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Mittleres Mecklenburg „Fusion“ wehrt sich gegen mobile Polizeiwache: So machen es andere Festivals
Mecklenburg Mittleres Mecklenburg „Fusion“ wehrt sich gegen mobile Polizeiwache: So machen es andere Festivals
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12:34 08.05.2019
Die Fusion ist ein beliebtes Open-Air-Festival in Lärz. Quelle: Arno Zill
Lärz/Rostock

Die Fusion-Veranstalter liegen im Clinch mit der Polizei. Grund: Der Polizeipräsident von Neubrandenburg will in diesem Jahr erstmals eine mobile Wache auf dem Festivalgelände installieren und die Veranstaltung durch Beamte bestreifen lassen.

Die Veranstalter vom Verein Kulturkosmos Müritz sagen aber: „Das wäre dann nicht mehr unser Festival“. Die Zukunft der Fusion, zu der jährlich rund 70 000 Besucher kommen, stehe auf dem Spiel. Der Verein verweist auf die Freiheit der Kunst und „auf mehr als 20 Jahre ohne nennenswerte Zwischenfälle“. Am Mittwoch wollen die Veranstalter eine Pressekonferenz zu dem Thema geben. Bereits am Dienstag kam eine Debatte um Anzeigen wegen Vergewaltigungen auf dem Festival auf.

Mobile Wachen auch auf anderen großen Festivals

Musik- und Kulturfestivals erfreuen sich bundesweit großer Beliebtheit. Wie halten es andere Festivalbetreiber? In MV gibt es neben dem alternativen Fusion-Festival auch das äußerst beliebte Elektrofestival „Airbeat One“ in Neustadt-Glewe, das in diesem Jahr mit rund 60 000 Besucher täglich rechnet – das wäre neuer Rekord.

„Dort sind wir seit Jahren mit einer mobilen Wache im Einsatz und das sehr erfolgreich. Im Verhältnis zur Besucherzahl haben wir hier sehr wenige Delikte“, sagt Klaus Wiechmann, Sprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust. Es werde gefeiert und es sei ein gutes Miteinander.

Bei den Kontrollen seien im vergangenen Jahr 34 Verstöße wegen Fahrens unter Betäubungsmitteln, elf Körperverletzungen, sieben Sachbeschädigungen und 22 Diebstähle festgestellt worden. Das sei ein niedriger Prozentsatz, so Wiechmann. „Auf den Goa-Festivals in der Region, die deutlich kleiner sind, haben wir viel mehr Verstöße.“

Auch Oliver Franke, Pressesprecher vom „Airbeat One“, sagt: „Die Zusammenarbeit funktioniert seit Jahren sehr gut. Wir können überhaupt nichts Negatives berichten. Wir haben auch keine Beschwerden der Besucher zur Polizeipräsenz.“

Hurricane: Delikte gehen seit Jahren zurück

Ähnlich ist es im Nachbarbundesland Niedersachsen. Dort lockt in Scheeßel seit Jahren eines der bekanntesten Musikfestivals bundesweit, das „Hurricane“, bis zu 80 000 Besucher an. Heiner van der Werp, Sprecher der Polizei in Rothenburg, reagierte etwas verwundert auf die Nachfrage, ob es dort eine mobile Polizeiwache auf dem Gelände gibt. „Ja klar, seit vielen Jahren schon. Wir sind an den vier Tagen auf und um das Gelände herum, wenn man alles zusammenrechnet, mit insgesamt 400 Beamten im Einsatz. Das funktioniert sehr gut, auch mit den Besuchern. Es passiert wenig“, sagt van der Werp. Mobile Wachen seien Standard. Die Gäste können dort auch Anzeigen, beispielsweise wegen Diebstahls, gleich bei den Beamten aufgeben.

Im Jahr 2017 habe es insgesamt 158 Straftaten gegeben (2013 waren es noch 348). Von den 158 Vorfällen seien etwa 44 Prozent aufgeklärt worden. Bei dem überwiegenden Anteil handele es sich um Diebstähle – 92 an der Zahl. 16 Mal gab es Anzeigen wegen Körperverletzung. Rauschgiftdelikte waren mit fünf Fällen verschwindend gering.

Für zahlreiche Besucher des Musikfestivals in Lärz haben die Polizeikontrollen strafrechtliche Folgen. Die Ordnungshüter haben mehr als 200 Drogendelikte gezählt.

Vor allem Drogendelikte bei Kontrollen

Etwas anders war es 2018 beim „Fusion“-Festival: Im Rahmen des An- und Abreiseverkehrs registrierte die Polizei nach eigenen Angaben vor allem Drogendelikte: 187 Fahrten unter Betäubungsmitteleinfluss, 263 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, 105 Sicherstellungen von Drogen. Einzelne Fälle seien in diesen Zahlen allerdings mitunter mehrfach abgebildet, betont Polizeisprecherin Diana Mehlberg. Hinzu kamen 20 Diebstähle, ein schwerer Diebstahl sowie je ein Raub und eine Sachbeschädigung.

Verein statt Konzertagentur

Der Unterschied zwischen dem alternativen „Fusion“-Festival und anderen großen Musikevents wie dem Hurricane ist die Art der Veranstaltungsorganisation. Anders als die genannten professionellen Konzert- und Eventbetreiber in Scheeßel und Neustadt-Glewe veranstaltet in Lärz ein Verein „das größte Ferienlager der Republik“, wie sie es selbst beschreiben.

Nach eigenen Angaben wirken mehrere Tausend Menschen an der Durchführung des Events mit, größtenteils ehrenamtlich. Es gibt neben Musik einen bunten Mix aus Theater, Performance und Kino bis hin zu Installation, Interaktion und Kommunikation.

Fast 91 000 Fusion-Fans haben derweil eine Internet-Petition gegen eine geplante Polizeiwache auf dem Fusion-Festival in Lärz unterzeichnet. Sie sind „gegen anlasslose Polizeipräsenz auf friedlichen Kulturveranstaltungen“.

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Virginie Wolfram