Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Güstrow Preisexplosion bei Grundstücken in MV: So teuer ist Bauland an der Ostsee
Mecklenburg Güstrow Preisexplosion bei Grundstücken in MV: So teuer ist Bauland an der Ostsee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:48 22.08.2019
Ein Baugebiet in Norddeutschland wird erschlossen. Die Grundstückspreise steigen kräftig an – vor allem in Rostock und den Ostseebädern. (Symbolfoto) Quelle: Irene Burow
Anzeige
Rostock

Bauland wird immer teurer: Ein Ende der Explosion der Grundstückspreise in Mecklenburg-Vorpommern ist nicht in Sicht.

Vor wenigen Tagen veröffentlichte das Amtsblatt die neuen Bodenrichtwerte für das Land. Die Listen zeigen die durchschnittlichen Preise, die Bauherren 2018 für Grundstücke bezahlten. Im Vergleich zum Vorjahr haben die noch einmal deutlich zugelegt, in den meisten Städten und Gemeinden um zehn Prozent und mehr.

Beinahe absurde Züge nimmt die Preisrallye in den Ostseebädern an. In Rostock-Warnemünde wurden in besonders begehrter Lage 1300 für einen Quadratmeter erschlossenen Baugrund fällig. Fast schon günstig ist im Vergleich dazu Zingst mit 680 Euro je Quadratmeter. Dafür verteuerte sich der Durchschnittspreis hier in nur einem Jahr um satte 70 Prozent.

Großes Problem für Gemeinden

„Wir sehen das mit Erschrecken“, sagt Zingsts Noch-Bürgermeister Andreas Kuhn (CDU). In Einzelfällen hätten im Ostseebad Grundstücke für 900 Euro je Quadratmeter den Besitzer gewechselt. Für Verkäufer, die so ein Deal bei entsprechender Grundstücksgröße zu Millionären macht, sei das natürlich eine tolle Sache. Für alle anderen eher nicht.

„Wir befinden uns in einer Preisspirale, die sich immer weiter nach oben dreht“, kritisiert Kuhn. Für betroffene Gemeinden, die sich um neue Einwohner und den Zuzug von Fachkräften bemühen müssen, sei die Kostenexplosion beim Bauland derzeit eines der größten Probleme überhaupt.

Rostock ist besonders teuer

Im Großraum Rostock kennen die Grundstückstarife kein Halten mehr. Zeiten, in denen noch Bauland für 100 Euro je Quadratmeter zu bekommen war, sind – bis auf wenige Ausnahmen – Geschichte. Für einen Eigenheim-Platz in guter Lage waren in der größten Stadt des Landes 2018 durchschnittlich 400 Euro für einen Quadratmeter fällig – 14 Prozent mehr als im Jahr davor.

In mittlerer Wohnlage kostete der begehrte Grund und Boden im Schnitt immer noch 270 Euro (plus 17 Prozent). Für ein durchschnittliches Grundstück mit 600 Quadratmetern müssen Interessenten also 162 000 Euro auf den Tisch legen.

Auch im direkten Rostocker Speckgürtel geht unter 200 Euro nichts mehr. Wer günstig Bauland kaufen will, muss weiter weg. Zum Beispiel nach Güstrow (65 Euro), Tessin (80 Euro), Laage (60 Euro) oder Bützow (46 Euro).

Kommunen fordern mehr Spielraum

Für Kommunen, die auf junge Familien hoffen, um nicht irgendwann auszusterben, ist die Situation vertrackt, meint Reiner Kröger, Referent beim Städte- und Gemeindetag MV. Immerhin seien die Zinsen noch günstig, weshalb viele die hohen Bodenkosten trotzdem finanzieren können.

Manche Gemeinden erschließen eigenen Boden als Bauland und verkaufen ihn unterhalb der Richtwerte – um Zuzügler zu locken. „Wenn ein öffentliches Interesse besteht, ist das durchaus möglich“, meint Kröger.

Bürgermeister Kuhn hält die Rechtslage dagegen noch nicht für ausreichend: Eine Gemeinde müsse sich auf Ärger aus Schwerin einstellen, wenn sie Grundstücke unter Wert veräußert, auch wenn es einer guten Sache dient. Das Innenministerium sollte die Zügel für die Kommunen lockern, fordert Kuhn.

In Wolgast sinken die Preise

Die Preisexplosion hat nahezu alle Zentren von MV erfasst. In Wismar gibt es eigenen Boden für unter 100 Euro nur noch in „mäßiger Lage“ am Stadtrand. Stralsund ist in diesem Segment mit durchschnittlich 75 Euro günstiger, ebenso wie Greifswald (80 Euro). In den jeweiligen Innenstädten und Top-Lagen wird es aber schnell doppelt so teuer.

Nur noch Gutbetuchte können sich ein Eigenheim in den angesagten Ostseebädern leisten: In Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) fallen 485 Euro zu Buche, 495 sind es in Binz auf Rügen und 400 Euro in Graal-Müritz. Kühlungsborn bleibt mit 550 Euro zwar teuer, aber wenigstens stabil: Hier verzeichneten die Notare, auf deren Daten die Richtwerte beruhen, vergangenes Jahr keine Änderung.

Fallende Preise sind die absolute Ausnahme. Die gab es aber auch: Etwa in Wolgast, hier rutschte der Quadratmeterpreis für ein Grundstück in guter Lage um zehn Prozent, von 70 auf 63 Euro.

Großes OZ-Thema „Wohnen in MV“

Preisexplosion bei Grundstücken in MV:
So teuer ist Bauland an der Ostsee
Kommentar zu Grundstückspreisen:
Künstlich befeuerter Bauboom in MV ist gefährlich
Traum vom eigenen Haus:
Darum hinkt Mecklenburg-Vorpommern hinterher

Außergewöhnliches Zuhause bei Schwerin:
Leben wie die Engels im Traumschloss

Traumhaft wohnen auf Rügen:
Leben im Koloss von Prora

Kommentar:
Der Staat als Preistreiber

Mehr über den Autor:
Gerald Kleine Wördemann

Von Gerald Kleine Wördemann

Wo schmeckt es am besten? Ab sofort können Sie als Leser Ihren liebsten Dönerladen in MV zur Wahl vorschlagen. In einer Online-Abstimmung werden wir zunächst den Lokalsieger ermitteln – und schließlich den beliebtesten Dönerladen in MV küren.

21.08.2019

Unbekannte haben in Güstrow einen Geldautomaten gesprengt. Die Polizei sucht zwei Verdächtige.

21.08.2019

Zwei Stunden wurde ein Mann in einer Gartenlaube in Lalendorf gequält und gedemütigt. Unter anderem musste das Opfer nackt Holz hacken. Dafür verurteilte das Landgericht Rostock die zwei Täter zu Gefängnisstrafen.

21.08.2019