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Grevesmühlen Wismarer mit Herz hilft junger Mutter
Mecklenburg Grevesmühlen Wismarer mit Herz hilft junger Mutter
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10:28 27.04.2019
Kurz vor Abfahrt Richtung Helios-Kliniken in Schwerin auf dem Hof von Michael und Anne Kunkel in Lübstorf: Kristina Ozolina (2. v .l.), Jana Orlovska-Grodotzki aus Wismar (l.), Anne Kunkel und Danilo Kunert (Olly) aus Wismar. Quelle: Annett Meinke
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Wismar/Schwerin

Es hängen Wolken über Lübstorf bei Schwerin. Kristina Ozolina (28), die aus der Stadt Dagda in Lettland kommt, kann sie nicht sehen. Sie ist zwar nicht vollkommen blind, kann hell und dunkel unterscheiden, Umrisse wahrnehmen, aber ihre Sehkraft ist nur noch verschwindend gering, etwa 20 Prozent. Sie sagt, sie sieht die Welt „wie durch eine dicke Milchglasscheibe.“

Es fängt kurz an zu regnen, als die junge Lettin in das Auto von Danilo Kunert einsteigt, um gemeinsam mit ihm in die Klinik für Augenheilkunde der Helios Kliniken in Schwerin zu fahren. Kunert betreibt einen selbstständigen Hausmeister-Service in Wismar. Dort kennt ihn jeder nur unter dem Namen „Olly“. In Schwerin wird die Chefärztin der Augenklinik, Dr. Ruth Kölb-Keerl, Kristina kostenlos untersuchen, um herauszufinden, was genau mit ihren Augen los ist und ob man verhindern kann, dass Kristina vollkommen erblindet.

Mit dem Wagen von „Olly“ (Danilo Kunert aus Wismar) ging es von Lettland nach Lübstorf und von Lübstorf nach Schwerin in die Helios Kliniken. Quelle: Annett Meinke

Zufall gibt die Initialzündung

Danilo Kunert war es, der diese Untersuchung organisiert hat, ein Zufall kam ihm Ende des vergangenen Jahres zu Hilfe. Er lernte auf einer Weihnachtsfeier des Schweriner Billardklubs Franzel Simon kennen, der die Geschäftsführung der Helios-Kliniken Deutschland leitet. Simon war so begeistert von Kunert und seinen Hilfs- und Spendenaktionen, dass er ihn fragte, ob er ihn unterstützen könne.

Olly hilft nicht nur, die Grevesmühlener Lida-Hilfstransporte nach Weißrussland zu organisieren. Seit elf Jahren fährt er auch gemeinsam mit einer Freundin, Jana Orlovska, die auch aus Lettland stammt und seit vielen Jahren in Wismar lebt, zweimal pro Jahr mit Hilfstransporten in die Stadt Dagda in Lettland.

„Als mich Herr Simon fragte, ob ich jemanden wüsste, dem man auf medizinischem Weg helfen könnte, fiel mir sofort Kristina Ozolina aus Dagda ein. Sie hat zwei Kinder, ein Junge ist neun Jahre alt, der andere fünf Monate. Sie sieht die beiden kaum, kann nicht zum Unterhalt ihrer Familie beitragen und ist auf Sozialhilfe und Kindergeld vom Staat angewiesen. Das ist in Lettland sehr wenig. Und dann noch die Gefahr vollkommen zu erblinden.“

Olly ließ die medizinischen Unterlagen, die Kristina noch hatte übersetzen und sandte sie dem Helios-Geschäftsführer zu. Schon Anfang dieses Jahres sei die Antwort gekommen: „Okay, bring sie in die Augenklinik nach Schwerin, zu Dr. Kölb-Keerl. Wir schauen, was mit ihren Augen los ist.“

Hilfsaktion

Kostenloses Appartement für lettische Familie

Mehr als 20 Stunden dauerte die Fahrt in Ollys Auto von Dagda nach Lübstorf, mit einer Übernachtung in Polen. Erst am Abend vor Kristina Ozolinas erster Untersuchung in Schwerin sind sie, ihr Lebensgefährte Jewgeni und das Baby in Lübstorf angekommen. Der älteste Sohn ist bei der Oma in Dagda geblieben.

