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Grevesmühlen Wozu ein Keramikkurs so gut ist
Mecklenburg Grevesmühlen Wozu ein Keramikkurs so gut ist
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17:06 21.01.2019
Keramikerin Petra Mentz mit Levke Steuteknuel (v.l.), Mattes Weber, Kim Scheel, Emily Schafranski, Michelle Armbruster und Merle Heitmann, Viertklässler der Grundschule in Carlow.
Keramikerin Petra Mentz mit Levke Steuteknuel (v.l.), Mattes Weber, Kim Scheel, Emily Schafranski, Michelle Armbruster und Merle Heitmann, Viertklässler der Grundschule in Carlow. Quelle: Annett Meinke
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Carlow

Noch ist die Zeit gar nicht ran, aber die sieben Viertklässler, die dienstags um 11.30 Uhr den Keramikkurs von Petra Mentz besuchen, können es kaum erwarten, den Werkraum zu betreten, der über eine schmale Treppe zu erreichen ist, die ins Dachgeschoss der hübschen, kleinen Grundschule in Carlow führt.

Ein Grund für die freudige Erwartung, mit der Merle (10), Mattes (10), Emily (10), Deven (9), Michelle (9), Kim (10) und Levke (9) den Raum betreten, mag Emmi sein, die kleine, sechs Jahre alte Mischlingshündin, die Petra Mentz immer zu ihren Kursen in der Schule begleiten darf. Emmi ist tiefenentspannt, begrüßt die Kinder schwanzwedelnd, lässt sich ausgiebig kuscheln – und legt sich bald zum Kursbeginn zum Schlafen unter einen der Tische zu Füßen der Kinder.

Ton klopfen, um Stress abzubauen

Der andere Grund, warum die Schüler sich auf den Kurs freuen, ist tatsächlich das Arbeiten mit Ton selbst, wie die Kinder berichten. „Das Kreative daran“ mögen Michelle und Deven. Deven ist ohnehin jemand, der, wie er sagt, viel und gern handwerklich arbeitet, auch zu Hause mit Holz und anderen Materialien. Seine Eltern unterstützen ihn darin. Deven weiß heute schon, dass er später einmal mit seinen Händen arbeiten will – „nicht am Computer herumsitzen mag.“

Levke findet es schön, „Sachen zu entwerfen, die ich dann hinterher auch selbst benutzen kann“. Emily hat ein besonderes Faible für „Spardosen in Eulenform“ entwickelt – sie besucht auch noch einen Kinderkurs in der Werkstatt von Petra Mentz außerhalb der Schule. Kim berichtet: „Ich habe eine wirklich große Familie, da brauche ich immer viele Geschenke, zum Beispiel an Weihnachten.“ Acht Spardosen, sagt sie, hat sie schon angefertigt.

Merle gefällt es auch, „etwas selbst zu kreieren“, aber am „allermeisten mag ich“, sagt sie, „das Raufklopfen auf den Ton am Anfang des Kurses, wenn wir den Ton platt machen, um dann daraus etwas zu formen. Da kann man gut Stress abbauen.“ Sie haut kräftig drauf, während sie das sagt, und lacht verschmitzt.

Grundschule Carlow – Keramikkurs der 4. Klasse

An ihrer Kursleiterin Petra Mentz (58) schätzen die Kinder, dass sie so lustig und entspannt ist, so viel interessante Sachen zu erzählen hat, dass sie „Du“ zu ihr sagen dürfen. Petra Mentz wiederum sagt, dass sie die Arbeit mit den Kindern an der Carlower Grundschule mag, weil es ihr Freude macht, Kinder darin zu begleiten, Zugang zur eigenen Schöpferkraft zu entdecken. Insgesamt drei Kurse gibt sie, am Montag einen Kurs für die 1. und 2. Klassen zusammen, dienstags zuerst die 4. und danach die 3. Klasse.

Offene Keramikwerkstatt in Carlow

55 Schüler werden derzeit an der Grundschule neben der Carlower Kirche unterrichtet, die im Jahr 2018 von der Gemeinde komplett renoviert wurde. Vier Lehrer, inklusive Schulleiterin Annette Jürß, unterrichten in den Klassenstufen 1 bis 4, Gastlehrer kommen hinzu und verschiedene Kurse im Zuge eines Halbtagsschul-Angebots. Darunter allen AGs, wie Schach, Flöte, Hausaufgaben begleiten oder eben Keramik. Einige der Viertklässler sind schon seit der 1. Klasse im Keramikkurs.

„In meinen Kursen in meiner Werkstatt“, sagt Petra Mentz, „gebe ich meist nicht vor, was die Leute machen sollen. Sie kommen mit eigenen Ideen, oder ich helfe ihnen, welche zu entwickeln und auf dem Weg dahin, sie umzusetzen.“ Das hat sie anfangs auch mit den Schülern versucht, doch inzwischen hat sie festgestellt, sagt sie, dass es am besten läuft, wenn sie die Kinder motiviert, ein paar Vorschläge macht, manchmal auch etwas vorgibt und dann unterstützt.

Keramik aus Carlow

Keramikerin Petra Mentz beschäftigt sich weniger mit dem Herstellen von Geschirr. Sie formt am liebsten Geschöpfe und Gesichter, die Geschichten erzählen. An jedem Mittwoch und Donnerstag zwischen 15 und 19 Uhr steht ihre Werkstatt für Interessierte offen.

Über Kursangebote, Kosten und Kontaktmöglichkeit informiert die Webseite der Künstlerin: www.keramik-mentz.de

Nächste Termine der Carlower Keramikerin:

9. und 10. März: Tag der Offenen Töpferei, Carlow, Pappelweg 3

28. April: Biosphärenmarkt, Festung Dömitz

12. Mai: Pflanzen-Töpfermarkt, Agroneum Alt Schwerin

8. und 9. Juni: KunstOffen, Carlow, Pappelweg 3

Petra Mentz lebt seit sieben Jahren in Carlow, gemeinsam ist die in Berlin-Steglitz Aufgewachsene mit ihrem Mann, der eine Heilpraktikerpraxis in Lübeck übernahm, nach Nordwestmecklenburg gekommen. Mit dem Umzug hat Mentz die Chance ergriffen, sich als Keramikerin selbstständig zu machen, eine Werkstatt zu eröffnen, die mittwochs und donnerstags, in der Zeit von 15 bis 19 Uhr für jeden offen steht, der etwas über Ton und das Töpfern lernen möchte.

Annett Meinke

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