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Grevesmühlen Im kleinsten Theater Nordwestmecklenburgs
Mecklenburg Grevesmühlen Im kleinsten Theater Nordwestmecklenburgs
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12:37 06.06.2019
Roland Zech, von der Band „Reuters Fritzen“, im Eingang seines Blockhauses auf seinem Hof in Grevenstein. Es dient dem Musiker als Aufnahmestudio, im Winter auch als Sauna. Zwischendrin, so auch zu diesem Pfingsten, wird es zum kleinsten Theater Nordwestmecklenburgs. Quelle: Annett Meinke
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Grevenstein

 Die Tür der Blockhütte, die insgesamt aussieht, als würde sie einem russischen Märchenwald entstammen, hat Roland Zech (54) mit voller Absicht so niedrig gebaut. „Da müssen sich die Leute schon mal vor mir verbeugen, wenn sie eintreten, und wenn sie wieder rausgehen, müssen sie das noch mal tun.“ Das ist scherzhaft und gleichzeitig komplett ernst gemeint. Und hat auch einen ganz banalen, praktischen Hintergrund: Im Winter dient Zech das Blockhaus als Sauna. Je kleiner die Tür, desto weniger Hitze entweicht in die Kälte beim Ein- und Austritt.

Wie im russischen Märchenwald. Quelle: Annett Meinke

Im Sommer ist die Hütte Aufnahmestudio und Probeort für Zech und seine Musikerkollegen von „Reuters Fritzen“. Die oft plattdeutsch singen, ihre Auftritte in jedem Fall immer mit jeder Menge norddeutschem Lokalkolorit einfärben.

Zechs Blockhaus von innen. Quelle: Annett Meinke

Wildes Leben

Zukünftig will der Musiker das Blockhaus öfter als Theater nutzen: „Das wäre dann das kleinste Theater Nordwestmecklenburgs“, sagt er.

Wer am Pfingstsamstag, ab 15 Uhr, frisch erzählten Schwänken und handgemachter Musik genau dort zuhören will, müsste also ein klein wenig gelenkig sein. Beim vorherigen Dehnen, falls nötig, kann Zechs Frau, Sahem (47), behilflich sein. Die Hatha-Yogalehrerin unterrichtet unter anderem im Frauengefängnis von Lübeck regelmäßig. Von ihrem Mann sagt sie, dass an ihm ein „Zigeuner“ verloren gegangen sei.

Sahem und Roland Zech auf ihrem Hof in Grevenstein. Quelle: Annett Meinke

Trotz wildem, freien Leben sind die beiden immerhin aber doch gutbürgerlich seit fast 25 Jahren verheiratet. Seit 1999 leben sie auf dem ziemlich großen Hof in dem ziemlich kleinen Grevenstein, das zur Gemeinde Roggenstorf in Nordwestmecklenburg gehört.

Hier sind auch ihre beiden Kinder Lasse (24) und Marie (22) aufgewachsen. Ohne WC im Haus, auch lange ohne Dusche innen, dafür mit Dusche draußen, auch den klassischen „Donnerbalken“ gibt es und eine Trockentoilette. Wer wissen will, wie letztere funktioniert, welch ausgeklügeltem Kreislauf die Körperflüssigkeiten auf dem Zech-Hof folgen, kann den Hofherrn bei einem Besuch ohne Probleme darauf ansprechen.

Duschen mitten in der Natur. Quelle: Annett Meinke

Ohne jeden Ballast

Zech erzählt gern darüber, warum er und seine Frau so leben, wie sie leben, einfach und ohne „überflüssigen Ballast“. Auch Internet und Fernsehen gibt es bei den Zechs nicht, zumindest nicht in ihrem Haus. Wer den Musiker buchen will, der macht das dann, wenn er ihn trifft, vielleicht bei einem seiner vielen Auftritte in der Region. Der Termin wird in Zechs Kalender eingetragen, ein ganz realer, handschriftlich zu befüllender Kalender selbstverständlich, und dann gilt es. Zech anrufen und kurzfristig absagen, ist nicht.

