Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Windräder: Der Stadt Schönberg reicht’s
Mecklenburg Grevesmühlen Windräder: Der Stadt Schönberg reicht’s
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:54 30.07.2019
Nahe Schönberg und Sabow errichtet das Unternehmen Enercon Türme für Windenergieanlagen, die rund 184 Meter hoch sein werden. Quelle: Jürgen Lenz
Anzeige
Schönberg

 Ein neuer Turm nach dem anderen ragt östlich von Schönberg in den Himmel. Mitarbeiter des Unternehmens Enercon errichten Zug um Zug acht Windenergieanlagen. 184,40 Meter hoch werden sie sein. Der Bau der Türme gibt einen ersten Eindruck davon, wie die Anlagen die Landschaft verändern werden.

Bauherr ist die Baywa r.e. Wind GmbH. Sie ist Teil des Baywa-Konzerns, der seinen Hauptsitz in München hat und auf Handel, Logistik und Dienstleistungen in den Bereichen Agrar, Energie und Bau spezialisiert ist. Genehmigt wurde der Bau von sechs Windrädern in der Gemarkung Schönberg und zwei Anlagen in der Gemarkung Sabow vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg. Es erläutert: „Die Genehmigung erstreckt sich auf die Errichtung und den Betrieb von acht Windkraftanlagen des Typs Enercon E-92 mit 138,4 Meter Nabenhöhe, 92 Meter Rotordurchmesser, einer Gesamthöhe von 184,4 Meter sowie einer Nennleistung von je 2,35 Megawatt.“ Sie ersetzen im Rahmen eines Repowerings sieben deutlich kleinere, leistungsschwächere Anlagen des Typs Vestas V 44, die Investoren 1998 errichten ließen. Die neuen Standorte liegen meist unweit der alten. Ganz neu ist ein Bauplatz rund 400 Meter vom Ortsrand von Sabow entfernt. In unmittelbarer Nähe dieses Standortes drehte sich bisher kein Windrad.

Abgebaut: Türme von 21 Jahre alten Windkraftanlagen. Sie waren 63 Meter hoch. Quelle: Jürgen Lenz

Die alten Anlagen wurden Anfang des Jahres abgebaut. Auf Anfrage teilt die Baywa r.e. Wind GmbH mit: „Die Anlagen sind noch voll funktionstüchtig und wurden weiterverkauft.“ Alle neuen Windräder werden, so das Unternehmen, „noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.“ Eine Frage nach den Investitionskosten beantwortete die Baywa r.e. Wind GmbH nicht.

Auf die Frage, was die Stadt Schönberg und ihre Einwohner von den neuen Anlagen haben, antwortet das Unternehmen: „Neben Gewerbesteuereinnahmen wird die Stadt Schönberg nicht unerhebliche Pachteinnahmen haben, da drei der acht Windenergieanlagen auf Flächen in städtischem Eigentum errichtet werden.“ Daneben werde es durch das Bürgerbeteiligungsgesetz für alle Anwohner in der näheren Umgebung die Möglichkeit geben, sich an dem Projekt finanziell zu beteiligen. Wie berichtet, werden Bürger und Kommunen im Umkreis von fünf Kilometern Anteile an einer Bürgerwindpark Schönberg GmbH & Co. KG kaufen können. Initiator des Beteiligungsprojekts ist die 2008 gegründete Genossenschaft „Naturenergie Region Hannover“.

Der Besitz von Grund und Boden spielte bereits Ende der 90er-Jahre eine große Rolle, als sich die Schönberger Stadtvertreter dafür aussprachen, die rechtlichen Voraussetzungen für die Anlagen zu schaffen, die nun abgebaut wurden. Mehrere Bauplätze gehörten der Stadt. Nachteil aus Sicht der Betreiber: Die Rotoren drehten sich nicht auf einer Anhöhe, auf der mehr Wind weht, sondern in einer Senke. Entsprechend geringer sind die Stromproduktion und der Jahresertrag.

Ab 2020 nur noch Ökostrom

Die Baywa AG hat sich der internationalen Initiative RE 100 angeschlossen. Damit verpflichtet sich das Unternehmen, seinen Strombedarf aus 100 Prozent erneuerbaren Energien zu decken – und zwar als selbst gestecktes Ziel ab 2020. Der Konzern setzt auf Ökostromtarife und die Eigenversorgung mit erneuerbaren Energien.

Auch um Geld ging es im Dezember 2016, als die Stadtvertreter mit einem einstimmigen Beschluss den Weg zum Bau der größeren Anlagen ebneten. Bürgermeister Lutz Götze (SPD-Fraktion) erklärte auf Anfrage, es gehe darum, Rechtssicherheit für das Repowering zu schaffen und: „Wir werden Gewerbesteuern bekommen und ein Teil der Anlagen wird auf städtischen Gebiet stehen. Dadurch haben wir Pachteinnahmen.“

Während die Stadtvertreter damals die acht neuen Anlagen positiv sahen, wendeten sie sich kurz vor der Wahl in diesem Jahr gegen den Bau weiterer Windräder in naher Zukunft. Die Meinung der Schönberger Kommunalpolitiker: Mit dem aktuellen Projekt und einigen Anlagen, die bereits vor Jahren gebaut wurden, habe die Stadt Schönberg ihren Beitrag zur Nutzung regenerativer Energien bereits geleistet. Stephan Korn (Kommunale Wählergemeinschaft) sagte: „Ich persönlich sehe keinen Bedarf für neue Windenergieanlagen in unserer Region.“ Marian Stickel (CDU-Fraktion) kritisierte außerdem: „Die jetzigen Anlagen sind zu dicht an unserer Stadt.“

Nach Angaben der Genossenschaft „Naturenergie Region Hannover“ werden die acht in Bau befindlichen Anlagen insgesamt rund 39 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren. Zwei unabhängige Gutachten würden dies bestätigen. 39 Millionen Kilowattstunden entsprechen dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von knapp 10 000 Vier­personen­haushalten. Als weiteren Vorteil führt die Genossenschaft an: „Mit dem produzierten Strom werden jährlich über 37 000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.“

Jürgen Lenz

Die Schützenzunft Grevesmühlen 1653 e.V. (Nordwestmecklenburg) ruft wieder zum Wettstreit auf. Gesucht wird die Firma, die die besten Bogen- und Kleinkaliberschützen hat.

30.07.2019

Facebook, Instagram und das weltweite Netz: Viele Nutzer machen viel Werbung für Nordwestmecklenburg. Mit „Schau in MV“ gibt es sogar ein überregionales Projekt.

30.07.2019
Grevesmühlen Parkplatzchaos in Boltenhagen - Zu viele Autos in den Strandorten

Die Hitze rund um den 25. Juli hat Urlauber und Mecklenburger in Scharen an die Strände gezogen. Parkplätze im Ostseebad Boltenhagen reichten nicht aus. Sogar eine Baustelle wurde zugeparkt.

29.07.2019