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Grevesmühlen Nicht mehr allein: Willkommen in der Senioren-WG in Klütz
Mecklenburg Grevesmühlen Nicht mehr allein: Willkommen in der Senioren-WG in Klütz
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19:00 07.09.2019
Ein Blick aus der Vogelperspektive in den Innenhof des Wohnkomplexes. Die beiden Bewohner Bruno Schmidt (l.) und Ute Behlich (r.) halten sich dort gern auf. Das Duo sowie Ute Gagzow (Teamleiterin im Haus), Gaby Wandrey (Bereichsleiterin ambulante Pflege) und Haustechniker Bernd Helms würden sich über mehr Senioren freuen. Quelle: Jana Franke
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Klütz

Ute Behlich schwingt sich in ihren Relaxsessel aus Leder. Die Beine sind hochgestellt. „Das ist mein Lieblingsplatz“, sagt die 83-Jährige halb liegend. Sie wirft einen Rundumblick in ihr Apartment – mit eigenen Möbeln nach ihrem Geschmack gemütlich eingerichtet. Nie hätte sie sich träumen lassen, mal in einer WG zu wohnen. Wohngemeinschaft – ist das nicht nur etwas für junge Leute oder Studenten?

Die Seniorin lacht. „Nein, absolut nicht. Es ist einfach zauberhaft hier“, schwärmt sie. Die Tür ihres französischen Balkons steht weit offen. Draußen sind Kinderstimmen zu hören. Sie kommen aus der Kindertagesstätte in direkter Nachbarschaft in der Pfarrhufe. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat hier mit Kita, Mehrgenerationenhaus und Senioren-WG Jung und Alt in drei Gebäuden auf einem Gelände vereint.

Das DRK investierte Millionen

„Diese Symbiose aus Kita und betreutem Wohnen ist etwas Schönes. Es hat sich schon seit mehr als zehn Jahren in Boltenhagen bewährt“, vergleicht Ekkehard Giewald, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes. Somit war die Überlegung geboren, solch eine Symbiose auch in Klütz zu schaffen.

Kreis- und Landesverband des DRK packten es gemeinsam an. Der Landesverband war Bauherr der 2,5 Millionen Euro teuren Senioren-WG, für die er mit Einweihung im September 2016 die Trägerschaft übernahm. Auch die 3,7 Millionen Euro in den Neubau der Kita investierte der Landesverband. Die ist bereits ein Jahr zuvor offiziell eingeweiht worden und in Trägerschaft des Kreisverbandes. Der ist seit dem 1. August nun auch Träger der Senioren-WG.

Mit der Übernahme vom Landesverband beginnt nun das Werben um Bewohner. Denn von den insgesamt 24 Einzel-Apartments auf zwei Etagen sind nur sechs bewohnt – zwei im oberen und vier im unteren Geschoss. „Es wäre schön, wenn sich noch ein paar mehr Senioren zu uns gesellen“, sagt Ute Behlich.

Eigenständig und selbstbestimmt leben

Die Seniorin hat sich mittlerweile aus ihrem gemütlichen Sessel erhoben und begibt sich in Richtung Gemeinschaftsraum. Seit einem Jahr lebt sie in der WG, ist von Bayern in den Norden gezogen. „Meine Schwester hat das arrangiert, da ich herzkrank bin und hier das richtige Klima für mich ist“, begründet die 83-Jährige. Einen alten Baum verpflanzt man nicht – dieses Sprichwort ist ihr durchaus bekannt. Aber Ute Behlich hat nichts bereut. „Ich fühle mich richtig wohl hier.“

Sie geht in den Innenhof des Gebäudes und trifft auf Anni Tschepp. Die 93-Jährige lebt seit drei Jahren hier und ist „Stubenälteste“ wie sie sagt. Die Seniorin gießt gerade die Blumen, für die sie sich verantwortlich zeichnet. „Sie ist unsere Blumenbeauftragte“, sagt Ute Behlich lächelnd.

„Zauerhaft“, „wunderbar“, „richtig gemütlich“ – mehr Lob kann es von den WG-Bewohnern in Klütz (Nordwestmecklenburg) nicht geben. Sie gewährten der OZ einen Einblick in ihr Leben.

1167 Euro zahlen die Bewohner monatlich für das Wohnen, Essen und die Betreuung. Letztgenannte übernehmen Gabriele Eberlein und Monika Mainz sowie ihre Teamleiterin Ute Gagzow. Für die Bewohner sind auch Gaby Wandrey, Bereichsleiterin der ambulanten Pflege, und Haustechniker Bernd Helms da. Was den technischen Komfort betrifft, weiß er bestens Bescheid. Zum Thema Smart Home für Senioren lässt er keine Fragen offen. Egal ob es das Licht ist, das sich bei Bewegung automatisch anschaltet, oder der Hausnotruf, der im Notfall per Knopfdruck abgesetzt wird, oder die Heizungssteuerung mit nur einem Knopfdruck. Das alles macht das eigenständige, selbstbestimmte Leben der Senioren in der WG noch einfacher.

Senioren in Gesellschaft

„Es ist eine gute Alternative zum Alten- und Pflegeheim“, schätzt Anni Tschepp ein. Allerdings auch nur, wenn die Senioren noch so fit sind, sich größtenteils selbst versorgen zu können. Die 93-Jährige ist auf einen Rollator angewiesen. Mit diesem bewegt sie sich flink in der großen Gemeinschaftsküche. Heute ist sie für die Zubereitung des Mittagessens zuständig. Der Topf mit den Würstchen steht bereits auf dem Herd, den Kartoffelsalat holt sie aus dem Kühlschrank, damit er nicht ganz so kalt ist. Sechs Teller, sechs Messer und sechs Gabeln stellt sie auf ihre Gehhilfe und rollt sie zum Tisch.

In Gesellschaft lebt es sich besser, darin sind sich die Bewohner einig. Vereinsamen wollen sie nicht, deshalb entschieden sie sich für die WG – wie Bruno Schmidt, der hier aus sich herauskommt, wie er sagt. Sein ganzes Leben hat er in Wismar gelebt. Wie alt er ist, kann er nicht sagen. Aber das tut hier in der WG nichts zur Sache. Es ist egal. Die Bewohner essen zusammen, lachen zusammen, spielen zusammen. Und auch Ausflüge mit dem hauseigenen Fahrdienst, Gedächtnistraining und Handarbeitskurse werden organisiert. Wer dazu keine Lust hat, zieht sich in sein Apartment zurück.

Soweit die Senioren dazu in der Lage sind, reinigen sie ihre Zimmer selbst. Waschmaschinen sind in einem extra Raum untergebracht. Ebenso eine große, gemütliche Badewanne. In Gesellschaft und doch selbstbestimmt und eigenständig leben – und das möglichst lange.

Reingeschaut

Ab sofort lädt das Deutsche Rote Kreuz jeden Samstag zum Tag der offenen Tür in die Senioren-WG. Besichtigungen sind jeweils von 9 bis 12 Uhr möglich.

Das DRK bietet auch Muster-Apartments zum tageweise Probewohnen an.

Kontakt: 03 88 25 / 3010

Ansprechpartnerin: Renate Peth (DRK Pflegeeinrichtungen MV gGmbH)

Von Jana Franke

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