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Grevesmühlen Zehn Jahre Weiße Wiek
Mecklenburg Grevesmühlen Zehn Jahre Weiße Wiek
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10:57 23.04.2018
Die Weiße Wiek in Boltenhagen
Die Weiße Wiek in Boltenhagen Quelle: Rolf Barkhorn
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Tarnewitz

 Teilweise vertauschte Rollen auf der Resort-Anlage der Weißen Wiek in Boltenhagen-Tarnewitz. Am Wochenende waren es nicht die Gäste, die bei erlesenen Speisen und Getränken verwöhnt wurden, sondern einige Mitarbeiter. Mit einem 4-Gänge-Menü im Restaurant „Strandläufer“ sowie einer Überraschung wurde den 25 Mitarbeitern, die seit der Eröffnung der Anlage vor zehn Jahren durchgehend dabei sind, einmal auf besondere Art und Weise von der Hotel-Leitung ein Dankeschön ausgesprochen. „Als ich hierher kam, war das noch eine Baustelle. Anfangs war es schon sehr stressig. Danach hat sich aber alles eingespielt“, blickte zum Beispiel Sven Grundmann, der für den Einkauf zuständig ist, zurück. Die zehnjährige Mitarbeit durch den gemeinsamen Abend, zu dem auch die Partner und Kinder mitgebracht werden konnten, zu würdigen, fand er sehr gut. Ähnlich sah es Enrico Fischer, der zuvor in einem Hotel auf Usedom stellvertretender Küchenchef war und nun die Küche im Iberotel der Weißen Wiek leitet. Vorstellen konnte er es sich damals allerdings nichts, mal über eine so lange Zeit in einem Betrieb zu arbeiten. Das sei für die Gastronomie noch vor einigen Jahren sehr ungewöhnlich gewesen, so Fischer. Er fühle sich hier aber mittlerweile so wohl, dass er auch seinen Wohnsitz nach Boltenhagen verlegt hat.

Der neue Ferienpark auf der Halbinsel Tarnewitz entstand innerhalb von 20 Monaten auf fast zehn Hektar Fläche für gut 100 Millionen Euro. Davon waren 44 Millionen Euro Fördermittel. Zu neuen Urlaubsrevier gehören eine Marina mit 290 Liegeplätzen und zwei Hotels mit 950 Betten.

Die Erschließungsstraße von Eulenkrug nach Tarnewitz war Bedingung für den Bau der Hotelanlage. Etliche Jahren rangen die Verantwortlichen um die 3,3 Kilometer lange Anbindung, die für das Ostseebad eine erhebliche Entlastung bedeutet. Im Dezember 2007, nur wenige Wochen vor der Eröffnung, wurde die Straße freigegeben.

Der Komplex der Weißen Wiek nimmt nur einen kleinen Teil der Halbinsel Tarnewitz ein. Der große Rest des Geländes, auf dem mehr als 50 Jahre das Militär regierte, ist Naturschutzgebiet. Dort wird zwar auch heute noch geschossen - das ist aber nur der Jäger, der den Wald gepachtet hat und dort zuweilen zur Dezimierung des Wildes schreitet. Früher wurde hier mit ganz anderen Kalibern gefeuert. In den 1930-er Jahren entstand eine Erprobungsstelle der Luftwaffe. 150 Hektar wurden damals aufgespült um eine Rollbahn für die Maschinen zu bauen. Manch Mythos rankt sich um das alte Gelände - sogar ein Buch gibt’s darüber, was treffenderweise „Mythos Tarnewitz“ heißt. Kein Mythos, sondern ganz sichtbare Überreste sind Betonblöcke in der Ostsee, sogenannte „Beschießungsanlagen“ - Ziele, auf die sogar mit Raketen geschossen wurde.

Die Rote Armee sprengte die Anlagen, auch Teile des Rollfeldes. Später übernahm die NVA das Gelände und stationierte eine Flottille im Hafen. 25 Jahre lang residierte dann die „Grenzbrigade Küste“ auf der Halbinsel Tarnewitz.

Inzwischen hat sich die Weiße Wiek zu einer der beliebtesten Hotelanlagen an der Küste entwickelt. Unter anderem der ehemalige Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) schaute regelmäßig vorbei. Die Kultband „Fury in the Slaughterhouse“ probte für ihr neues Album. Und Segler aus aller Welt schätzen den geschützten Hafen samt Umfeld.

Prochnow Michael