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Mecklenburg So kämpft Mecklenburg gegen Starkregen, Hochwasser und Sturmfluten
Mecklenburg So kämpft Mecklenburg gegen Starkregen, Hochwasser und Sturmfluten
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18:00 22.08.2019
„Jahrhundert-Hochwasser“ im Jahr 2011: Dauerhaft starke Regenfälle hatten die Conventer Niederung überflutet. Quelle: Manfred Sander
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Bad Doberan

Der Markt in Bad Doberan überflutet, 80 Keller mit Wasser vollgelaufen – das Unwetter am 31. Juli hat die Münsterstadt unter Wasser gesetzt. Nicht zum ersten Mal kämpfen Menschen in der Region gegen Wassermassen. 2011 war die Conventer Niederung vom Hochwasser betroffen, Anfang Januar 2019 stand der Wismarer Hafen unter Wasser. Wasserverbände und Kommunen handeln.

Aktuell finden beispielsweise für Neubukow Hochwasserschutz-Untersuchungen statt, informiert Marco Schreiber, Chef des Wasser- und Bodenverbandes „Hellbach – Conventer Niederung“, der die Gewässer zweiter Ordnung von Neubukow bis westlich von Rostock unterhält. „Wenn die Ergebnisse vorliegen, sollen daraus einerseits Hochwasserschutzmaßnahmen abgeleitet werden, andererseits werden wir dann auch gegebenenfalls die Hinweise für die Gewässerunterhaltung in unsere Arbeit integrieren.“

Bad Doberan am 31. Juli: Starkregen überspült die Kreuzung Kröpeliner und Bahnhofsstraße. Quelle: Michaela Krohn

Frank Lehmann, Geschäftsführer des Zweckverbands Kühlung, der unter anderem für die Niederschlagswasserkanäle zuständig ist, kritisiert, dass nur Gewässer zweiter Ordnung betrachtet werden, denn das würde vom Land gefördert. Er plädiert für eine gesamtheitliche Betrachtung der Wasserwirtschaft. „Wir wollen auch unser System untersuchen und haben ein Angebot eingeholt“, sagt Lehmann. 50 000 Euro müsste der ZVK für die Untersuchungen zahlen.

Wasser wird über Grabensystem abgeleitet

Für Kühlungsborn gibt es laut Lehmann einen Generalentwässerungsplan, wo das Wasser über ein Grabensystem so abgeleitet werden soll, dass es gar nicht erst in die Stadt gelange. Der Plan würde gerade umsetzt. In Bad Doberan wurde jetzt ein Hochwasserschutzkonzept für die Gewässer zweiter Ordnung fertiggestellt. Bald soll mit allen Akteuren zum Hochwasserschutz beraten werden.

Doch auch die Jahre zuvor ist schon viel in die Region investiert worden. „Der größte Komplex an Hochwasserschutzmaßnahmen wurde in der Conventer Niederung realisiert“, sagt Marco Schreiber. Nach dem Hochwasser 2011 war ein Konzept erarbeitet worden – neun Maßnahmen in Börgerende, Rethwisch und Doberan wurden umgesetzt.

Der Durchlass im Rethwischer Kiebitzweg wurde deutlich vergrößert. Quelle: Lennart Plottke

So wurde 2018 beispielsweise im Kiebitzweg in Rethwisch ein zu kleiner Durchlass zu einem Brückenbauwerk umgestaltet. „Hochwasserschutzmaßnahmen sind in der Regel so aufwendig, dass sie nur als Fördermaßnahmen umgesetzt werden können“, erklärt Schreiber. „Das bedeutet, dass wir als Verband Fördermittel von Bund, Land und EU einwerben und der verbleibende Eigenanteil dann von den jeweiligen Gemeinden aufgebracht wird.“

Rotbäk kann jetzt große Wassermassen aufnehmen

2013 wurde die Rotbäk in Lambrechtshagen renaturiert, die bei Starkregen regelmäßig überfordert war und jetzt große Wassermengen aufnehmen kann. Aktuell finden dafür weitere Bauarbeiten statt, denn es muss noch eine Engstelle zwischen bebauten Grundstücken und einer Kleingartenanlage überwunden werden. „Die Gemeinde hat Flächen gekauft, einige Gärten zurückgebaut und so den Platz geschaffen, den Gewässerlauf tieferzulegen und das Abflussprofil zu vergrößern“, sagt Schreiber.

