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Mittleres Mecklenburg „Hirschkühe zusammenhalten“: Thomas Soltwedel bleibt bester Hirschrufer
Mecklenburg Mittleres Mecklenburg „Hirschkühe zusammenhalten“: Thomas Soltwedel bleibt bester Hirschrufer
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09:23 30.09.2019
Thomas Soltwedel aus Dobbin zeigt das Rohr, mit dem er Hirschrufe imitiert. Er gewinnt die 13. Hirschrufmeisterschaft in der Bollewicker Scheune. Quelle: Danny Gohlke/dpa
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Bollewick

Eine Kombination von Wildnis und „The Voice of Germany“ zieht durch die Feldsteinscheune Bollewick an der Mecklenburgischen Seenplatte. Mit langgezogenen röhrenden Rufen imitieren sieben Männer aus Norddeutschland das größte heimische Säugetier - den Rothirsch - und bekommen am Ende viel Applaus. Hinter einer Leichtbauwand sitzen am Sonntag fünf Punktrichter und dürfen die Teilnehmer nicht sehen. „Sie sollen die Rufe anonym bewerten“, erklärt Volker Koch vom Jagdverband Müritz, der den größten regionalen Wettbewerb dieser Art in Deutschland organisiert. Das Reglement sei so wie bei der Gesangsshow „The Voice of Germany“.

Anlass für den Wettbewerb ist die jährliche Messe „Jagd, Wald & Wild“, die 2019 rund 2000 Gäste hat. „In diesem Jahr ist das Teilnehmerfeld besonders hochkarätig“, sagt Eckhard Dallmann aus dem wenige Kilometer entfernte Priborn über den Wettstreit. Der Jäger, der schon 50 Jahre den Waidwerk frönt, ist Dauergast in Bollewick und hat seinen kleinen Enkel Artur mit, der aufmerksam zuhört. „Ich habe Hirsche schon oft im Wald gehört“, erzählt der Sechsjährige. Beide drücken Thomas Soltwedel aus dem Landkreis Rostock die Daumen - und werden am Ende auch nicht enttäuscht.

Chancengleichheit wird groß geschrieben

Der 55 Jahre alte Soltwedel, der schon zweimal in Bollewick gewonnen hatte und im Februar in Dortmund auch Deutscher Meister unter den Hirschrufern wurde, setzt sich am Ende wieder durch. Vor dem Sieg sind aber volle Konzentration und vor allem viel Luft gefragt. Die Männer müssen erst einen „jungen suchenden Hirsch“ und einen „alten suchenden Hirsch“ imitieren, erläutert Koch. Damit die Jury nicht merkt, wer gerade in sein Hilfsmittel - einen Hirschrufer, der einer Riesenflöte ähnelt oder ein Kuhhorn - bläst, haben die Starter Nummern und die Reihenfolge wird jedes Mal neu ausgelost.

Schon bei den ersten Rufen liegt Soltwedel vorn, aber dann kommt das Schwierigste. Was „Hirschruf beim Kahlwild“ heißt, ist in der Praxis der Ruf des Männchens, das all seine Hirschkühe zusammenhalten und begatten will, wie Koch erklärt. In der Zeit fresse der Hirsch kaum und muss ständig aufpassen, dass kein Rivale sei Rudel übernimmt. Entsprechend lang wird der Ruf - ein Raunen geht durch den Saal, als Soltwedel fünfmal die 5, also die Höchstpunktzahl, erhält. Aber auch alle anderen bekommen hohe Wertungen.

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Der Titelverteidiger setzt sich durch

Am Ende siegt der Titelverteidiger mit 73 von 75 möglichen Punkten vor Immo Ortlep (64) und Steffen Hüper (58) - beide aus Niedersachsen und auch schon erfahrene „Röhrer“. „Wir freuen uns, dass wir beim ersten Mal in Bollewick unter die besten Drei gekommen sind“, sagen beide. Man treffe sich in Niedersachsen einmal die Woche, am besten im Wald, um dort zu üben. „Jeden Tag mindestens fünf Minuten üben“, nennt Soltwedel sein Rezept. Das sei wie bei den Fußballern: Nur wer ständig und mit voller Inbrunst übt, kann bei den Profis siegen.

„Vor allem in Osteuropa ist das Niveau sehr, sehr hoch“, berichtet Koch. So fehlten Soltwedel bei der letzten Europameisterschaft in Weißrussland zwei Punkte, um in die Endrunde einzuziehen. „Das soll bei den nächsten Europameisterschaften in Polen anders werden“, sagt der norddeutsche Champion.

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Von Winfried Wagner