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Grevesmühlen Im Fokus: Der Strand von Wohlenberg
Mecklenburg Grevesmühlen Im Fokus: Der Strand von Wohlenberg
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16:56 29.03.2019
Die meisten Diskussionen entstanden wegen des alten Anlegers. Laut Bebauungsplan ist eine Sanierung und Bebauung dort geplant. Das Projekt hängt seit Jahren in der Schwebe. Quelle: Annett Meinke
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Wohlenberg

 Es war dem Klützer Bürgermeister Guntram Jung nicht anzusehen, ob der Termin zum Rundgang in Wohlenberg zu seinen Lieblingsterminen in diesem Frühjahr zählt oder nicht. Wohlenberg gehört zur Schlossstadt. Die Bürger von Wohlenberg und auch so einige Bürger der Nachbargemeinden, deren Haus-Strand der Wohlenberger Strand ist, machen dem Stadtoberhaupt seit Jahren immer wieder zu schaffen.

Ende 2016 wurde auf einer großen Fläche östlich des Anlegers der Sandstrand von wuchernden Büschen, Sträuchern und Gräsern befreit. Das ist nicht ganz unproblematisch, weil sich der Strand im Naturschutzgebiet befindet. Damals freute das aber dennoch alle Bürger und Touristen, weil es seitdem endlich wieder einen Strand gibt, der diesen Namen verdient.

Noch ist der Strand ruhig - bis Saisonbeginn wollen Wohlenbergs Bürger, muss dort noch mächtig aufgeräumt werden. Auch ein von Klütz aus angeordneter Gemeinde-Frühjahrsputz, an dem alle teilnehmen sollen, wurde während der Ortsbegehung von Bürgerseite gefordert. Quelle: Annett Meinke

Vehemente Kritik

Wie sich beim Ortstermin am Donnerstagabend zeigte, gibt es dennoch immer genug Gründe für Bürger, sich über den Zustand des Wohlenberger Strands zu ärgern – oder sich zu sorgen. Jung musste sich den Hinweisen, der zum Teil ziemlich vehement vorgetragenen Kritik jedoch nicht alleine stellen, er hatte Verstärkung dabei: seine Stellvertreterin Petra Rappen und den Bauhof-Mitarbeiter Karsten Reich.

„Oben“ in Wohlenberg ging es los, von Klütz aus kommend. Dort befindet sich zum Beispiel die bei vielen Nordwestmecklenburgern und Touristen beliebte EisdieleIsland“. Sie hat erst vor ein paar Jahren eröffnet und wurde von den OZ-Lesern 2017 sogar zur beliebtesten Eisdiele von Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Problem der steigenden Beliebtheit des Wohlenberger Eises – wild parkende Autos am Straßenrand. Wie Petra Rappen mitteilte, ist eine Lösung zumindest in Sicht. Ein Parkplatz, der allerdings noch offiziell in Betrieb genommen werden muss, wurde am Weg neben der Eisdiele eingerichtet.

An der Eisdiele Ortseingang Wohlenberg, von Klütz aus kommend, begann die Ortsbegehung mit dem Klützer Bürgermeister Guntram Jung in Anwesenheit von interessierten Bürgern. Quelle: Annett Meinke

Im Dorf selbst monierten die insgesamt elf Bürger (neun Männer und zwei Frauen), die an der Ortsbegehung teilnahmen, unter anderem den komplett zugewachsenen Teich, ebenfalls am Anfang des Dorfes auf Höhe der Eisdiele, von dem keine Feuerwehr mehr gut Wasser ziehen könnte. Der aber vor allen Dingen wegen all der in ihm faulenden Blätter und auch wegen des Schilfes, das dort wächst, „im Sommer ziemlich stinkt“, wie einer der Anwohner sagte, während er sich dabei demonstrativ die Nase zuhielt.

