Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Mittleres Mecklenburg Masten: Kommunen funken SOS
Mecklenburg Mittleres Mecklenburg Masten: Kommunen funken SOS
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 02.12.2019
Neuester Bau im Landkreis Rostock: der Funkturm an der Börgerender Straße in Rethwisch. Quelle: Lennart Plottke
Anzeige
Rethwisch/Wismar/Grevesmühlen

Der Mobilfunk in Deutschland muss dringend ausgebaut und verbessert werden. Bis ein Funkmast an einem neuen Standort tatsächlich fertiggestellt ist, vergehen aber auch in den Landkreisen Rostock und Nordwestmecklenburg durchschnittlich zwei Jahre – Tendenz steigend. Dies hat vor allem zwei Ursachen: schwierige Standortsuchen und langwierige Genehmigungsverfahren.

In Wittenbeck bei Kühlungsborn etwa hatte die Deutsche Telekom ein spezielles Akquisebüro mit der Suche geeigneter Flächen beauftragt. „Das hat dann geprüft, welche Areale überhaupt infrage kommen und bei den Besitzern angefragt, ob diese ihr Grundstück für den Bau eines Telekommunikationsmastes zur Verfügung stellen würden“, sagt Telekom-Mitarbeiter Matthias Werner. „Das ganze Verfahren hat bislang zwei Jahre in Anspruch genommen – bereits 2017 haben wir erstmals mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen.“

„Mit dem neuen Standort können nun alle Beteiligten leben – was lange währt, wird hoffentlich endlich gut.“ Dirk Stübs, Bürgermeister Wittenbeck Quelle: Lennart Plottke

Viele Vorschläge wurden in der Zwischenzeit wieder verworfen – entweder war das favorisierte Grundstück funktechnisch nicht geeignet oder nicht verfügbar. Darüber hinaus gab es massiven Widerstand der Anwohner. Jetzt haben sich die Beteiligten aber offenbar auf einen neuen Standort geeinigt. Er liegt in der Gemarkung des benachbarten Kühlungsborn. „Da war früher ein Melkstand“, sagt Wittenbecks Bürgermeister Dirk Stübs. Aktuell handele es sich seinen Informationen zufolge um eine Ausgleichsfläche. „Der neue Standort ist nun etwa 900 Meter vom Fulgenweg entfernt.“

Lösung nach langer Suche in Wittenbeck

Er könne sich das „grundsätzlich vorstellen“, sagt auch Kühlungsborns Bürgermeister Rüdiger Kozian. „Weil es in nicht störender Lage wäre.“ Dort müsste das Vorhaben aber das gleiche verwaltungstechnische Prozedere durchlaufen wie in Wittenbeck. Mit dem neuen Standort könnten nun alle Beteiligten leben, sagt Dirk Stübs: „Was lange währt, wird hoffentlich endlich gut.“

Die Deutsche Telekom will mit dem Mast die Internetverbindung zwischen Kühlungsborn und Heiligendamm verbessern. Er soll 40 Meter hoch in den Himmel ragen und auch von anderen Netzbetreibern genutzt werden können. Ein solcher Funkmast ist auch am Rande des nahegelegenen Steffenshagen geplant. Die Gemeindevertreter hatten den Bau nahe des Friedhofs am Ortsausgang auf ihrer Septembersitzung beschlossen. Hier hatte man sich gegen eine Beteiligung der Bürger entschieden, wie es sie in Wittenbeck gegeben hat.

Überfällige Verfahren beeinträchtigen Ausbau

Deutschlandweit seien aktuell weit mehr als eintausend Verfahren überfällig, teilt der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) mit. In vielen Orten beeinträchtigten diese Probleme den Mobilfunkausbau direkt. So werde etwa in Wismar West seit rund zehn Monaten nach einem geeigneten Standort für einen Funkmast gesucht, mit dem gut 900 Haushalte versorgt werden könnten. In Hohenkirchen zieht sich das Verfahren bereits seit einem Jahr hin – weil es sich nach Einwänden von Kritikern um ein Naturschutzgebiet handele, in dem keine Funkmasten aufgestellt werden könnten. Bei einem präferierten Standort in Kalkhorst bei Klütz läuft aktuell eine Bestimmung der Grundstückseigentümer.

Die Errichtung eines neuen Mobilfunkstandortes setze zunächst voraus, überhaupt einen Grundstückseigentümer zu finden, der seine Fläche dafür bereitstellen möchte, machte der Bitkom deutlich. Allein auf diese Akquise entfalle bei der Errichtung von Mobilfunkmasten ein erheblicher Zeitanteil. Ein weiterer, nicht unerheblicher Punkt: In Teilen der Bevölkerung herrsche nach wie vor Skepsis hinsichtlich der durch Mobilfunk erzeugten elektromagnetischen Felder – obwohl nach aktuellem Stand von Wissenschaft und Forschung bisher kein Grund zur Sorge bestehe, stellte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien klar: „Es gilt daher, frühzeitig Vorurteilen, falschen Fakten sowie Mythenbildung mit sachlicher Aufklärung entgegenzutreten und so die notwendige Akzeptanz für den Ausbau zu schaffen.“

