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Grevesmühlen Wölfe im Nordwesten?
Mecklenburg Grevesmühlen Wölfe im Nordwesten?
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00:00 03.03.2018
Bestätigte Meldungen über Wölfe gab es in den vergangenen zwei Jahren nicht. Grischa Mai, Revierförster in Selmsdorf und Wolfsbeauftragter
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Gostorf

Wölfe in Nordwestmecklenburg? Die gibt es offiziell nicht. Dass in den vergangenen Jahren einige der Raubtiere durch den Nordwesten gezogen sind, das allerdings gilt als wahrscheinlich. Doch bestätigte Wolfsmeldungen aus der Region sind die Ausnahme. Was es hingegen regelmäßig gibt, sind Gerüchte über Wölfe. Erst im Januar kursierten Meldungen über einen Wolf, der in der Nähe von Warnow gesehen worden sein soll. Gar von einem überfahrenen Tier war die Rede. Beweise gibt es dafür nicht. Grischa Mai (42) ist Revierförster in Selmsdorf und der Wolfsbeauftragte im Forstamt Grevesmühlen. Mit ihm hat die OZ über das Thema gesprochen.

Immer wieder gibt es Meldungen über Wolfssichtungen. Meist fehlt der letzte Beweis.

Wie viele Meldungen über Wölfe sind schon bei Ihnen eingegangen?

Grischa Mai: Zwei Meldungen gab es in den vergangenen zwei Jahren. Wobei es in beiden Fällen keinen gesicherten Nachweis für einen Wolf gegeben hat.

Unter den Jägern gibt es öfters Debatten über angebliche Sichtungen von Wölfen. Wie viel Wahrheit steckt in diesen Geschichten?

Das Problem ist, dass auch einige große Hunde durchaus einem Wolf ähneln können. Es geht für uns um den gesicherten Nachweis, ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt. Das können Laien nicht, selbst Profis tun sich damit schwer. Anhand eines Fotos oder eines Videos ist es alles andere als einfach. Für einen gesicherten Nachweis gibt es vorgeschriebene Kriterien die erfüllt sein müssen zB eine DNA-Analyse.

Wie sieht es mit Trittsiegeln (Fußspuren, Anm. d. Red.) aus?

Das ist schon etwas anderes. Aber dann muss man die Spur auch über eine längere Strecke verfolgen können, um sich ein klares Bild zu machen. Eine Losung hilft erheblich bei der Untersuchung. Am eindeutigsten ist der DNA-Nachweis. Eine Probe dafür kann an einem Riss genommen werden, aber dafür müssen wir schnell sein.

Was bedeutet schnell in diesem Fall?

Die Probe für die Analyse muss innerhalb von 24 Stunden nach dem Riss genommen werden. Außerdem sollten noch keine anderen Tiere wie beispielsweise Füchse an dem Kadaver gewesen sein, dann ist eine exakte Probe nur schwer möglich.

Auch die Art, wie das Tier gerissen wurde, gibt Aufschluss. Man sagt, dass der Wolf seine Beute durch einen Kehlbiss tötet. Aber wenn schon andere Tiere an dem Kadaver zugange waren, ist auch diese Analyse schwierig.

Unstrittig ist ja, dass der Bereich des Forstamtes Grevesmühlen nördlich der A 20 so etwas wie einen Korridor bildet für alle Tiere, die von Ost nach West ziehen. Demnach könnten die Wölfe, die in Schleswig-Holstein gemeldet wurden, hier durchgekommen sein?

Das ist richtig. Wir haben auf unseren Schulungen gelernt, dass wir hauptsächlich Wolfsdurchzugsgebiet sind. Es gibt ein stabiles Vorkommen in der Lübtheener Heide, die Tiere, vor allem die jüngeren, die vom Rudel ausgestoßen werden, machen sich auf den Weg, um neue Reviere zu suchen. Dabei laufen die Tiere bis nach Dänemark, sogar bis nach Belgien schaffen es die Wölfe.

Teilweise tragen die Tiere Sender, sodass man ihre Wege nachvollziehen kann.

Aber zu sehen bekommt die Wölfe kaum jemand?

In der Regel werden wir keinen Wolf zu Gesicht bekommen. Der Wolf ist intelligent und heimlich unterwegs.

Die Gerüchte, die in der Jägerschaft kursieren, sind ein schwieriges Thema, oder?

In den Gebieten, wo der Wolf sich etabliert hat, ist sicherlich viel Wahres an den Geschichten. Aber in unserer Gegend, wo er sporadisch auftaucht, vermutlich eher nicht. Manchmal wird auch einiges, was man sich nicht sofort erklären kann, auf den Wolf geschoben.

Was zum Beispiel?

Wenn sich beispielsweise das Rehwild in einem Jagdrevier zurückzieht, dann wird schnell der Wolf ins Spiel gebracht. Natürlich kann ein Wolf die Ursache sein, aber genauso gut können es andere Gründe sein, die eine Rolle spielen.

Apropos Bestand: Die Zahl der Rehe in der Region ist stabil?

Wir haben das gerade ausgewertet, die Abschusszahlen bei den Rehen sind konstant.

Das heißt, es ist kein Beutegreifer wie ein Wolf in der Region?

Das kann ich weder bestätigen noch dementieren.

Als Wolfsbeauftragter des Forstamtes nehmen Sie die Meldungen auf?

Ja, die Landesforst hat für jedes Forstamt einen Wolfsbeauftragten bestimmt. Und bei uns bin ich das. Aber neben uns gibt es noch andere Experten, die sich damit beschäftigen. Auch das Lung (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie, Anm. d. Red.) nimmt die Meldungen entgegen. Wenn es zum Beispiel einen Riss gibt, bei dem nicht ganz klar ist, worum es sich handelt, dann rufe ich dort auch an.

Wie kommt man zu dem Job als Wolfsbeauftragter?

Es gab eine Abfrage im Forstamt, wer sich dafür interessiert. Und ich finde das Thema unheimlich spannend. So kam das zustande.

Sind Sie dafür, dass sich der Wolf hier ansiedelt, oder sehen Sie das kritisch?

Ich sehe das kritisch.

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Ein Video, aufgenommen am vergangenen Montag auf dem Lütjensee im Landkreis Stormarn (Schleswig-Holstein, Foto) zeigt mit großer Wahrscheinlichkeit einen Wolf. Experten sind sich sicher, dass es sich bei dem Tier um einen Wolf handelt. Das bestätigte auch eine Sprecherin des Kieler Landwirtschaftsministeriums. Gefilmt wurde das Tier von Claudia Retter, Wirtin des Hotels mit Gaststätte „Fischerklause“ am Lütjensee. Nach Aussage der Zeugin habe es schon öfter Wolfsmeldungen gegeben, aber aus solcher Nähe – sie war nach eigenen Angaben nur etwa 100 Meter entfernt – habe sie noch keinen Wolf in freier Wildbahn beobachten können.

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