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Güstrow Kaninchenzüchter: „Ruhm und Ehre sind der Lohn der Tierschauen“
Mecklenburg Güstrow Kaninchenzüchter: „Ruhm und Ehre sind der Lohn der Tierschauen“
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21:26 04.09.2019
Karl Studier (77) züchtet schon beinahe sein Leben lang Kaninchen. Dieses Jahr fährt er bereits zum 25. Mal zur Mela, um seine Zwergwidder auszustellen. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Dummerstorf

Idyllisch ist der Kleingarten von Karl Studier (77). Zwischen hochgewachsenen Pflanzen sind immer wieder Gehege mit Hühnern, Gänsen und Tauben zu entdecken. Unter einer Überdachung findet man eine vierstöckige Reihe von Buchten. In ihnen sitzen etliche kleine Mümmelmänner: Zwergwidder – eine spezielle Kaninchenzucht mit hängenden Ohren.

Seit weit mehr als 50 Jahren züchtet der gebürtige Anklamer Tauben und Kaninchen. „Schon als Kind war das mein Hobby. Ich begeistere mich seit jeher für Kleintiere“, schwärmt der Diplomlandwirt. 32 Fellknäuel hält er derzeit in seinem Garten in Dummerstorf. Wildgraue und thüringerfarbige Zwergwidder, um genau zu sein. Beide haben ein braunes Fell, das sich allerdings in Feinheiten unterscheidet. Die Thüringerfarbigen zeichnen sich zudem durch ihren dunkleren Kopf aus. Diese Rasse gehöre aber seiner Frau. „Ich bevorzuge die Wildgrauen. Sie haben ein wesentlich sanfteres Gemüt“, meint der Rentner wissend.

Ausstellungen machen den Reiz aus

Nur die Tiere zu halten, habe Studier aber noch nie Spaß gemacht: „Das Ausstellen ist der Reiz an der Sache und sozusagen das Salz in der Suppe“, erzählt der Rentner lachend. Regelmäßig fährt er seine Kaninchen deshalb zu Tierschauen, auf denen sie gründlich begutachtet und mit etwas Glück auch mit Preisen bedacht werden. „Ich habe schon viele Auszeichnungen gewonnen, bin einige Male Landesmeister geworden“, berichtet Studier stolz, fügt aber hinzu: „Geld gibt es keines, nur eine Plakette – und Ruhm und Ehre. Das ist der Lohn der Ausstellungen.“

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Auch auf der Mecklenburgischen Landwirtschaftsausstellung (Mela), die am 12. September beginnt, werden Studiers Zwergwidder dabei sein. Bei der Landesjungtierschau. Und das zum 25. Mal. Von Donnerstag bis Sonntag können die süßen Fellknäuel dann von den Besuchern bestaunt und von der Jury beurteilt werden. Da Kaninchen immer in sogenannten Sammlungen bewertet werden, wie der Diplomlandwirt erklärt, bringe er von beiden Rassen je eine Sammlung à vier Tieren hin. „Das hier kann nicht dabei sein. Es hat schon eine Falte unter dem Kinn“, sagt er und zeigt auf einen thüringerfarbigen Widder, während er an den Buchten vorbeigeht.

Mecklenburgische Landwirtschaftsausstellung vom 12. bis 15. September

Die Mecklenburgische Landwirtschaftsausstellung (Mela) ist eine jährliche Fachausstellung für Landwirtschaft und Ernährung, Fischwirtschaft, Forst, Jagd und Gartenbau.

Sie findet zum 29. Mal in Mühlengeez (Gemeine Gülzow-Prüzen) bei Güstrow auf einem rund 172 000 Quadratmeter großen Messegelände statt.

Insgesamt nehmen 1010Fachaussteller aus dem In- und Ausland an der Mela teil.

Highlights der Ausstellung sind unter anderem die Landestierschau sowie die Verleihung der Preise für Tier- und Pflanzenzucht.

Geöffnet ist die Mela nicht nur für fachkundige Besucher, sondern für alle, die Interesse haben.

