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Mecklenburg In Heringsdorf ist „Das Schloss“ von Franz Kafka zu sehen
Mecklenburg In Heringsdorf ist „Das Schloss“ von Franz Kafka zu sehen
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„Das Schloss“ nach Franz Kafka von der Vorpommerschen Landesbühne, zu sehen im Chapeau Rouge in Heringsdorf.  Quelle: René Lembke
Heringsdorf

„Das Schloss“, das 1926 veröffentlichte Romanfragment von Franz Kafka (1883-1924), hat bereits zu zahlreichen Deutungen eingeladen. Nun ist dieser Stoff in Heringsdorf als eine Bühnenfassung zu sehen. In einer neuen Inszenierung hatte das Stück am Samstag im Theaterzelt Chapeau Rouge Premiere. Es ist eine Inszenierung der Vorpommerschen Landesbühne, Regie führte Svenja Krumscheidt.

Auch hier ist es der Landvermesser K. (Katha Hoffmann), der in ein fremdes Dorf kommt und dort nicht nur mit einer starken Ablehnung konfrontiert wird, auch mit einem fremden Milieu. Das Dorf ist dem Schloss vorgelagert, zu dem der Landvermesser aber nicht vorzudringen vermag. Stattdessen verstrickt er sich im Dickicht einer Bürokratie, die nicht nur seine Existenzberechtigung in Frage stellt, sondern rätselhaft und bedrohlich wirkt, dabei aber omnipräsent bleibt. Der bürokritische Apparat arbeitet zwar widersprüchlich, lässt aber keinerlei Widerspruch zu. Und nur schwer lässt sich mit den Mächtigen in Kontakt treten, nur mit einigen Ausführenden. Auch für den Landvermesser K. ist das so. Schauplatz ist das Dorf und der dazugehörige Gasthof, das Schloss bleibt dabei bedrohlich im Hintergrund. Dennoch kreuzen zahlreiche Figuren seinen Weg, die auch die Bühne in dieser Inszenierung bevölkern.

Ein schwieriger Stoff für die Bühne

Die Umsetzung dieses Stoffes für die Bühne ist kein einfaches Unterfangen, bereits in der gedruckten Form ist die Rezeption nicht einfach. Selbst der Autor hatte seine Schwierigkeiten mit dem Werk. Einiges hatte Franz Kafka während des Schreibprozesses wieder verworfen oder nicht zu Ende geführt. Schließlich war dieses fragmentarisch gebliebene Werk gegen den Willen der Schriftsteller nach seinem Tode veröffentlicht worden. Eine Adaption für die Bühne, die über eine reine Lesung hinausgeht, ist immer ein gewagtes Unternehmen. Denn die Literatur, grade in Franz Kafkas fein ziselierter Sprache, entfaltet eine ganz andere Wirkung eine reine Dialogfassung, die dahinter zurücktreten muss. Und vieles ist ohne eine tiefere Kenntnis des Stoffes schwer zu entschlüsseln.

Ein Projekt des dritten Ausbildungsjahres der Theaterakademie Vorpommern

Die Darsteller der Vorpommerschen Landesbühne haben dieses Stück nicht nur für die Zuschauer inszeniert, sondern auch für sich. Denn die Inszenierung ein Projekt des dritten Ausbildungsjahres der Theaterakademie Vorpommern, in dieser Funktion auch eine Art Leistungsschau. Die Darsteller, vielleicht inspiriert durch die das zirkusartige Ambiente des Chapeau Rouge, bieten das Stück einer ziemlich schrillen Version dar. Dabei wirkt die halbrunde Bühne wie ein Panorama, hier zu wie einer Revue gestaltet. Dabei wird immer wieder auch auf optische Überraschungen gesetzt – wie etwa eine Windmaschine, die geschredderte Papierflocken über die Bühne pustet. Aus dem klaustrophobischen Stoff wird etwas anderes. Die Darsteller setzen oft auf Situationskomik oder auch auf eine dazugehörige Tragik. Dabei wechseln die Personen, die die Hauptfigur umkreisen. Problematisch ist K.s Verhältnis nicht nur zur Obrigkeit, auch zu den beiden Gehilfen Artur (Gloria Giorgini) und Jeremias (Gregor Imkamp). Und natürlich auch K.s Beziehungen zu Frauen - in erster Linie zu Frieda (Erik Gätjen) - werden hier wortreich verarbeitet.

Mit Zügen einer Burleske

Franz Kafka, der als studierter Jurist auch mit den sprachlichen Codes der Mächtigen vertraut war, hat mit diesem Text dem Rätselhaft-Bedrohlichen eine Form gegeben. Die Stellung seiner Hauptfigur gegenüber einer anonymen Macht und ihren schwer fassbaren Vertretern ist von Hilflosigkeit, Furcht und Unterwerfung geprägt. Hier ist das System eines Obrigkeitsstaats angelegt. Was also bei Franz Kafka rein über die Sprache vermittelt wird, wurde in dieser Inszenierung schauspielerisch umgesetzt. Doch was Kafka einst im stillen Kämmerlein zu Papier gebracht hat, ist dabei als schrilles Theaterstück auch mit Zügen einer Burleske auf die Bühne gebracht worden. Die Darsteller gehen dabei bis an ihre Grenzen und testen die Möglichkeiten des Stücks aus. Die Klaustrophobische und Bedrohliche, das in vielen Werken Kafkas eine Rolle spielt, wird hier zu einer teilweise grotesk anmutenden Szenenabfolge umgedeutet.

Thorsten Czarkowski

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