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Grevesmühlen Nach der Übernahme: DRK investiert eine Million Euro in die neue Gesellschaft
Mecklenburg Grevesmühlen Nach der Übernahme: DRK investiert eine Million Euro in die neue Gesellschaft
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09:54 21.07.2019
Das Wohnprojekt des DRK in Mühlen Eichsen. Hier leben Patienten mit Doppeldiagnose, das heißt, sie haben eine Entziehung hinter sich und zudem psychische Probleme. Quelle: Michael Prochnow
Grevesmühlen

Vor zwei Jahren drohte dem Verein „Die Insel“ die Insolvenz, das DRK sprang ein und gründete die Soziale Betreuungsdienste gGmbH in Grevesmühlen. Noch schreibt das Unternehmen keine schwarzen Zahlen. Doch es gehe aufwärts, sagt Geschäftsführer Thilo Rau. Rund eine Million Euro hat der Landesverband des DRK in den vergangenen zwei Jahren in seine Tochtergesellschaft investiert. In dieser Woche besuchten Landrätin Kerstin Weiss und die Vizepräsidentin des DRK (Bundesverband), Gabriele Kriese, die Einrichtung in Grevesmühlen, um sich über die Fortschritte zu informieren. In den Einrichtungen leben und arbeiten Männer und Frauen, die entweder in festen Wohngruppen oder ambulant in der Tagespflege betreut werden. Es handelt sich um Menschen mit psychischen Problemen, Suchtkranke oder Menschen, die beide Krankheiten haben, eine sogenannte Doppeldiagnose.

Thilo Rau, Geschäftsführer der DRK-Gesellschaft DRK Soziale Betreuungsdienste Quelle: Michael Prochnow

OZ: Herr Rau, wie ist die Situation aus Ihrer Sicht aktuell?

Thilo Rau: Wir haben eine ganze Menge erreicht, vor allem im Hinblick auf die Patienten ist sehr viel passiert. Die Leute fühlen sich wohl. Die Veränderungen in den vergangenen zwei Jahren waren natürlich spürbar, weil plötzlich Mitarbeiter nicht mehr da waren, die sie vorher kannten und einiges mehr. Da war plötzlich Unruhe drin, weil mit und nach dem Betriebsübergang auch uns Leute verlassen haben. Das hat sich inzwischen alles beruhigt.

Wie viele Mitarbeiter gibt es jetzt?

Wir sind etwas über 70 Mitarbeiter, davon haben 7 einen Hochschulabschluss, Auch das ist eine Entwicklung, die wir angestrebt haben, wir brauchen mehr Qualität. Vorher gab es nur einen Leiter mit einem entsprechenden Abschluss.

Wie viele Standorte beziehungsweise Einrichtungen gibt es?

Wir reden über zwölf Einrichtungen in Grevesmühlen, Wismar, Gadebusch, Mühlen Eichsen und Poischendorf. In Poischendorf zum Beispiel gibt es eine Wohngruppe, in Wismar eine Tagesstätte für ältere Menschen, in Grevesmühlen gibt es den Gerberhof mit seinem vielfältigen Betreuungsangeboten, den Speicher mit der Wohngruppe und seinen Projekten, dazu gehören Tagesstätten. Einen ambulanten Dienst betreiben wir ebenfalls noch, der im ganzen Landkreis unterwegs ist.

Das sind Aufgaben, mit denen das DRK bislang in dieser Region eher wenig zu tun hatte.

Ja, das ist richtig. Aber das DRK hat in Mecklenburg-Vorpommern mehr Kreisverbände, als es aktuell Landkreise gibt. In anderen Landesteilen zum Beispiel gibt es ähnliche Strukturen, wie wir sie jetzt hier haben. Aber in der Masse und der Breite gab es das so nicht.

Die Übernahme vor zwei Jahren fand statt, weil „Die Insel“ wirtschaftlich nicht funktionierte. Wie sieht es jetzt wirtschaftlich aus?

Knapp eine Million Euro hat den DRK Landesverband dieses Projekt bis heute gekostet, das ist richtig. Das Problem war, dass wir im ersten Jahr keine Eigenmittel in „Die Insel“ investieren konnten, da wir sonst eine Überschuldung herbeigeführt hätten. Es ging schlichtweg darum, das Unternehmen am Leben zu halten. Das war eine Herausforderung, aber die haben wir hinbekommen. Mit dem Betriebsübergang ging „Die Insel“ in die Soziale Betreuungsdienste gGmbH über. Danach konnten wir anfangen zu arbeiten.