Mehrere Anbieter für breite Netzabdeckung

Genau diesen Weg ist die Gemeinde Retschow bei Bad Doberan gegangen. Nach vielen Diskussionen in Ausschüssen und der Gemeindevertretung wurde vor einigen Wochen ein Vertreter der Deutschen Funkturm GmbH in den Bauausschuss eingeladen, um die Einwohner über mögliche Strahlenbelastungen oder bauliche Details zu informieren. „Der Turm sollte maximal 50 Meter hoch sein und mit den Datendiensten GSM, UMTS und LTE ausgestattet werden“, sagte Retschows Bürgermeister Thomas Schubert (Linke). „Um eine möglichst breite Netzabdeckung zu erreichen, ist die Deutsche Telekom bereit, den Mast auch durch den Mitbewerber Vodafone mitnutzen zu lassen.“

„Um eine möglichst breite Netzabdeckung zu erreichen, lässt die Deutsche Telekom den Mast auch durch Vodafone mitnutzen.“ Thomas Schubert, Bürgermeister Retschow Quelle: Lennart Plottke

Es seien mehrere gemeindeeigene Standorte geprüft worden, so Schubert: „Aber ob Sportplatz, Feuerwehr oder Kirchturm-Spitze – optimal war das letztlich für uns und auch die Anwohner alles nicht.“ Aktuell führe die Telekom Gespräche mit einem privaten Grundstückseigentümer: „Die Fläche befindet sich etwas außerhalb des Ortes – ich hoffe, dass wir da vielleicht Anfang 2020 etwas beschließen können.“

Neuester Funkmast steht in Rethwisch

Der neueste Funkmast im Landkreis Rostock steht seit einigen Tagen in der Gemeinde Börgerende-Rethwisch. An der Börgerender Straße hat die Deutsche Telekom ihren 40 Meter hohen Antennenträger zur Aufnahme der Sende- und Empfangsanlage für das Funknetz errichtet. „Davon wurden einigen Anwohner sehr überrascht“, sagte Bürgermeister Horst Hagemeister (parteilos). „Aber das Thema stand vor einigen Monaten auf der Tagesordnung unseres Bauausschusses – an den öffentlichen Sitzungen kann jeder Bürger teilnehmen.“

„Was sieht nun besser aus: ein hohes Forschungszentrum am Ortsrand oder ein Stahlturm direkt an der Straße?“ Horst Hagemeister, Bürgermeister Börgerende-Rethwisch Quelle: Lennart Plottke

Mit Blick auf das geplante und stark in die Kritik geratene Forschungsinstitut in Börgerende konnte sich Hagemeister einen bissigen Kommentar nicht verkneifen: „Die Leute kämpfen angeblich um den Erhalt des Landschaftsschutzgebietes – aber was sieht nun besser aus: ein Hochhaus am Ortsrand oder ein Stahlturm direkt an der Straße?“ Auch über das Thema Strahlung in Wohnbereichen hätte man sich mit dem Institut keine Gedanken machen müssen, so Hagemeister: „Ganz zu schweigen davon, dass der Investor mit entsprechender Technik auf dem Dach für schnelles Internet in der gesamten Gemeinde gesorgt hätte.“

Land will Netzlücken selbst schließen

Weil die Mobilfunk-Löcher in ganz Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren in der Kritik stehen, sucht auch das Land nach Lösungen. Digitalisierungsminister Christian Pegel (SPD) hatte kürzlich angekündigt, die Lücken im 4G-Mobilfunknetz mittels einer eigenen Gesellschaft jetzt selbst zu schließen. 232 neue Türme seien geplant, so Pegel – einer davon auch in Neubukow: „Ich bin überrascht und erfreut“, sagt Bürgermeister Roland Dethloff (CDU), der zum Thema Digitalisierung sonst Kummer gewohnt ist. Denn der Breitbandausbau dauere eben auch länger als erwartet. Mittlerweile sei hier das Jahr 2022 avisiert, so Dethloff.

Städte und Gemeinden müssten mit dem neuen Verfahren nichts zuzahlen, betonte Pegel – das Land wolle die nötigen 58,6 Millionen Euro für die Funkmasten allein tragen. Anlass für den Richtungswechsel: eine Ankündigung der Bundesregierung, mit einer eigenen Gesellschaft Mobilfunk bundesweit flächendeckend abzusichern. Das könne jedoch lange dauern, meinte Pegel. Deshalb wolle das Land jetzt einspringen. Die Idee: Die Projekte der Landesgesellschaft könnten dann im Bundesplan aufgehen: „Auf das Bundesprogramm zu warten, halten wir für keine Lösung.“

Mehr zum Thema:

Von Lennart Plottke

Die Polizei konnte die Täter fassen, die im Oktober versuchten, eine Taxifahrerin in Waren auszurauben. Der 16-Jährige und der 21-Jährige kommen aus der Region und sind ohne Beute geflüchtet.

27.11.2019

Eine stark alkoholisierte 39-Jährige verursacht am Dienstagnachmittag einen Unfall und flieht vom Unfallort. Wenige Kilometer weiter wird sie von der Polizei gestellt und leistet Widerstand – ein Atemalkoholtest ergibt 2,44 Promille.

27.11.2019

Bei Canow (Mecklenburgische Seenplatte) wurden zwei Menschen bei einem Unfall schwer verletzt. Ein 19-Jähriger ist mit seinem Auto frontal gegen einen Baum gefahren.

25.11.2019