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Mittleres Mecklenburg Marode Rohre im Boden: Verbände schlagen Alarm
Mecklenburg Mittleres Mecklenburg Marode Rohre im Boden: Verbände schlagen Alarm
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06:23 02.07.2019
Ein Trichter auf einem Acker: marode Rohre im Boden haben die Bodenausspülung verursacht. Quelle: Wasser- und Bodenverband "Hellbach - Conventer Niederung"
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Rostock

Ein riesiger mit Wasser gefüllter Krater auf dem Acker – das könnte künftig keine Seltenheit mehr sein. Grund dafür sind marode Rohrleitungen im Boden. Wird nichts getan, könnten Straßen überflutet werden, stehen Bahngleise unter Wasser. Die Wasser- und Bodenverbände in Mecklenburg-Vorpommern schlagen Alarm. Das Geld für die Reparatur reicht bei Weitem nicht aus.

„Wir haben 2,3 Milliarden Euro Finanzierungsrückstau in Mecklenburg-Vorpommern“, sagt Heike Just, Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes „Untere Warnow-Küste“, in Bezug auf die Rohrleitungen im Boden. „Sie sind in den 70er und 80er Jahren gebaut worden, um großflächige Landwirtschaft zu ermöglichen.“ Ehemals natürliche Gräben wurden verrohrt.

Das Problem: Für die Sanierung wurden keine Rücklagen gebildet. Gehörten die Leitungen früher dem Besitzer des Bodens, hat sich das 2012 geändert. „Mit der Einführung der Doppik mussten die Gemeinden die Leitungen in ihren Haushalt als wirtschaftliches Eigentum mit aufnehmen“, erläutert Heike Just.

7300 Kilometer an Gewässer sind in Mecklenburg-Vorpommern laut Just verrohrt. Würden diese in den kommenden 50 Jahren erneuert, würde sich der Beitrag, den Städte und Gemeinden an die Wasserverbände zahlen, im Jahr verdoppeln bis verdreifachen, kündigt Heike Just an. Denn die Wasser- und Bodenverbände können das Geld alleine nicht aufbringen. Städte und Gemeinden holten sich das von den Grundstückseigentümern wieder. Hier wären vor allem die Landwirte betroffen. „Wir müssen das gemeinsam mit den Gemeinden lösen.“

Künstliche Systeme ermöglichen großflächige Landwirtschaft

Die Wasser- und Bodenverbände hätten jetzt verstärkt auf das Thema hingewiesen. „Das Problem hat nur Mecklenburg-Vorpommern.“ Die Systeme seien künstlich geschaffen worden, so dass frühere Moore und Feuchtwiesen landwirtschaftlich genutzt werden können. Und: Das Niederschlagswasser, das auf versiegelte Flächen wie Straßen oder Wohnbebauung trifft, werde in dieses Gewässersystem abgeleitet. „Das ist ein riesiges Adersystem im Boden.“ Werde nicht gehandelt, „dann würde MV wieder zu 80 Prozent aus Wald und Moor bestehen“.

Allein im Verbandsgebiet „Untere Warnow-Küste“, das von Ribnitz-Damgarten bis Schwaan reicht und die Hansestadt Rostock einschließt, seien 214 Kilometer verrohrt. Das seien 25 Prozent des Gewässersystems.

Im Bereich Gelbensande wurden die Rohrleitungen bereits erneuert. Quelle: Wasser- und Bodenverband „Untere Warnow –Küste“

Bestandsaufnahme bis Ende Juli

Das Land ist informiert. Auf Antrag der Fraktionen CDU und SPD wurde die Landesregierung aufgefordert zu prüfen, wie die Unterstützungsmöglichkeiten für die Sanierung unterirdischer Gewässer ohne Öffnung verbessert werden könne, teilt Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt mit. Dabei soll eine Bestandsaufnahme der Rohrleitungen die Grundlage bilden. Bis zum 31. Juli sollen die Wasser- und Bodenverbände den Zustand der Rohrleitungen sowie den Sanierungs- und Ausbaubedarf melden.

100 000 Euro Mehrkosten durch Reparaturen 2018

Dass die Rohre aus den 60er bis 80er Jahren im Boden ein Problem sind, bestätigt auch Marco Schreiber, Geschäftsführer des Wasser- und BodenverbandesHellbach - Conventer Niederung“. 190 Kilometer Rohre sind in dem Verbandsgebiet zwischen Börgerende und Neubukow betroffen. Das sind knapp 30 Prozent. „Damals wurden Rohre eingesetzt, die nach der Herstellung schon nicht dicht waren“, erläutert Marco Schreiber. Die Rohre hätten keine richtige Verbindung, die sogenannten Rohrstöße, wo eines auf das andere trifft, seien behelfsmäßig mit einer Teerbinde abgedichtet worden. „Die sind verrottet.“ Zum Teil wachsen Wurzeln durch die Rohrstöße.

