche Aktionen arg in Grenzen. Denn ursprünglich sollten auf den Ampeln Ottifanten, die berühmten Zeichentrickfiguren von Otto Waalkes, zu sehen sein. Doch die würden nicht den gesetzlichen Anforderungen an eine deutsche Lichtzeichenanlage entsprechen, wie es in der Amtssprache heißt. Also ein hüpfender Komiker statt eines Ottifanten.

Sie ist im Stadtbild deutlich präsenter, als viele Einwohner denken. Die Krähe ist das heimliche Wahrzeichen der Stadt. Hier einige Beispiele.

Ähnliches blüht übrigens auch den Grevesmühlenern, wenn sie denn die Idee weiterverfolgen. Wie Thomas Krohn (parteilos), CDU-Fraktionsvorsitzender und selbstständiger Fahrlehrer, in der Stadtvertretersitzung bereits andeutete, sei das Vorhaben zwar möglich, rechtlich jedoch ziemlich kompliziert. Das bestätigten auch die zuständigen Behörden in Mecklenburg. Wie eine Nachfrage der OZ beim Straßenbauamt in Schwerin ergab, das für einen Großteil der Ampelanlagen in Grevesmühlen verantwortlich zeichnet, sei „eine Krähe nun mal kein zugelassenes Verkehrszeichen“. Und insofern sei die Sache nicht so ganz einfach.

Im Video: Otto nimmt eigene Ampeln in Betrieb

Abwechslung im Ampelalltag

Allerdings auch nicht unmöglich, denn auch die Emdener haben am Ende eine Ausnahmegenehmigung für ihren hüpfenden Otto erwirkt. Dietmar Stoll, Dezernatsleiter beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Rostock macht den Grevesmühlenern allerdings wenig Hoffnung auf etwas mehr Abwechslung im Ampelalltag. „Da die Rechtslage eindeutig ist, kann ich das Ansinnen der Stadtvertretung Grevesmühlen nur abschlägig beantworten“, teilte er auf Nachfrage mit. Die Begründung: „An Lichtzeichenanlagen zur Regelung des Fußverkehrs sind ausschließlich die nach den §§ 37, 39 StVO vorgesehenen Sinnbilder („Stehen“ oder „Schreiten“) zu verwenden.“

Die Ampelmotive zeigen eine Illustration von dem Komiker und Musiker Otto Waalkes (rechts). Links unten auf dem Bild ist die hüpfende Otto-Figur zu sehen. Quelle: dpa

In anderen Orten gibt es hingegen weitere Beispiele, bei denen das Ampelmännchen weichen musste. In Mainz und Bad Zwischenahn verzieren zum Beispiel Mainzelmännchen die Lichtzeichen, in Augsburg gibt es einen Kasperl aus der Augsburger Puppenkiste. In Bremen leuchteten zumindest zeitweise vor zwei Jahren Stadtmusikanten auf.

Krähe ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken

Bleibt also abzuwarten, ob die Krähe eine Chance auf die Teilnahme am öffentlichen Straßen- beziehungsweise Fußgängerverkehr hat. In Frage dafür kommen ohnehin nur jene fünf Fußgängerampeln, die der Stadt gehören, das sind zwei in der Wismarschen Straße, eine im Ploggenseering sowie eine in der Bahnhofstraße und eine in der Lübecker Straße.

Dabei besitzt die Krähe in Grevesmühlen einen recht beachtlichen Stellenwert. In Anlehnung an die Sage der Stadt, in der die Vögel den Bauern einen Rat gaben, wie sie mit ihren Fuhrwerken besser durch das Stadttor kämen („Scharp vör“ – die Stange, die das Heu auf dem Wagen hält, längs statt quer auf den Wagen zu legen, Anm. d. Red.) findet sich an vielen Orten der Stadt wieder. Ob die Skulpturen an der Fritz-Reuter-Grundschule, als Maskottchen des SV Blau-Weiß, als Namenspatron für die Kreihnsdörper Pedalritter oder den Karnevalsverein, die Krähe ist nicht mehr wegzudenken. Sogar ein eigenes Buch hat Ortschronist Eckart Redersborg Kreihnsdörp und seinen Krähen gewidmet. Auf kurzweilige Art gibt es dort alle Informationen rund um das Wahrzeichen. Erhältlich in den Grevesmühlener Buchläden übrigens.

Mit dem tristen Einerlei an Deutschlands und Europas Fußgängerüberwegen ist es mancherorts vorbei. Immer öfter werden Kultfiguren und Persönlichkeiten zu Ampelsymbolen. Hier sehen Sie eine Auswahl.

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Über den Autor

Von Michael Prochnow