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Güstrow Heiligabend in Mecklenburger Gotteshäusern: So voll werden unsere Kirchen
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Heiligabend in Mecklenburger Gotteshäusern: So voll werden unsere Kirchen

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16:11 23.12.2019
Wie die Rostocker Marienkirche werden alle größeren Gotteshäuser in Mecklenburg weihnachtlich geschmückt. Die Christvespern sind in der Regel die besucherstärksten Veranstaltungen im Jahr. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock/Wismar/Grevesmühlen/Bad Doberan

Gerade zur Weihnachtszeit sind die Bänke in den Kirchen unseres Landes voll – oft müssen sogar zusätzliche Sitzgelegenheiten geschaffen werden. Denn die Menschen kommen zuverlässig: Im Durchschnitt kamen in den vergangenen Jahren 130 000 Besucher am 24. Dezember in die Gotteshäuser zwischen Grevesmühlen, Ludwigslust und Rostock. Und die Zahlen sind konstant.

Dagegen steht: In den nächsten 40 Jahren werden die Kirchen in Norddeutschland konfessionsübergreifend die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren – so postulierte es eine Freiburger Studie in diesem Jahr. Auch rückblickend ist der Trend zu beobachten: Allein 2018 hat die Nordkirche in Mecklenburg-Vorpommern 2232 Mitglieder verloren. Zum Heiligabend sei davon jedoch nichts zu spüren. Seit Jahren kommen die Menschen an diesem Tag zahlreich in die Gotteshäuser in Mecklenburg. Doch warum?

Rituale und Tradition

Es gehe um Gemeinschaft und bekannte Rituale, die die Menschen an Heiligabend in die Kirchen ziehen, sagt Christian Meyer, Pressesprecher der Nordkirche in Mecklenburg. „In einer Christvesper brennt wie vor 50, 100 oder 200 Jahren ein Meer aus Kerzen, es werden Lieder gesungen, die jeder kennt, und die bekannte Weihnachtsgeschichte von der Geburt eines Kindes wird vorgelesen.“

Die größten Gottesdienste finden laut dem Presseverantwortlichen in den Kirchen von Rostock, Güstrow und auch Bad Doberan statt. „Wir haben Platz für 500 Menschen, werden aber wieder zusätzliche Stühle und Bänke zur Verfügung stellen“, sagt etwa Pastor Albrecht Jax vom Doberaner Münster. Die Besucherzahlen seien in der Kirche aus dem 14. Jahrhundert leicht gestiegen, wie der 51-Jährige betont. Gerade die Christnacht um 23 Uhr erfreue sich immer stärkerer Beliebtheit.

Weihnachtsgeschichte und aktuelle Ereignisse

Der thematische Schwerpunkt stehe für Heiligabend in Bad Doberan noch nicht fest. „Da werden aktuelle Ereignisse durchaus noch einfließen“, sagt Jax. Jedoch werde es grundsätzlich um die Frage gehen, was die Botschaft von Weihnachten mit dem Leben zu tun hat. In Grevesmühlen möchte Pastorin Maria Harder daran erinnern, dass Gott als Mensch in unserer Welt angekommen ist – „nicht als Herrscher, Macher, Pastor, Präsident oder König, sondern als kleines, verletzliches und bedürftiges Kind in ärmlichen und familiär ungeklärten Verhältnissen“, sagt Harder.

Auch in ihrer Sankt-Nikolai-Kirche seien die Besucherzahlen stabil. „400 Sitzplätze gibt es in Grevesmühlen und wir werden weitere Möglichkeiten bieten müssen“, sagt die Pastorin. Etwas größer werden die Christvespern in der Wismarer Nikolaikirche – hier befinden sich etwa 500 fest eingebaute Plätze. „An Heiligabend stellen wir circa 250 Stühle dazu“, verrät Pastorin Antje Exner. In der Hansestadt sei neben den Vespern das Orgelkonzert am 31. Dezember um 22 Uhr die bestbesuchte Veranstaltung im Jahr.

Kirchenbesuch ist Ritual

Die Marienkirche in Rostock wird im Mecklenburger Landesteil die meisten Menschen an Heiligabend begrüßen. „Wir haben 800 Sitzplätze und werden ebenfalls noch zusätzlich bestuhlen“, verrät Küsterin Agnes Lutter. Wie sie sich erklärt, dass die Kirche immer mehr Mitglieder verliert, die Häuser an Heiligabend aber konstant voll sind? „Da geht es mehr um eine weihnachtliche Tradition, einen festen Ablauf, der weniger etwas mit dem Glauben zu tun hat. Das ist wie das Aufstellen des Weihnachtsbaumes. Das müssen wir akzeptieren.“

Kirchliche Feste und Traditionen seien der Anker in den Zeitläufen und böten Verlässlichkeit und Stabilität für jeden Menschen, meint Christian Meyer. Da sei es egal, ob es sich um Gläubige, Atheisten, Obdachlose oder Migranten handele. „Wer sich unbehaust fühlt, kann in unseren Kirchen und Kirchengemeinden Heimat und Gemeinschaft finden. Die Weihnachtsbotschaft rührt die Menschen in unterschiedlicher Weise an – und das seit mehr als 2000 Jahren.“

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