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Güstrow Weltraumbahnhof Rostock: Konkretes schon bis Dezember?
Mecklenburg Güstrow Weltraumbahnhof Rostock: Konkretes schon bis Dezember?
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17:22 22.10.2019
Von Rostock-Laage sollen bald nicht nur Flugzeuge abheben: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) macht sich für einen eigenen deutschen Raumfahrt-Bahnhof stark (Foto-Montage). Quelle: Arno Zill
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Rostock/Laage

Als Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) im März ankündigte, ganz hoch hinaus zu wollen, wurde er selbst von Unternehmern belächelt. Doch nun nehmen die Pläne für einen Weltraumbahnhof in MV plötzlich Fahrt auf – weil sowohl die Bundesregierung als auch der einflussreiche Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) einen eigenen, deutschen Startplatz ins All wollen. Die besten Chancen, das neue Tor zu den Sternen zu werden, haben laut Experten die Flughäfen Rostock-Laage und Nordholz in Niedersachsen.

Am Freitag war der BDI – Vertreter für 100 000 Unternehmen mit fast acht Millionen Beschäftigten – in die Weltraum-Offensive gegangen: Beim ersten Weltraum-Gipfel des Verbandes in Berlin hatte BDI-Präsident Dieter Kempf mehr Geld für die Raumfahrt und einen eigenen deutschen Weltraumbahnhof für kleine Raketen gefordert.

Mehr zum Thema: Altmaier will Idee eines deutschen Weltraumbahnhofs prüfen

„Bereits heute verfügt die deutsche Industrie über eine weltweit einmalige Kernkompetenz in der Raumfahrt“, so Kempf. So seien deutsche Unternehmen federführend am Bau des neuen amerikanischen Mond-Raumschiffs „Orion“ beteiligt. Doch der Staat gebe zu wenig Geld für die Zukunftsbranche aus: Frankreich investiert 700 Millionen Euro pro Jahr in die Raumfahrt, Deutschland nicht mal 300 Millionen Euro.

Neue Technologien würden in den kommenden Jahren das All erobern und das Leben auf der Erde verbessern: Schon heute könnten Landwirte aus dem Weltall das Wachstum auf ihren Feldern beobachten, Unternehmen können mit Kleinstsatelliten ihre Infrastruktur überwachen. BDI-Chef Kempf: „Raumfahrt ist für Deutschland und seine Industrie im digitalen Zeitalter von zentraler Bedeutung.“

Deutschland braucht eigenen Startplatz

Um im Wettbewerb um das All nicht den Anschluss zu verlieren, brauche Deutschland einen eigenen „Micro-Space-Port“, so Kempf – einen Weltraumbahnhof für kleine Raketen, die bis zu 150 Kilo Nutzlast in die Umlaufbahn transportieren können. Andere europäische Länder würden daran längst arbeiten: Das Vereinigte Königreich plane etwa in Schottland einen Startplatz, auch Portugal und Italien hätten – so der BDI in einem Positionspapier – bereits konkrete Pläne.

Land arbeitet an Plänen für Laage

Die Schweriner Landesregierung hat die Zeichen der Zeit bereits im Frühjahr erkannt – und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, ob Rostock-Laage als deutscher Weltraumbahnhof infrage komme. Im Frühjahr 2020 soll sie vorliegen. Für Laage spreche unter anderem die vergleichsweise dünne Besiedlung im Nordosten.

„Abseits des traditionellen Raumfahrtsektors entwickelt sich ein Markt für Satelliten- und Raketentechnik – insbesondere innovative Trägersysteme und Kleinsatelliten, für deren Transport in den Weltraum flexibel und individuell verfügbare Start- und Landemöglichkeiten erforderlich sind. Der Flughafen Rostock-Laage könnte für dieses Geschäftsfeld ein Standort sein“, so der zuständige Verkehrsminister Christian Pegel (SPD).

Lange Tradition der Luft- und Raumfahrt in MV

Auch sein Kabinettskollege, Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), will ins All: „Der Zugang zum Weltraum ist ein strategisches Thema. Ohne entsprechende Technologie für das All könnten die Europäer beispielsweise weder Beobachtungs- noch zivile Wetter- und Kommunikationssatelliten in eine Umlaufbahn befördern.“

MV verfüge über eine lange Tradition in der Luft- und Raumfahrt – angefangen beim Luftfahrtpionier Otto Lilienthal bis hin zum Bau des ersten Düsenflugzeugs der Welt im Jahr 1939 in Rostock. Landesweit seien 30 Unternehmen mit 800 Beschäftigten in der Branche aktiv. Aus MV stammen Brandgassensoren und Spezialschläuche für moderne Airbus-Flugzeuge, aber auch Vorrichtungen für den Bau der europäischen Trägerrakete Ariane 6, die bei RST System-Technik in Rostock gebaut werden.–

Konkretes bis Dezember?

Auch Flughafen-Chefin Dörthe Hausmann steht hinter der Idee, in Laage künftig nicht nur Flugzeuge und Hubschrauber abheben zu lassen: „In den kommenden Wochen stehen zu diesem Thema einige sehr spannende Gespräche an. Bis Dezember könnten wir schon konkrete Ergebnisse haben“, sagt sie am Dienstag der OZ. Ob sie sich mit Unternehmen, möglichen Investoren oder Forschern treffen wird – das ließ Hausmann offen.

Weder der BDI noch die Bundesregierung wollen sich bisher aber auf einen Standort für einen deutschen Weltraum-Bahnhof festlegen: „Wir prüfen die Vorschläge, die uns erreichen“, sagt etwa eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin. Die Bundesregierung arbeite aktuell an einem neuen Raumfahrtgesetz. Das soll unter anderem regeln, wer haftet, wenn eine Rakete es mal nicht bis in All schafft.

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