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Mittleres Mecklenburg Bundespräsident Steinmeier besucht JVA Neustrelitz: „Strafe allein ändert nichts“
Mecklenburg Mittleres Mecklenburg Bundespräsident Steinmeier besucht JVA Neustrelitz: „Strafe allein ändert nichts“
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16:01 22.08.2019
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r) besucht in Begleitung seiner Ehefrau Elke Büdenbender die Malerwerkstatt der Justizvollzugsanstalt Neustrelitz. Quelle: dpa-Zentralbild
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Neustrelitz

Wären nicht die sechs Meter hohe Grundstücksmauer mit den Stacheldrahtschlingen auf der Krone und die Gitter vor den Fenstern der zweistöckigen Wohnhäuser – man könnte das Gelände der Justizvollzugsanstalt Neustrelitz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) für ein Schullandheim halten.

Eine verglaste Mensa, Hallen für die Berufsausbildung, ein Gewächshaus mit Tomaten, ein Gemüsegarten, Blumenbeete und Teiche finden sich auf dem 16 Hektar großen Gelände im Wald. Es gibt eine Tierfarm, einen Fußballplatz, eine Sporthalle und sogar einen kleinen Weinberg, aus dessen Trauben „Halbtrockener Regent“ und „Strelitzer Hügeltropfen“ gekeltert werden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die JVA, in der jugendliche und junge erwachsene Straftäter bis zum Alter von 30 Jahren untergebracht sind, am Donnerstag besucht und sie als eine Anstalt mit Vorbildcharakter in Deutschland gelobt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die JVA Neustrelitz besucht.

Mehr als 50.000 Strafgefangene in Deutschland

Von den bundesweit mehr als 50.000 Strafgefangenen dürften in der Tat die wenigsten ein so angenehmes Umfeld für die Verbüßung ihrer Haftstrafe vorfinden wie die derzeit rund 185 Insassen der JVA Neustrelitz. Für sie stehen 128 Mitarbeiter bereit, denn die Strafe soll von Bildung und Ausbildung begleitet sein – in der Hoffnung auf ein straffreies Leben nach der Entlassung.

So dient die Kaninchenzucht – die JVA hat in den vergangenen vier Jahren den Europameister in der Rasse „Helle Großsilber“ hervorgebracht und viele weitere Preise eingeheimst – in erster Linie sozialtherapeutischen Zwecken. „Wenn so ein Zwei-Meter-Hüne ein Kaninchen auf den Arm nimmt und streichelt, das macht was mit dem“, sagt der stellvertretende Abteilungsleiter für den Strafvollzug im Schweriner Justizministerium, Stephan Hagemann.

Reiter-Pass im Gefängnis

Die Gefangenen züchten Ziegen, Schafe, Schweine. Auf zwei Haflinger-Pferden können sie reiten lernen. „Man kann hier den Reiter-Pass erwerben“, sagt der zuständige Mitarbeiter. Muss das sein? „Das ist eine gute Voraussetzung, nach der Haft auf einem der vielen Pferdehöfe im Land anzufangen.“ Auch Hagemann verteidigt die Angebote und damit verbundenen Ausgaben. „Jeder Euro, der in die Chance investiert wird, Strafgefangene auf den richtigen Weg zu bringen, ist gut investiert.“ Er schätzt die Rückfallquote der Insassen im Jugendstrafvollzug auf etwa 25 Prozent. Das hieße, drei Viertel schaffen es draußen.

Steinmeier sieht das ähnlich. „Eine Justizvollzugsanstalt ist vielleicht kein ganz gewöhnlicher Ort für den Besuch eines Bundespräsidenten“, sagte er. „Aber Straftaten, Straftäter, Haft und auch die Rückkehr von Menschen nach der Haft in eine Gesellschaft ist Teil einer gesellschaftlichen Realität, die wir nicht ausblenden dürfen.“ Er lobte die engagierte Arbeit der Bediensteten und die umfangreichen Ausbildungsangebote. Den Insassen stehen Ausbildungsmöglichkeiten von Malerhandwerk bis zur Gastronomie offen. Viele absolvieren ein berufsvorbereitendes Jahr, mit dem sie zugleich den Hauptschulabschluss bekommen.

„Strafe allein ändert noch nichts“

„Es wird hier gearbeitet nach dem Erfahrungsgrundsatz, Strafe allein ändert noch nichts, wenn sie nicht begleitet wird mit Angeboten, die auf ein Leben nach der Haft vorbereiten“, würdigte Steinmeier. Die JVA bereite die Jugendlichen außerdem schon weit vor dem absehbaren Entlassungstermin auf die Freiheit vor: In welches soziale Umfeld gehen sie? Gibt es berufliche Entwicklungsmöglichkeiten? Gibt es Wohnmöglichkeiten? Und dann rückt er noch den Schullandheim-Eindruck ein bisschen gerade: „Wir wissen, es ist für viele Gefangene, mit denen wir gesprochen haben, eine ganz harte Arbeit an sich selbst, die sie hier verrichten müssen in Vorbereitung darauf, wieder in die Gesellschaft zurückzukehren und dort straffrei zu leben.“

 

Mecklenburg-Vorpommerns Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) setzt hinzu, die jungen Leute sollten ihr Leben nach der Haft selbst in die Hand nehmen können. „Das ist zwar nicht immer einfach, aber niemals hoffnungslos.“

Von dpa/RND

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