Guntram Jung notierte sich alles, was angemerkt wurde – immer gleichbleibend freundlich. Ob es nun um vom Bauhof zu beschneidende Bäume, Büsche oder um Böschungen ging. Oder um das Problem mit einem Privatgrundstück, das nach Meinung der Wohlenberger „eine Schande ist“, weil es so ungepflegt aussieht. Moniert wurde zudem die Treppe zum Strand hinunter. Wie sagte eine der Frauen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will: „Es ist nicht nur das Laub, das hier ständig herumfliegt. Hier gehen regelmäßig auch Reiter mit ihren Pferden runter.“

Auch Anlass zu Bürgerärger in Wohlenberg: Die Treppe zum Strand - weil sie so oft mit Blättern zugeweht ist im Herbst und Winter - und Pferde samt Reitern dort hinuntermarschieren. Quelle: Annett Meinke

Aufreger „Kartoffelanleger“

Die Reiter am Strand waren, wie sich im Verlauf des weiteren Rundgangs am Strand herausstellte, jedoch noch das geringste Problem. Was vor allen Dingen zum Teil ziemlich heftige Vorwürfe Richtung Bürgermeister und Klützer Stadtvertreter auslöste, war der marode Anleger in Wohlenberg, im Volksmund „Kartoffelanleger“ genannt. Der nicht nur unansehnlich ist, sondern tatsächlich auch eine Gefahr darstellt. Weshalb das Bundeseigentum eigentlich gesperrt ist, was Besucher dennoch nicht daran hindert, auf eigene Gefahr darauf herumzuklettern.

Ortsbegehung mit dem Klützer Bürgermeister

Jung erklärte, dass es, was das Projekt „Kartoffelanleger“ angeht, einfach nicht vorangeht. Schon vor einiger Zeit hatte ein Investor ein Konzept für den Anleger entwickelt, das auch den Bau von Ferienwohnungen vorsieht. Doch aufgrund des nach wie vor schwebenden Umweltgutachtens geht es seit Jahren nicht voran. Eine Angelegenheit, die nur auf Landesebene zu klären ist, wie Jung sagte. „Dort wird aber eben einfach nichts geklärt. Es kommt weder ein eindeutiges ,Nein’ noch ein eindeutiges ,Ja’.“ Eine Frist zu setzen oder den Bebauungsplan schlussendlich wieder zu ändern, wenn einfach nichts passiert, wie es von einzelnen Bürgern verlangt wurde, erklärte der Bürgermeister, ist nicht so einfach möglich. „Der Investor hat bereits in Planungskosten investiert, die wir dann übernehmen müssten. Das Geld haben wir als Stadt einfach nicht.“

Eines zumindest konnte Guntram Jung den Bürgern an diesem Abend aber versprechen: Der Strand in Wohlenberg wird vor Saisonbeginn von einer extra dafür angeheuerten Firma von dem Treibgut befreit, das die Stürme Anfang des Jahres mit sich brachten.

Die Stürme Anfang des Jahres haben unter anderem Unmengen von Treibholz an den Wohlenberger Strand gespült. Eine Gartenbaufirma wird den Strand bis Saisonbeginn beräumen, wie der Klützer Bürgermeister auf der Ortsbegehung mitteilte. Quelle: Annett Meinke

Die alte Landungsbrücke im südlichen Teil der Wohlenberger Wiek ist etwa 250 Meter lang und 25 breit. Errichtet wurde sie in der ehemaligen DDR in den Jahren 1978 bis 1979. Der Schiffsanleger wird im Volksmund „Kartoffelanleger“ oder „Kartoffelmole“ genannt.

Zu DDR-Zeiten wurden von hier aus landwirtschaftliche Produkte, vor allem Kartoffeln in die befreundete Sowjetunion verschifft. Aufgrund der damaligen Grenznähe hatte er vermutlich auch eine militärstrategische Funktion – zumindest theoretisch.

Die Mole gilt inzwischen als beliebtes Tauch- und Angelrevier – trotz Sperrung. Im Frühjahr erscheint hier der Hornhecht, im Herbst kommen die Makrelen, weshalb Angler und Taucher sie auch „Makrelenmole“ nennen.

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