Neben Lambrechtshagen hat auch Kröpelin ein Hochwasserschutzkonzept erarbeitet. Ein Vorhaben geht dieses Jahr noch los: die Erneuerung des Stadtbaches an der Bützower Straße. Dazu gehört auch ein neuer Durchlass unter der Straße.

Wismar mit höchstem Wasserpegel in MV

Die vergangenen beiden Hochwasser in Wismar haben viele Hansestädter noch vor Augen. Sorgenvoll verfolgten viele von ihnen die Entwicklung im Hafen und in Teilen der Altstadt, als der Pegel so hoch über Normalnull stieg wie in keiner anderen Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Tausende Sandsäcke wurden damals von Feuerwehrleuten in der Altstadt vor Hauseingänge, Fenster und an Straßen gestapelt.

Bei der Sturmflut am 2. Januar 2019 blieb ein Polizeiauto im Hochwasser stecken. Quelle: Heiko Hoffmann

„Für die Hansestadt Wismar besteht ein enormes Hochwasserrisiko mit einem sehr hohen Schadenspotenzial“, so steht es auch in einem Projektantrag, den das Institut für Wasserbau der Hochschule Bremen beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gestellt hat. Für Wismar befürchtet die Hochschule, dass sich künftige Sturmfluten auch auf die Wirtschaft am Hafen auswirken könnten – auf die Werft, den Seehafen, die Holz-Unternehmen. Und weiter heißt es: „Durch die Lage an der Wismarbucht mit der Kombination Schwingungs-, Wind- und Buchtenstau zählen die in Wismar zu erwartenden Sturmflutwasserstände zu den höchsten an der deutschen Ostseeküste“. Angekündigt wurde das Projekt, das über drei Jahre laufen soll, zu Beginn des Jahres. Im Frühjahr ist es angelaufen.

Insel Poel ergreift selbst Schutzmaßnahmen

Auch die Insel Poel trug vor einem halben Jahr große Schäden durch die Sturmflut davon. Erhebliche Abbrüche von bis zu zehn Metern gab es zum Beispiel an der Steilküste zwischen den Orten Gollwitz und Schwarzer Busch. Zur Diskussion stand danach, ob der Küstenwanderweg mehr ins Inselinnere verlegt werden sollte. Inselbürgermeisterin Gabriele Richter erklärt nun aber: „Wir haben selbst Schutzmaßnahmen ergriffen, einige Bäume und Baumstümpfe wurden entfernt.“

Der Hafen in Kirchdorf auf der Insel Poel ist noch einen Tag nach dem Hochwasser vom 2. Januar überspült. Quelle: Michaela Krohn

Spaziergänger und Radfahrer könnten den Weg nun ungehindert nutzen.Weitere Schutzmaßnahmen seien allerdings nicht geplant. „Wir bekommen nichts gefördert“, so Gabriele Richter. Für Reparaturmaßnahmen – unter anderem im Hafen Timmendorf – sei die Insel selbst verantwortlich. „Unsere Aufgabe ist es, den Hafen verkehrssicher zu machen.“ Die Insulaner können derweil nur hoffen, dass die nächste Sturmflut nicht zu sehr an Poels Küste nagt.