Wie war der Status Quo zu diesem Zeitpunkt?

„Die Insel“ hatte 14 Jahre lang die Entgelte nicht mehr verhandelt. Das heißt, die Mittel, die für die Betreuung der Patienten zur Verfügung standen, waren viel zu gering. Die Einnahmeseite war katastrophal niedrig, pro Monat hat die Insel damals zwischen 10 000 und 20 000 Euro Defizit eingefahren. Dazu kam, dass die Auslastung viel zu niedrig war. Plätze waren nicht belegt, das Personal und die laufenden Kosten waren dennoch da.

Welche Aufgaben kamen dazu?

Die Weiterbildung der Einrichtungsleiter war ein wichtiger Punkt, die Leute in die Verantwortung zu nehmen und sie natürlich auf diese Verantwortung vorzubereiten. Nicht nach dem Motto „Wir machen Druck von oben“, sondern das Bewusstsein zu wecken für die Führungsaufgaben. Da haben wir allein 30 000 Euro ausgegeben für diese Schulungen.

Vor dem Übergang vom Verein „Die Insel“ an das DRK gab es doch teilweise Bedenken und auch Widerstand von einigen Mitarbeitern. Was ist daraus geworden?

Die Beschäftigten, die heute bei uns arbeiten, die haben verstanden, welche Aufgabe wir übernommen haben. Aber es gab auch einige Menschen, die sich mit dem DRK nicht anfreunden konnten. „Die Insel“ war, wenn man das so sagen kann, ein eher familiär geführter Betrieb. Aber das hat wirtschaftlich nicht funktioniert. Die Frage, ob das, war wir hier tun, ausreicht, um betriebswirtschaftlich zu funktionieren, hat offenbar niemand gestellt.

Wann wird dieses Projekt sich wirtschaftlich allein tragen?

Ein Zeitpunkt lässt sich nicht sagen. Wir stehen in Verhandlungen zu allen Entgelten und dabei sind wir teilweise an heftige Grenzen gestoßen. Wir haben für einige Einrichtungen alle Unterlagen eingereicht, aber sowohl der KSV (Kommunaler Sozialverband, Vertreter der Kommunen bei den Entgeltverhandlungen, Anm. d. Red.) als auch der Landkreis haben personelle Probleme, so dass sich diese Verhandlungen hinziehen. Und es gab nur eine einzige Einrichtung, das ist die in Mühlen Eichsen, mit der wir nicht vor die Schiedsstelle gehen mussten. In allen anderen Fällen gibt es unterschiedliche Ansichten zur Finanzierung der Einrichtungen. Das dauert teilweise einige Monate. Wir stellen jetzt zum Beispiel teilweise die Rechnungen für die Entgelte des vergangenen Jahres. Das sind alles finanzielle Mittel, die aktuell fehlen.

Wie steht es um die Gehälter der mehr als 70 Mitarbeiter?

Die haben wir im April 2018 erhöht, sie waren so schlecht, dass wir dort reagieren mussten, sonst hätten wir das Personal nicht halten können. Aber das war eine Maßnahme, die wir ergreifen mussten. Und für die der DRK Landesverband fast eine Million Euro aufbringen musste, um seiner Tochtergesellschaft unter die Arme zu greifen. Ansonsten haben wir jetzt genau das Personal, das wir brauchen und das auch den Leistungsvereinbarungen entspricht.

Anonyme Flugblätter, Gerüchte und verängstigte Mitarbeiter, darüber berichtete die OZ 2017. Im Jahr zuvor gab es einen Brandanschlag auf Fahrzeuge der Einrichtung in Mühlen Eichsen.

Alles begann 1994

1994 gründete sich in Grevesmühlen eine Initiativgruppe mit dem Ziel, noch völlig fehlende Hilfen für psychisch Kranke zu schaffen. Und so wurde die erste Begegnungsstätte im April 1994 in Grevesmühlen eröffnet. Es folgte die erste Tagesstätte für psychisch kranke Menschen im Gerberhof, dem ehemaligen Sitz der Staatssicherheit in Grevesmühlen. Dort konnten zehn Klienten eine Tagesstruktur geboten werden. Später kamen weiter Einrichtungen dazu wie der von der Stadt sanierte Speicher in der Kirchstraße oder das ehemalige Gutshaus in Mühlen Eichsen.

Michael Prochnow

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