Auf dem Hof von Michael und Anne Kunkel, die dort drei Appartements vermieten, hat die lettische Familie nun vorübergehend ein Zuhause gefunden. Eines der Appartements stellen die Kunkels kostenlos zur Verfügung – so lange wie benötigt. Wie lange genau das sein wird, weiß zu diesem Zeitpunkt niemand.

Auf der Fahrt in die Klinik ist Olly anzumerken, dass er ebenso nervös wie sein Schützling ist. „Hoffentlich können sie Kristina helfen“, sagt er immer wieder. „Ich kann alles drum herum organisieren, aber darauf, was in der Klinik passiert, habe ich keinen Einfluss.“ Dabei geht es Kunert nicht um das Geld, das die Hilfsaktion benötigt. Geld, das er mit Hilfe von vielen engagierten Spendern zusammenbringen konnte. Neben der kostenlosen Untersuchung braucht Kristina auch Geld für Verpflegung und ein bisschen Taschengeld für ihren Aufenthalt. Es geht Olly auch nicht um die Zeit, die es vielleicht braucht, um Kristina zu helfen. Was ihn mehr als alles andere bewegt, ist: „ihr das vollständige Erblinden zu ersparen.“

Warten auf Nachrichten: Olly (Danilo Kunert) während Kristina Ozolina untersucht wird. Quelle: Annett Meinke

Jana Orlovska, die an diesem Morgen mit in die Klinik fährt, unterhält sich mit Kristina, die kein Deutsch versteht, in Russisch. Um sie mit Informationen zu versorgen, zu übersetzen, im Wartebereich der Ambulanz, später während der Untersuchung.

Gendefekt oder nicht?

Dann steht das Ergebnis fest. Chefärztin Kölb-Keerl erklärt: „Kristina leidet an Retinopathia Pigmentosa. Dabei degeneriert die Netzhaut mehr und mehr. Das kann eine spontane Mutation sein. In Kristinas Fall fing es mit vier Jahren an. Es kann aber auch ein Gendefekt, also eine Erbanlage sein.“ Diese Erkrankung schränkt das Gesichtsfeld immer mehr ein, man spricht in diesem Fall von einem sogenannten Röhrengesichtsfeld. Ob es tatsächlich eine Erbanlage ist, sagt Kölb-Keerl weiter, kann nur durch einen Gentest sicher festgestellt werden.

Diesen Gentest wird die Helios-Klinik nun veranlassen. Er wird um die 5000 Euro kosten – und auch das wird für Kristina und ihre Helfer kostenlos sein. Wie es dann weitergeht, wenn das Ergebnis feststeht, bleibt abzuwarten.

Dr. Ruth Kölb-Keerl, Chefärztin der Klinik für Augenheilkunde der Helios-Kliniken Schwerin (l.) mit Kristina Ozolina. Quelle: Annett Meinke

Es gibt eine Gen-Therapie, die aber noch nicht zugelassen ist, sich noch in der klinischen Testphase befindet. Ob Kristina daran teilnehmen kann, ob sie es will oder nicht – auch das wird sich noch zeigen. Im besten Fall kann man die Krankheit begrenzen, sodass Kristina wenigstens das Augenlicht behält, was sie jetzt hat.

Die junge Lettin, die sehr schüchtern ist, zeigt sich dankbar für alles, was ihr in Deutschland passiert. Gleichzeitig ist sie mehr als bescheiden. Immer wieder lässt sie übersetzen, dass es doch vielleicht andere Menschen gäbe, denen es noch viel schlechter als ihr ginge, die all diese Hilfsbereitschaft vielleicht mehr verdienten. „Doch genau, weil sie so ist, hat sie es mehr als jeder andere Mensch verdient“, ist Danilo Kunert überzeugt.

Annett Meinke

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