Natürliche Hindernisse in Nordwestmecklenburg

Die Küsten im Landkreis Nordwestmecklenburg sind gut mit Dünen und Deichen geschützt. Zudem gibt es mit Steilküsten und Flachwassergebieten wie der Wohlenbeger Wiek natürliche Hindernisse für die Wassermassen der Ostsee. Am 2. Januar waren die Wellen zuletzt auch auf Straßen im Ostseebad Boltenhagen und in Wohlenberg geschwappt. Vor allem die Bauhöfe waren danach damit beschäftigt, angeschwemmten Schlamm und Holz wegzuräumen. Aufgrund der Wettervorhersagen hatten sich die Feuerwehren auf diesen Einsatz eingestellt und die Flut erwartet.

So wurden im Januar in Boltenhagen mit dem Bauhof Sandsäcke in einem kleinen Bereich gestapelt, um das Wasser zu stoppen. An die letzte schwere Sturmflut von 1872, bei der viele Häuser in Boltenhagen zerstört wurden, erinnert noch ein Gedenkstein an der Kirche im Ort. Für die Zukunft soll Boltenhagen noch besser gegen Hochwasser der Ostsee geschützt werden. Mit dem geplanten Bau einer Dünenpromenade wird die Düne selbst auf eine Höhe von 4,50 Meter aufgeschüttet.

Im Ostseebad Boltenhagen stürmte es am 2. Januar 2019, der Strand war in großen Teilen überflutet. Die Feuerwehr sicherte Grundstücke am Dünenweg mit Sandsäcken. Quelle: Malte Behnk

Seit 2002 hat auch die Stadt Dassow einen eigenen Deich, der vor dem Wasser des Dassower Sees schützt. Er liegt kurz vor der Mündung der Trave in die Ostsee. Das Hochwasserschutzbauwerk musste 2013 und 2014 erhöht werden, weil es auf moorigem Untergrund abgesackt war. In Küstenbereichen mit Steilküste zeigten sich Schäden durch das viele Wasser erst einige Zeit nach den Januarstürmen. So hatten sich am Klütz Höved bei Redewisch Risse gebildet und es kam zu Abrutschungen. Spaziergänger werden immer wieder vor diesen Gefahren gewarnt.

Auch die Hansestadt Rostock sorgt vor

Küstenschutzmaßnahmen gibt es auch rund um Rostock: So wird derzeit der Sturmflutschutz am südlichen Alten Strom in Warnemünde erneuert, zwischen Rostocker Heide und Graal-Müritz werden Buhnen gebaut. Die Arbeiten ziehen sich bis ins kommende Jahr. Für 2020 plant das zuständige Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg, den Sturmflutschutz am Bahnhof Warnemünde zu verbessern, informiert Amtsleiterin Ines Liefke. So soll die Rückwand des Bahnsteiges fünf künftig als Hochwasserschutzmauer dienen. Zudem sind im kommenden Jahr Aufspülungen zwischen Graal-Müritz und Neuhaus geplant.

War schon oft komplett überflutet: der Gerberbruch in Rostock. Quelle: Claudia Labude-Gericke

Darüber hinaus wappnet sich Rostock gegen Starkregen. Dazu soll die Hansestadt langfristig zu einer sogenannten Schwammstadt umgebaut werden. Kernpunkt des sogenannten integrierten Entwässerungskonzeptes: Sowohl neue als auch bestehende Stadtgebiete sollen künftig die natürlichen Zu- und Abflüsse sowie Bäche so berücksichtigen, so dass Überflutungen wie zum Beispiel im Sommer 2011 verhindert werden können.

Damals wurden Teile von Evershagen Dorf überschwemmt, zudem Abschnitte der L22 und weitere Straßen. Die ersten Maßnahmen des auf Jahrzehnte angelegten Entwässerungskonzeptes sind bereits sichtbar. Zwischen Sievershagen und Evershagen wurde ein Zufluss zum Schmarler Bach so erweitert, dass umliegende Wohngebiete bei Starkregen nicht überflutet werden. Bis 2025 sollen auch andere neuralgische Punkte wie die Straße am Strande und die S-Bahn-Station Parkstraße sicherer gemacht werden.

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Von Anja Levien, Michaela Krohn, Malte Behnk, Thomas Luczak

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