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Grevesmühlen Schülerzeitung gehört zu den drei besten im Land
Mecklenburg Grevesmühlen Schülerzeitung gehört zu den drei besten im Land
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14:48 23.01.2019
Die Schülerzeitung der Wasserturmschule gehört im Schuljahr 2018/19 zu den drei besten des Landes Mecklenburg-Vorpommern und wird am 9. April 2019 in Neubrandenburg ausgezeichnet. Zur Redaktion gehören: Svea Gollub, (v.l.) Joyce Becker, Christoph Brüshaver, Sara Koch, Lukas König, Mika Knispel, Pädagogin und Redaktionsleiterin Iris Hoffmann-Wiegand, Lena Baranczyk. Quelle: Annett Meinke
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Grevesmühlen

Die Schülerzeitungs-Redakteure der Schule am Wasserturm beschäftigen sich oft mit schwierigen Themen. In ihren Artikeln geht es um Gewalterfahrungen, um Homophobie, schwindende Artenvielfalt, Rassismus, auch um Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen und natürlich – um die Liebe. Acht Schüler insgesamt gehören derzeit der Redaktion an, die seit drei Jahren unter Anleitung der Pädagogin Iris Hoffmann-Wiegand ihre Beiträge an der Schule veröffentlicht. Anfang Januar kam vom Jugendmedienverband Mecklenburg-Vorpommern, dessen Sitz sich in Rostock befindet, die Nachricht, dass die Zeitung im Wettbewerb der Schülerzeitungen im Land nominiert wurde. Sie gehört damit zu den drei besten in MV im Schuljahr 2018/19 und wird am 9. April in Neubrandenburg ausgezeichnet.

Treppenaufgang in der Schule am Wasserturm: Im Vorbeigehen Englisch lernen. Quelle: Annett Meinke

„Damit hat sich die Grevesmühlener Regionalschule auch zur Teilnahme am Bundeswettbewerb der Schülerzeitungen qualifiziert“, gibt Nadine Berlenbach von der Landesinformationsstelle Schülerzeitung in Schwerin Auskunft. Berlenbach ist eines von insgesamt zehn Jurymitgliedern, zu denen unter anderem auch ein Journalist der Ostsee-Zeitung gehört.

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Themen aus dem Lebensalltag der Schüler

„Für uns ist die Nominierung eine große Ehre“, sagt Iris Hoffmann-Wiegand und findet, „darauf können die Schüler richtig stolz sein.“ Stolz allerdings kann auch sie sein, die das Projekt im Rahmen eines Wahlpflichtfachs ins Rollen gebracht hat. Hoffmann-Wiegand gehört zum „Personal mit sonderpädagogischer Aufgabenstellung“, so lautet ihre etwas sperrige Berufsbezeichnung an der Schule. Eine Schülerredaktion zu führen, gleichermaßen anzuregen, zu lenken, dann und wann auch zu begrenzen und letztlich die Verantwortung für alles, was erscheint oder nicht, zu tragen, ist keine einfache Sache.

Dass die Themen, die sich die Jugendlichen in einer Art Redaktionskonferenz am Anfang eines Schulhalbjahres aussuchen, viel mit dem zu tun haben, was sie an der Schule, aber auch privat an durchaus Problematischem erleben, „ist eine Tatsache“, sagt Hoffmann-Wiegand. Auch deshalb freut sie sich über die Würdigung „ihrer“ Schülerzeitung durch die Landes-Jury. „Wir haben uns da, wie zu hören war, gegen einige Hochglanz-Schülerzeitungen im Land durchgesetzt.“