Wer züchtet, muss auch schlachten können

Strenge Richtlinien, der sogenannte Rassestandard, schreibt für alle Züchtungen genau vor, wie sie auszusehen haben. „Das Fell muss eine bestimmte Struktur, Länge und Festigkeit haben. Bei den Zwergwiddern ist die Länge der Ohren ein wichtiges Kriterium. 24 Zentimeter sollten es sein, wenn man von Ohrenspitze zu Ohrenspitze über dem Kopf misst. Außerdem dürfen sie maximal 1,9 Kilogramm wiegen“, erklärt Studier fachkundig.

Und wenn ein Kaninchen nicht in das Schema passt? „Dann essen wir es“, antwortet der Rentner nüchtern. Wer züchtet, müsse auch schlachten können. Was zunächst hart klingt, lässt sich schlüssig erklären: „Man muss selektieren, sonst hat man irgendwann zu viele Tiere. Das Ziel ist ja, die Besten heranzuziehen. Als Züchter darf man sein Herz nicht an ein Tier hängen.“ Manche Tiere, die nicht zur Ausstellung taugen, wie Studier sagt, werden aber als Zuchttiere weiter gehalten. Einige werden auch verkauft – an andere Züchter oder Privatpersonen –, wie jetzt auf der Mela. „Wir haben alle Tiere als verkäuflich angemeldet. Auf solchen Ausstellungen lassen sie sich gut an den Mann bringen“, meint der 77-Jährige.

Eigentlich hat die OZ nur den Kaninchen-Züchter Karl Studier (77) besuchen und einige seiner Prachtexemplare sehen wollen – doch dann durften alle Zeugen einer neuen Häschen-Liebe werden. Achtung: Nicht ganz jugendfrei.

Werfen im Acht-Wochen-Takt

Zwergwidder-Nachwuchs gibt es häufig. Zur Zeit hat er mehrere Würfe beider Rassen. „Wenn eine Häsin geworfen hat, wird sie nach vier Wochen wieder gedeckt“, erläutert Studier. Nach sechs Wochen werden die Jungen vom Muttertier getrennt und weitere zwei Wochen später werfe sie erneut. Circa 31 Tage Tragezeit habe ein Zwergwidder. Bis zu sechs Junge kann die Häsin dann bekommen. Um diese Leistung vom Tier abverlangen zu können, ohne es zu schwächen, müsse man gut füttern. „Meine Kaninchen bekommen Heu und ordentlich Kraftfutter. Getrocknetes Brot gebe ich nicht, da sie unheimlich empfindlich auf Schimmel reagieren“, erzählt der Experte.

Die Haltung sei einfach, Verluste habe Studier kaum – lediglich eine Häsin habe die Hitze diesen Sommer nicht überstanden. Dennoch nehme die Zahl der Kaninchenzüchter ab. Den Grund kennt der Rentner genau: „Die Impfungen sind teuer geworden. Sechs Euro kosten sie pro Kaninchen. Bei der Menge, die Züchter haben, summiert sich das.“ Studier wird seiner Leidenschaft trotzdem weiter nachgehen und freut sich bereits auf die kommenden Ausstellungen. Auf die Frage, wie er sich die Chancen auf der Mela ausrechnet, antwortet er gelassen: „Wird wohl werden.“

Die wichtigsten Infos zur Mela auf einen Blick

Die Mela hat vom 12. bis 15. September täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.Eine Tageskarte für Erwachsene kostet zehn Euro, mit Coupon sieben Euro und für Kinder (6 bis 14 Jahre) fünf Euro. Fachbesucher zahlen fünf Euro.

Das Messegelände befindet sich im Gewerbegebiet von Mühlengeez. Die genaue Anschrift lautet: Leute-Wiese 10-11, 18276 Gülzow-Prüzen OT Mühlengeez.

Die Parkplätze der Mela stehen Besuchern kostenfrei zur Verfügung. Achtung: Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nur am Donnerstag und Freitag möglich, am Wochenende wird keine Busverbindung nach Mühlengeez angeboten.Auskunft gibt der Fahrplan des Verkehrsverbundes Warnow.

Das Mitführen von Hunden in den Fach- und Tierhallen sowie im Festzelt ist nicht gestattet. Auf dem gesamten Ausstellungsgelände sind Hunde an der Leine zu führen.Die Veranstalter raten, Hunde zu Hause zu lassen, da die Vierbeiner auf der Messe vielen Stressfaktoren ausgesetzt werden (Gerüche, Lärm, Menschenmenge).

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