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Mecklenburg Crashtest für Silikonbrüste
Mecklenburg Crashtest für Silikonbrüste
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19:00 15.11.2018
Firmengründer Daniel Klüß (41) prüft, wie belastbar Brustimplantate sind. Quelle: Fotos: Dietmar Lilienthal/privat
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Rostock

Mit dem Gewicht eines Durchschnittsmannes quetscht ein Metallstempel die Silikonbrust platt. Im Sekundentakt wird aus dem handtellergroßen Kissen ein flacher Fladen mit Bratpfannenformat – immer wieder, ohne Pause, 26 Tage lang. Die Dauer-Drückerei findet in einem Labor in der Rostocker Südstadt statt. Hier prüfen Maschinen Brustimplantate, mit denen ein US-Hersteller Schönheitsdoktoren und deren Kundinnen beglücken möchte: Die Innoproof GmbH hat sich auf Belastungstest für mechanisch beanspruchte Medizinprodukte spezialisiert. Kniegelenke, Hüftprothesen und Zahnimplantate müssen hier beweisen, dass sie dauerhaften Reizen standhalten können. Mit dieser Dienstleistung sind die Firmengründer, Carmen Zietz (37) und Daniel Klüß (41), in aller Welt gefragt: Aus Fernost und Lateinamerika schicken Hersteller ihre Produkte zum Crashtest an die Warnow.

„Das hier ist für einen Kunden aus der Schweiz“, sagt Daniel Klüß und deutet auf einen Glaszylinder. Darin jackelt ein Robotergreifer rhythmisch an einem Stiftzahn umher. „Damit simulieren wir das Zubeißen“, erklärt Klüß. Die Wackelei findet in 37 Grad warmer Salzlösung statt. „Ein Milieu wie im Mund“, sagt Klüß. Ein Zähler am Prüfstand zeigt 1,7 Millionen an. So oft hat die Maschine das Implantat schon hin- und herbewegt. Bricht der Metallstift auch beim zweimillionsten Mal nicht durch, gilt der Test als bestanden. Die Prüfung von Zahn- und Brustimplantaten sind die Bestseller von Innoproof. „Dabei haben wir damals gedacht, wir machen hauptsächlich Hüft- und Kniegelenke“, erinnert sich Klüß und lacht.

Für Hersteller aus aller Welt testet das Rostocker Unternehmen Innoproof Implantate und OP-Bestecke.

Damals, das war 2015, dem Geburtsjahr von Innoproof. Die Firma haben Daniel Klüß und Carmen Zietz aus dem Forschungslabor für Biomechanik und Implantattechnologie der Orthopädischen Uniklinik Rostock heraus gegründet. Als dort tätige Wissenschaftler bekamen sie häufig Anfragen seitens der Industrie, ob sie nicht deren Implantate prüfen könnten, bevor die in die Serienproduktion gehen. „Das ist Fließbandarbeit. Mit kommerziellen Hüfttests gewinnt man keinen Nobelpreis“, erklärt Klüß. Aber gute Geschäfte, die lassen sich damit machen. Daniel Klüß und Carmen Zietz erkennen das und gründen Innoproof. „Am Anfang hatten wir weder Maschinen noch Räume.“ Die Zeiten sind vorbei. Aus der Idee ist binnen drei Jahren ein fünfköpfiges Team und ein 430 Quadratmeter großes Labor samt Maschinenpark geworden. Eine Million Euro sind bereits ins Unternehmen geflossen, teils gefördert vom Land. Die nächste Finanzspritze ist schon in Schwerin beantragt, denn Innoproof hat sechs neue Prüfstände bestellt. Kostenpunkt: insgesamt 600000 Euro.

Beim Wachstum hilft den Testern ihre Nähe zur Uni. So wird ein Student als Praxisteil seiner Abschlussarbeit für Innoproof einen Fallsimulator bauen. Der lässt dann aus zwei Metern Höhe Gewichte auf Brustimplantate knallen. Überleben diese das, braucht sich ihre spätere Trägerin keine Sorgen zu machen, dass die Silikonkissen platzen könnten, wenn bei einem Auffahrunfall der Anschnallgurt drauf drückt.

Bislang verschlangen solche Anschaffungen alle Erlöse. Doch dieses Jahr will Innoproof nicht nur 350000 Euro Umsatz erwirtschaften, sondern erstmals schwarze Zahlen schreiben. Carmen Zietz und Daniel Klüß rechnen mit 20000 Euro Gewinn. Optimistisch, dass die Firma künftig noch viel mehr abwirft, stimmt die wachsende Zahl der Auftraggeber. „Die Nachfrage steigt, international“, sagt Klüß. Langfristig soll, so wünscht es sich der Gründer, das Labor ein eigenes Gebäude beziehen und der Personalstamm auf 15 Mitarbeiter anwachsen.

Zu prüfen gibt es für die Rostocker jetzt schon reichlich. Das zeigt ein Blick in eine Glasvitrine auf dem Firmenflur, in der so manches Schmuckstück liegt. Neben Knochennägeln und Titanstiften glänzen Kugelgelenke um die Wette. „Die Inder fahren total auf goldene Implantate ab“, erklärt Daniel Klüß und lacht. Der Prothesen-Tester und sein Team erhoffen sich, dass die Zukunft von Innoproof ebenso golden ist.

Antje Bernstein

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