Bei der Kanalbefahrung mit einer Kamera wurde der Scheitelbruch, eine Verformung, festgestellt. Quelle: Wasser- und Bodenverband „Hellbach –Conventer Niederung“

2018 habe der Verband 100 000 Euro mehr für Rohrreparaturen ausgegeben als geplant war. Aber: Durch die Reparaturen würden die Rohre nicht besser, sie müssten erneuert werden. „Die Notreparaturen können wir aus Mitgliedsbeiträgen bezahlen, aber Erneuerung kostet pro Kilometer eine Viertel- bis halbe Million Euro. Das können wir nicht bezahlen und letztendlich sind die Kommunen damit auch überfordert.“

Städte- und Gemeindetag schlägt Förderprogramm vor

Daher hat der Städte- und Gemeindetag gemeinsam mit den Wasser- und Bodenverbänden sich dem Thema angenommen und „erreicht, dass der Landtag Anfang diesen Jahres sich damit beschäftigt hat“, teilt Arp Fittschen vom Städte- und Gemeindetag mit. „Wir haben vorgeschlagen, für alle tiefer liegenden Rohrleitungen, die nicht wieder geöffnet werden können, ein Förderprogramm aufzulegen, mit dem es gelingen kann, in den nächsten zehn Jahren diese Leitungen nach und nach zu sanieren.“

Das betreffe insbesondere die Leitungen unter bebauten Gebieten. „Für alle übrigen Leitungen kann entweder eine Renaturierung aus den Fördermitteln für die Wasserrahmenrichtlinie erfolgen oder aber die bevorteilten Landeigentümer, hauptsächlich Landwirte, müssen sich an den Kosten beteiligen.“ Der Diskussionsprozess sei angestoßen, das Ergebnis bleibe abzuwarten.

Renaturierung und Hochwasserschutz wird gefördert

Über Renaturierungsmaßnahmen und Hochwasserschutz hat der Wasser- und BodenverbandHellbach - Conventer Niederung“ in den vergangenen Jahren bereits marode Rohre erneuert oder in offene Gewässer umgewandelt, informiert Marco Schreiber. Dies werden gefördert.

So wurde in der Gemeinde Börgerende-Rethwisch in den Hochwasserschutz investiert, in der Gemeinde Wittenbeck bei Kühlungsborn wurde der Fulgenbach renaturiert. In Kröpelin sollen in diesem Jahr Bauarbeiten am Stadtbach beginnen, der unter einer Landesstraße verläuft und bei Starkregen regelmäßig übertritt. In Lambrechtshagen bei Rostock wird die Rotbäk renaturiert.

„Es ist in Schwerin erkannt, dass es ein Problem ist und es ist Bewegung reingekommen“, sagt Marco Schreiber.

Landesregierung setzt sich mit Thema auseinander

Nach Ansicht von Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) könne das Problem nur mit einer ressortübergreifenden Finanzierungsstrategie gelöst werden, teilt Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Ministeriums, mit. „Aufgabe verrohrter Gewässer ist die Sicherstellung der Vorflut von Straßengräben, Niederschlags- und gegebenenfalls Abwasserleitungen, Drainagen usw.. Die Erneuerung der Rohrleitungen betrifft damit nicht nur Landwirte.“ Es handele sich hierbei auch um kommunale Infrastruktur, weshalb die Förderung nicht allein aus dem Landwirtschaftsministerium erfolgen könne.

Eine Unterstützung mit reinen Landesmitteln zur Problemlösung werde kaum ausreichen, so dass sich die Landesregierung im Rahmen der Vorbereitung auf die nächste Förderperiode mit diesem Thema auseinandersetzen müsse.

Landwirte mit Kosten überfordert

Klaus-Uwe Wißotzki ist Vorsitzender der Agrar AG Kühlung in Kröpelin sowie Vorsitzender des Bodenordnungsverfahrens in Wittenbeck. „Wir sind sehr an einem Förderprogramm interessiert, um die Rohrleitungen zu erneuern. Das ist für uns lebenswichtig“, sagt er. Die Landwirte sperrten sich nicht gegen eine Renaturierung. Dabei müssten aber mehrere Faktoren beachtet werden. Denn,wird eine Fläche durch einen Graben geteilt, die Grundstücke dadurch zu klein, würden sie auch nicht mehr bewirtschaftet.

„Die Bauern sind die Leidtragenden, aber Dörfer und Städte saufen auch ab, wenn nichts gemacht wird“, sagt Wißotzki. „Wir müssen gemeinsam sehen, dass wir den Wasserhaushalt regeln. Wir brauchen Gelder, um marode Leitungen wiederherzustellen, die das überschüssige Wasser von den Grundstücken aufnehmen.“ In Wittenbeck sei das mit der Renaturierung des Fulgenbachs gut gelungen. Beim naturnahen Gewässerausbau im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie beträgt der Fördersatz 90 Prozent.

Auch Volker Bredenkamp, Vorsitzender des Bauernverbandes Bad Doberan, sagt, dass nicht alleine die Landwirte die Kosten tragen können. „Die Vorflut dient der Allgemeinheit. Die Landwirte haben mit ihren eigenen Drainagen für die Felder genug Kosten.“ 3000 Euro koste es, Drainage für einen Hektar zu erneuern. „Wenn jetzt noch die Vorflut dazukommt, ist der Landwirt überfordert.“

Volker Bredenkamp hatte selbst schon Ausspülungen auf seinen Feldern durch die maroden Leitungen. „Ein Trichter war drei Meter tief, zwei mal zwei Meter groß, da lag der Mähdrescher drin, da wird einen anders“, so Bredenkamp.

Keine direkte Unterstützung für Landwirte

Das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt stellt aber klar: „Eine Unterstützung für Landwirte wird es nicht geben. Bei den verrohrten Gewässern handelt es sich um Gewässer II. Ordnung, deren Unterhaltung den Wasser- und Bodenverbänden und deren Ausbau den Gemeinden obliegt“, teilt Eva Klaußner-Ziebarth weiter mit. „Daher wird der Unterstützungsbedarf bei den Gemeinden und den Wasser- und Bodenverbänden gesehen. Allerdings würde diese Unterstützung indirekt den Landwirten und anderen Grundstückseigentümern zugutekommen.“

Anja Levien

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