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Grevesmühlen Zum Schutz der Bienen: Klützer gründen neue Arbeitsgruppe
Mecklenburg Grevesmühlen

Zum Schutz der Bienen: Klützer gründen neue Arbeitsgruppe

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18:00 23.01.2020
Eine Biene sucht in einer Hecke bei Klütz nach Nahrung. Quelle: Michael Prochnow
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Klütz

Was können wir tun, um Insekten und vor allem Bienen zu schützen? Diese Frage stellen sich derzeit die Stadtvertreter in Klütz. Einwohnerin Amiyo Ruhnke regte im Umweltausschuss am Dienstag an, einen runden Tisch oder eine Initiative zu gründen, um möglichst viele Akteure aus diesem Bereich zusammenzubringen – und gemeinsam ein Projekt zu entwickeln. Ihr Vorschlag stieß auf reges Interesse.

Nicht nur Wolfgang Kaletta, ehemaliger Gärtner im Schloss Bothmer, und Imkerin Christine Quint erklärten sich sofort bereit, mitzuwirken. Auch Arne Nölck, Vorstand im Landwirtschaftsbetrieb Klützer Winkel, war von der Idee angetan: „Es ist unser ureigenes Interesse, die Natur zu schützen. Schließlich bewegen wir uns ja täglich in ihr“, sagte er. Ein großes Problem sei seiner Ansicht nach jedoch, dass Landwirte in der Hinsicht nicht besonders gefördert werden.

Wunsch nach mehr Blühstreifen

„Hinzu kommt, dass es bisher zu wenige Erhebungen gibt, in denen die tatsächlichen Auswirkungen verschiedener Maßnahmen auf die Bienen untersucht worden sind“, erklärte Arne Nölck weiter. Dort gelte es erst einmal weitere Erfahrungen zu sammeln. An Ideen, wie die Stadt überhaupt insektenfreundlicher werden könnte, mangelt es in Klütz aber nicht.

Insektensterben: Das kann jeder Einzelne dagegen tun

Um überleben zu können, brauchen Wildbienen und andere Insekten möglichst viele Blühflächen. Jeder Einzelne kann dabei etwas für den Insektenschutz tun. Der Naturschutzbund (NABU) in Mecklenburg-Vorpommern empfiehlt, Gärten und Balkone nicht nur möglichst blütenreich, sondern auch mit heimischen Pflanzen zu gestalten. Denn diese sind eine besonders wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen. Gut geeignet sind Wildpflanzen wie Natternkopf, Weiße Taubnessel oder Königskerze. Darüber hinaus sollten wilde Ecken im Garten geduldet und der Rasen seltener gemäht werden.

Wolfgang Kaletta, der die Situation der Bienen seit Jahren mit Sorge betrachtet, wünscht sich, dass es mehr Blühstreifen an den Rändern der Felder gibt. „Was spricht dagegen, diese zu besäen?“, fragte er. So würden die Insekten schließlich mehr Nahrung finden.

Strenge Vorschriften

Doch laut Arne Nölck gibt es auch für diese klare Regeln: So müssten sie einmal im Jahr gemäht werden, nach Kontrollen vielleicht sogar ein zweites Mal und es gebe Beschränkungen, was überhaupt gepflanzt werden darf. „Und diese Regularien beschränken einen, auch wenn der öffentliche Druck gleichzeitig steigt“, erklärte der Landwirt.

Etwa 9300 Hektar waren im Jahr 2019 in ganz Mecklenburg-Vorpommern mit Blühpflanzen bedeckt. MV hatte als erstes Bundesland die Förderung von Blühstreifen und Blühflächen eingeführt. 2018 wurden nach Angaben des Landwirtschafts- und Umweltministeriums 799 Anträge auf Förderung gestellt und knapp vier Millionen Euro dafür ausgezahlt. Allerdings ist das Beantragen der Gelder vielen Landwirten zu bürokratisch.

Erklärungsschilder für wilde Wiesen

Imkerin Christine Quint würde es begrüßen, wenn nicht immer alle Flächen in Klütz flach gemäht werden müssten. „Das wäre doch schick, wenn einfach mal ein paar Blumen und Gräser stehen gelassen werden“, erklärte sie. Aus Sicht der Stadtvertreter stellt sich hier aber die Frage, was noch gepflegt aussieht. Doch auch dafür gebe es Lösungen, ist Amiyo Ruhnke sich sicher. Ein Schild beispielsweise mit der Aufschrift „Hier blüht eine Wiese für Bienen und andere Insekten“ könnte Abhilfe schaffen.

„Es darf auch nicht vergessen werden, dass nur weil eine Wiese wild aussieht, sie nicht gleich wild ist“, ergänzte Arne Nölck. Auf sie müsste trotzdem ein Blick geworfen werden. Sein Vorschlag: ein Pfad, der in die Wiese führt. Dort könnten Interessierte dann ins Feld schauen und vielleicht an einer Tafel festhalten, welche Tiere und Pflanzen sie bei ihrem Besuch gesehen haben.

Vorbild: Gemeinde Grambow

„Anregungen, wie wir insektenfreundlicher werden können, könnten wir uns auch in Grambow holen“, sagte Christine Quint. Die Gemeinde im Süden von Nordwestmecklenburg wurde im vergangenen Jahr zur bienenfreundlichsten Gemeinde in MV von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gekürt und zeigt bereits, wie es gehen kann.

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Über die Autorin

Von Pauline Rabe

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