Grevesmühlen - Ein Klärwerk wird zum Kraftwerk – OZ - Ostsee-Zeitung
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Wirtschaft Ein Klärwerk wird zum Kraftwerk
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00:00 25.07.2014
Werner Küsel
Werner Küsel
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Grevesmühlen

In Sachen erneuerbare Energien entwickelt sich Grevesmühlen immer mehr zum Vorzeigebeispiel. Von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) ist die Stadt im Juni zur Energiekommune ernannt worden, nach Neustrelitz als zweite überhaupt in Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als eine Urkunde gab es zwar nicht, die Stadt verspricht sich mit dem Titel jedoch bessere Chancen bei der Vergabe von Fördermitteln. „Wir sind sehr stolz. Das ist ein Ansporn für künftige Aufgaben“, sagte Jürgen Ditz (parteilos), Grevesmühlens Bürgermeister und Vorsitzender des Vereins Stadt ohne Watt gestern bei einem Pressetermin im Grevesmühlener Klärwerk.

Gerade in diesem Verein werden die Kräfte und Kompetenzen gebündelt, um die Vielzahl der Projekte zu stemmen, die in den vergangenen mehr als zehn Jahren auf die Beine gestellt worden sind. Die Stadtwerke sind Mitglied, der Zweckverband, die Stadt selbst, das Überbetriebliche Ausbildungszentrum, die Wohnungsbaugesellschaft (Wobag), Unternehmen und auch Privatpersonen. „Wir wollen in der Stadt so viel Energie erzeugen, wie in der Stadt gebraucht wird, ohne Fremdbezug von außen“, steckte gestern Werner Küsel von den Stadtwerken, gleichzeitig zweiter Vorsitzender des Vereins, den Anspruch ab.

Und Grevesmühlen ist scheinbar auf einem guten Weg. Die Auszeichnung zur Energiekommune gab es unter anderem dafür, dass das Klärwerk in Grevesmühlen mehr Energie produziert, als es für seinen Betrieb braucht. „Seit 8. September 2007 sind wir hier immer eigenversorgt mit Strom“, sagte gestern Eckhard Bomball, Verbandsvorsteher des Zweckverbands. Mittlerweile ist die Kläranlage bereits zu einem kleinen Kraftwerk geworden. Mehr als 200 Prozent des benötigten Stroms produziert das Klärwerk selbst. „Wir rechnen deshalb seit Oktober 2014 in anderen Verhältnissen“, sagte Bomball. 94 Prozent der Stromversorgung von insgesamt sieben Anlagen des Zweckverbands werden durch die eigene Stromproduktion in Grevesmühlen versorgt.

Doch es gehört noch mehr dazu. Die Stadtwerke sind mittlerweile in der Lage, sämtlichen in den Privathaushalten der Stadt benötigten Strom durch erneuerbare Energien zu erzeugen, unter anderem durch Fotovoltaik, Windenergie oder die Biogasanlage, über die auch Wärmeenergie erzeugt wird, die für 50 Prozent der Haushalte reicht.

Auf der Stromrechnung spiegeln sich die Einsparungen zwar nicht direkt wider. „Aber betriebswirtschaftlich werden die Stadtwerke entlastet. Und damit auch die Stadt“, sagte Werner Küsel. Die Stadt ist 100-prozentiger Eigentümer der Stadtwerke. Der Zweckverband werde in diesem Jahr laut Eckard Bomball 384 000 Euro sparen, was auch in der Gebührenkalkulation berücksichtigt wird.

Den nächsten Schritt will der Verein bald machen. 99 000 Euro Fördermittel gab es unlängst für eine Machbarkeitsstudie zum Projekt „Vernetzte Energien“. Hier geht es vor allem um die Speicherung von Windenergie und die Verwertung von Abfallprodukten aus der Umwandlung der Windenergie für diese Speicherung. „Wir wollen alle regenerativen Energien nutzen, die wir haben“, sagte Werner Küsel.

Die letzten Abstimmungen zu der Studie laufen.

Die AEE
Die Agentur für Erneuerbare Energien ist eine Kommunikationsagentur mit dem Zweck, als Nachrichtendienst Aufklärungsarbeit über erneuerbare Energien zu leisten.
• www.unendlich-viel-energie.de



Robert Niemeyer