Schule am Wasserturm in Grevesmühlen. Quelle: Annett Meinke

Wirklich komfortabel sind die Bedingungen nicht, unter denen an der Wasserturmschule Zeitung gemacht wird. Pro Schulhalbjahr entsteht ein Zeitungsheft, Größe A 5. Es ist schwierig am Computer zu recherchieren, weil das Wlan-Netz an der Schule so schwach ist. Es steht auch nicht viel Geld zur Verfügung, um die Zeitung zu finanzieren. Hochglanz fällt damit, auch aus finanziellen Gründen, schon von vornherein komplett aus. Damit die Druckkosten wieder reinkommen, müssen die Schüler sich auch darum bemühen, Anzeigen zu verkaufen. „80 Euro kostet eine A5-Seite.“, informiert Redaktionsmitglied Mika Knispel (14) und erklärt: „Wir denken uns nicht nur die Themen aus und schreiben. Wir kümmern uns auch gemeinsam darum, Anzeigen zu verkaufen.“ Die Stadtwerke Grevesmühlen zum Beispiel haben schon einmal eine Anzeige geschaltet, – oder auch Ostseewelle Hit-Radio oder Karls Erdbeerhof. Verkauft werden die fertigen Schülerzeitungs-Hefte mit einer Auflage von 100 Stück an Schüler für 50 Cent und ansonsten für 1 Euro.

Später mal Journalist – eher nicht

Die meisten der Jugendlichen planen nicht, wie sie berichten, sich später einmal hauptberuflich mit dem Schreiben zu beschäftigen, außer Svea Gollub (15) und Lena Baranczyk (15) vielleicht, die zumindest manchmal darüber nachdenken, wie sie sagen. Auch wenn Lena meint, sie plane inzwischen doch eher „noch das Fachgymnasium zu besuchen und später auf Lehramt zu studieren.“ Eine poetische Ader jedenfalls hat Lena in jedem Fall – das kann man in einem Extra-Format in der Zeitung, das „Lenis Ecke“ heißt, spüren – und dafür wird sie auch von ihren anderen Mit-Redakteuren bewundert.

Poesie aus „Lenis Ecke“

Vergessenheit – Fast hätte ich es vergessen. Vergessen, wie es ist, der Musik, welche durch meine Kopfhörer ertönt, zu lauschen – und ich merkte es nicht einmal. Meine Kopfhörer fanden ihren Weg in eine Ecke meines Zimmers, in welcher sie sich mit der Stille anfreunden mussten –und ich, ich fing an, Gitarre zu spielen; fixiert darauf, immer die richtigen Töne zu treffen, die Melodie exakt zu imitieren; und regte mich auf, wenn es nicht so klappte, wie ich es mir vorstellte. Langsam vergaß ich, was ein Teil von mir war: Meine treuen Kopfhörer. Ich blendete sie praktisch aus, sie verschwanden aus meinem Blickfeld, gerieten ins Vergessen. Ich vergaß, was Musik mir bedeutete, nur das Streben nach Richtigkeit beherrschte meinen Kopf. Doch dann kam der Moment, in welchem ich anfing, meine Augen wieder zu öffnen. (Auszug aus einem Text von Lena Baranczyk)

Wer wissen will, wie es weitergeht, sollte sich eine Schülerzeitung der Wasserturmschule, Ausgabe Nummer 5 mit dem Titel „Wir haben Träume ...“ kaufen –50 Cent für Schüler / 1 Euro für Erwachsene

Wer von den Schülern mit Iris Hoffmann-Wiegand am 9. April zur Preisverleihung nach Neubrandenburg fahren wird, steht noch nicht fest. Ausgerechnet in dieser Woche haben die Schüler ihre Praktika bei Firmen, im Rahmen der Berufsorientierung in der 9. Klasse, – denn so langsam müssen sie sich Gedanken machen, was sie nach dem Ende der 10. Klasse anfangen wollen.

Wenn die derzeitigen Schüler-Redakteure mit der Schule fertig sind, werden neue Schüler in das Redaktionsbüro unter dem Dach der Schule einziehen. Und auch sie haben die Chance, mit dem, was sie schreiben, Preise zu gewinnen. Doch noch sind Svea, Lena, Mika, Joyce, Christoph, Sophia und Sara am Start –und noch bleibt auch das Ergebnis des Bundeswettbewerbs abzuwarten. Wer weiß, was noch passiert!

Annett Meinke