Roland und Seham Zech geht es um „Lebenszeit“. Weil er und sie sich einem stressigen Erwerbslebens bisher immer verweigerten, hatten sie zum Beispiel Zeit, wie sie berichten, mit ihren Kindern dem Wachsen und Vergehen von Blumen, die nur einen Tag blühen, zuzuschauen. „Was man an so einem Tag gemeinsam erlebt“, sagt Roland Zech beim Kaffee im Sonnenschein mit Hafermilch, selbst gebackenem Brot, Honig aus eigener Produktion – auch Bier aus eigener Produktion gibt es auf dem Hof –, „kann kein Geld der Welt bezahlen.“

Der Hof der Familie Zech in Grevenstein ist nicht ganz einfach zu finden. Er liegt am Ende einer Sackgasse. Doch eigentlich geht es dahinter noch weiter – auf eine große Wiese, die die Familie Zech Campern zur Verfügung stellt. Quelle: Annett Meinke

Camping in Grevenstein

Am Pfingstsamstag, ab 15 Uhr, öffnen die Zechs ihren Hof in Grevenstein und laden Gäste zu „Geschichten, Gitarren und Gesang, Torten, Stullen, Suppe“ ein. So wie es auf dem Flyer steht, den sie verteilt haben. Sie freuen sich auf Leute, die ihre Lebensphilosophie teilen oder sich zumindest dafür interessieren. Die Spaß haben an Handgemachtem – ob nun in Sachen Musik oder Essen.

Gäste, die das wollen, können das gesamte Pfingsten über bleiben und auf dem Terrain der Zechs campen. Wer keinen kleinen Obolus für den Campingplatz zahlen kann, sagt Zech: „Kann gerne auf dem Hof ein bisschen mit anpacken.“

Eckart (hinten) und Fritzi heißen die Pferde von Roland Zech. Sie weiden auf einem Teil der Wiese, den Camper nutzen können. Quelle: Annett Meinke

Der Musiker zeigt, wie man auf die Wiese hinter dem Hof, auf der auch die beiden Pferde Eckart und Fritzi weiden, gelangt. Auch hier, wie fast überall auf dem Zech-Hof, freier Pflanzenwuchs. Dazu noch ein bunt angemalter Campingwagen, das ein oder andere Autowrack, bereits vom Grün überwuchert, das Zech schon längst „weghaben“ wollte.

Das, was Roland Zech „Agrarwüste“ nennt, die Felder, die Agarunternehmen in der Region rund um den Hof der Zechs bewirtschaften, liegt gut versteckt hinter den Bäumen und Büschen, die er und seine Frau rund um ihren Hof gepflanzt haben.

Camping bei Zechs in Grevenstein. Quelle: Annett Meinke

Die Gäste, die an Pfingsten erwartet werden, können von überall herkommen, nicht nur aus der Region, auch aus Hamburg, Berlin und vielleicht auch noch von viel weiter her. Es wäre nicht das erste Mal, dass Leute eine Reise unternehmen, um den Musiker und die Yogalehrerin in Grevenstein zu besuchen, auf ihrem Hof zu campen, mit ihnen zu feiern und zu entspannen.

Eine Reise zum Zech-Hof in Grevenstein

Zech, der nicht nur Musiker bei „Reuters Fritzen“ und ein rigoroser Fan von selbst gemachter Musik ist, sagt: „Konservenmucke gibt es hier nicht.“ Er hat im vergangenen Jahr auf seinem Land, weitestgehend unbemerkt von der breiteren Öffentlichkeit ein Festival veranstaltet, das ohne Werbung schon von um die 250 Leuten besucht wurde. „Ohne Watt“ nannte sich das. Eine Neuauflage davon soll im Jahr 2020 starten.

Wegbeschreibung

Grevenstein findet ein Navigationsgerät normalerweise, gibt aber bei Feldmark 5 eine falsche Adresse an – die östliche Feldmark 5. Der Hof der Familie Zech ist von Grevenstein aus, wie folgt zu erreichen: In Grevenstein, Richtung Dassow Rankendorf abbiegen, kurz nach Ortsausgang Grevenstein kommt links eine Bushaltestelle. Davor biegt links eine schmale asphaltierte Straße ab, die Feldmark heißt, was ausgeschildert ist. Diese Sackgasse ganz bis zum Ende fahren. Links der Straße am Ende befindet sich der Zech-Hof. Dort kann man wenden und auf einem Wiesenweg von dort aus weiter zum Campingplatz fahren.

Annett Meinke

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