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Mittleres Mecklenburg Musikfestival mit Stromausfall
Mecklenburg Mittleres Mecklenburg Musikfestival mit Stromausfall
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05:30 28.05.2018
Umjubelt: Olli Schulz
Umjubelt: Olli Schulz Quelle: Matthias Schümann
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Neustrelitz

„Schön, dass auch mal wieder Publikum unter 30 Jahren da ist“, sagte Marcus Wiebusch, der Sänger der Band Kettcar am Anfang des Konzerts auf dem diesjährigen „Immergut“-Festival in Neustrelitz. Tatsächlich sind Kettcar nach 17 Jahren Bandgeschichte zumindest altersmäßig in die Jahre gekommen, während das Publikum mehrheitlich aus Menschen in ihren Zwanzigern bestand. Gefeiert wurden die Indie-Helden mit ihren teils melancholischen, teils bitterbösen Songs dennoch. Denn zum „Immergut“-Universum gehören Kettcar schon lange.

Ob dieser Auftritt in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag auch der Höhepunkt des Festivals war, dürfte jeder der rund 5000 Besucher anders beurteilen. Zweifellos war das Konzert von Olli Schulz am Sonnabend ebenfalls umjubelt, nicht nur, weil der Hamburger mit einer heiteren und holprig gereimten Improvisation zum Festival begann, um dann neue Songs und ein paar ältere Perlen zu servieren: Songs wie „Als Musik noch richtig groß war“ wurden textsicher mitgesungen. Schulz, der nach eigenen Aussagen vor bald 15 Jahren zum ersten mal auf dem Immergut war – als Fahrer der Band Tomte – erzählte in ellenlangen Zwischenmoderationen Geschichten aus seinem Leben, etwa als er vor den Augen seines fassungslosen Kindes Luftballons zerstörte, weil es sich um AfD-Werbeartikel handelte.

Vor dem riesigen Olli-Schulz-Plakat am Bühnenhintergrund spielte eine dunkelhaarige Frau Gitarre: Kat Frankie. Kurz vorher hatte sie mit ihrer Band auf der großen Bühne gestanden, ganz in Rot gekleidet, und mit Rock zwischen Soul und Jazz und komplexen Gesangsparts das Publikum mitgerissen.

Die Stimmung des „Immergut“ 2018 war nicht durchgehend positiv. Das hatte technische Gründe: Am Freitagabend Punkt 22 Uhr schmorte das Stromaggregat durch. Und auch das Notstromaggregat gab den Geist auf. Licht aus, Musik aus. In der Zeltbühne spielte gerade die Band Drangsal, als nichts mehr ging. Die Musiker machten noch ein wenig a capella und im Licht von Mobiltelefonen weiter, aber dann war Schluss. „Tatsächlich ist uns einfach das Aggregat durchgebrannt“, sagte Immergut-Sprecherin Stefanie Rogoll am Tag danach. „Das war allerdings ein technischer Fehler und nicht durch vermeintliche Falschnutzung ausgelöst.“

Die Zwangspause dauerte bis etwa 0.30 Uhr. Dann hatten die Organisatoren ein Ersatzaggregat besorgt und die kleinste der drei Bühnen hergerichtet. Die Bands in der Warteschleife reagierten gelassen, erzählt Sprecherin Rogoll. Der erste, der die Not-Bühne betrat, war der amerikanische Gitarren-Gott Ty Segall. In intimer Atmosphäre lieferten er und seine Freedom Band eine atemberaubende Show mit ihrer Mischung aus Punk, Indie-Rock und Disco, gipfelnd in einer grandiosen Cover-Version von „Every 1’s a Winner“ von Hot Chocolate. Das war virtuos und witzig. Ein Glücksfall, dass der intensiv durch die USA und Europa tourende Segal in Mecklenburg-Vorpommern Station gemacht hat.

Danach spielten weitere Bands, die eigentlich im Lauf des Abends hätten auftreten sollen, zum Beispiel Die Nerven. Am Sonnabend kamen nochmals die Organisatoren des Festivals auf die Bühne, um sich für den Stromausfall zu entschuldigen und Publikum, Musikern und Mitstreitern zu danken. Inzwischen hatten sie ein neues Stromaggregat herbeigeschafft, auf den Bühnen lief alles perfekt und am zweiten Abend hatten sich deutlich mehr Gäste eingefunden als am Freitag. Das „Immergut“ ist auch ein Festival der Entdeckungen – neben den bekannten Interpreten gibt es immer auch eine Reihe von Konzerten weniger bekannter Bands. Matthias Schümann

Czarkowski Thorsten