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Güstrow Folter-Prozess: Ermittler und Gartennachbarn sagen aus
Mecklenburg Güstrow Folter-Prozess: Ermittler und Gartennachbarn sagen aus
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16:42 12.08.2019
Der Angeklagte Patrick J. vor dem Landgericht Rostock Quelle: Stefan Tretropp
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Rostock/Lalendorf

Der Geiselnahme-Prozess von Lalendorf ist am Montagvormittag vor dem Rostocker Landgericht fortgesetzt worden. Am dritten Verhandlungstag wurden Laubenpieper aus der Gartenanlage und ein Kriminalbeamter vernommen. Der die Ermittlungen hauptsächlich führende Beamte Erik B. beschrieb, wie das Misshandlungsopfer Manuel L. (39) erst überzeugt werden musste, auszusagen – vermutlich aus Angst vor den Angeklagten.

Kettensäge nicht gefunden

Der Kriminalist gab zudem Einblicke in die Ermittlungsarbeit. So hätte man bei Durchsuchungen Arbeitsschuhe und einen Axtstiel entdeckt, mit dem das Opfer wohl vom Hauptangeklagten Patrick J. attackiert wurde; allerdings keine im Prozess mehrfach vom Opfer beschriebene Kettensäge.

In den Ascheresten im Ofen konnten kleine Platinen gefunden werden, die offenbar von einem Handy stammen könnten. Das Mobiltelefon des Opfers soll noch vor Beginn des Schlagmartyriums zerstört und im Ofen verheizt worden sein. Zudem konnten in der Auswertung des Handys vom Hauptangeklagten Patrick J. zuvor gelöschte Dateien wiederhergestellt werden. „Wir entdeckten auf dem Telefon Fotos eines fortwährenden Verletzungsbildes des Geschädigten und das Video“, erklärte der Polizist.

Video: Opfer muss nackt Holz hacken

Im Anschluss wurde das verhöhnende Video, das J. von seinem Opfer L. anfertigte, gezeigt. Darauf ist zu sehen, wie L. nackt mit einer Axt Holz hackt, sein Gesicht weist augenscheinlich Verletzungen auf. Dass das Video vom Angeklagten J. stammt, hatte dieser bereits eingeräumt.

Weiterhin wertete die Kripo die Verbindungsdaten der Handys von Opfer und mutmaßlichem Täter aus. Demnach war das Telefon von J. dauerhaft in einer Funkzelle angemeldet; das des Opfers war um 15.02 Uhr – etwa eine Stunde nach Beginn der Misshandlung – nicht mehr darin registriert. Dass das Opfer mit einer Kettensäge bedroht worden sein soll, gab es erst knapp zwei Wochen später zu Protokoll.

Der Verteidiger von J. präsentierte dann einen auf dem Komposthaufen von J.s Garten gefundenen zerschnittenen Pullover – es ist der vom Opfer. Damit widerlegte er die Aussage von Manuel L., wonach alle Sachen im Ofen verbrannt wurden.

Nachbar entdeckt Verletzten

„Hasen-Johnny“, ein Nachbar von J., beschrieb, wie er das Opfer in einer Decke eingehüllt vor seinem Tor lagen sah und er sich erkundigte, was passiert sei. Erst später erfuhr er von dem Martyrium. Allerdings konnte er sich erinnern, vorher eine Kettensäge in der Gartenkolonie gehört zu haben. Ob diese Geräusche von J.s Gartengrundstück kamen, konnte er nicht sagen.

Ein Beweisantrag der Verteidigung auf die Einholung eines medizinischen Gutachtens von Manuel L. wegen „erheblicher Zweifel an Glaubwürdigkeit des Zeugen L.“ wurde vom Staatsanwalt abgelehnt. Der Prozess geht am kommenden Montag mit einem vom Opferanwalt gestellten Adhäsionsantrag, dem Gutachten des Sachverständigen und den Plädoyers weiter.

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Von Stefan Tretropp

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