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Sport Boxer schwelgen in Erinnerung
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Traditionell treffen sich die ehemaligen Wismarer Boxer im Metelsdorfer Gemeindehaus: Peter Schmidt, Manfred Neumann, Reinhard Pielka, Petra Schmidt, Klaus-Dieter Schildt, Hans-Joachim Frick, Lothar Brode, Hartmut Lintzen, Rüdiger Baum, Friedhelm Klug, Heino Thormann, Paul Weiss, Hans-Christian Lembcke, Heunz Herrmann, Carl-Dieter Camesaca, Erich Pelikan, Klaus-Dieter Manzke, Gerd Kubisch, Guido Henke, Heinz Novotny, Peter Preuß, Horst Kosch, Michael Bruhns, Gerd Schumacher und Günter Stüwe (v. l.). Quelle: Foto: Privat
Metelsdorf/Wismar

„Schon wieder ist ein Jahr vorbei“, sagte Klaus-Dieter Manzke (71). Der Ex-Mittelgewichtler der SG Dynamo Wismar ist der Organisator des Traditionstreffen der ehemaligen Boxer der SG Dynamo Wismar. Obwohl die Herren schon in die Jahre gekommen sind und graumeliert an der langen Tafel im Gemeindehaus in Metelsdorf Platz genommen haben, ist ihnen der Kampfeswille nicht abhanden gekommen. Zumindest in den Gesprächen schwärmen sie noch heute von den Kämpfen, die damals in der Holzbaracke „Philipp-Müller-Heim“ am Lembkenhof in Wismar stattgefunden haben. „800 Zuschauer passten damals nicht rein, sondern haben dort irgendwie einen Platz gefunden“, schmunzelt Gerd Schumacher. Der heute 75-Jährige war in den 1960er und 1970er Jahre Übungsleiter bei Fiete von Thien und hat natürlich alles hautnah miterlebt. „Niemals werde ich die Ringschlacht vom Rostocker Wolfgang Gabor gegen den bereits verstorbenen schlagstarken Wismarer Klaus-Dieter Stanat vergessen. Gabor eilte damals der Ruf eines K.o.-Matadors voraus. Der damalige Fischer aus Warnemünde, der heute in Berlin lebt, lieferte sich so manche Schlacht. Auch gegen Stanat hatte er gleich zu Beginn seinen „Hammer“ rausgeholt und auf den Wismarer nach dem ersten Gong eingeschlagen. Zweimal musste Klaus-Dieter Stanat mit dem Boden Bekanntschaft machen und wurde vom Ringrichter angezählt. Die wenigsten der 800 Zuschauer glaubten noch an einen Sieg des Wismarers. Doch in der zweiten Runde wendete sich das Blatt. Wut entbrannt und voll entschlossen hämmerte Stanat auf Gabor ein und traf ihn mit seinem gefährlichen rechten Haken am Kinn. Von diesem Schlag erholte sich der Warnemünder Fischer nicht mehr. Der Ringrichter zählte Gabor aus. Die 800 Zuschauer waren aus dem Häuschen. „Solche Kämpfe vergisst man nicht“, meint auch Klaus-Dieter Manzke. Doch Gabor wäre nicht Gabor, wenn er nicht wieder aufgestanden wäre. Er trainierte nach dieser Pleite gegen Stanat noch intensiver und wurde für einige DDR-Spitzenboxer zum Schrecken. So besiegte er in einem Oberligakampf für den damaligen SC Traktor Schwerin den amtierenden DDR-Meister und EM-Dritten von Berlin, Detlef Dahn (ASK Vorwärts Berlin), bereits in der ersten Runde durch k.o..

Die Schlagkraft von Gabor bekam auch der spätere Olympiasieger und Profitrainer Manfred Wolke zu spüren. In zwei mitreißenden Kämpfen in Grevesmühlen und Wismar schlug ihn Wolfgang Gabor nach Punkten. Klaus-Dieter Manzke erinnert sich gern an den Warnemünder Fischer und lächelt dabei: „Ich bin nicht gegen ihn auf die Bretter gegangen. In der Jugend haben wir gegeneinander geboxt. Der Kampf endete unentschieden.“

Auch Heinz Herrmann (68) kann aus seiner Laufbahn viel berichten. Er holte 1965 als Nachwuchsboxer den ersten Meistertitel für Wismar. Danach wurde er ins Leistungszentrum nach Berlin delegiert. Er gewann die DDR-Juniorenmeisterschaft und war auch DDR-Spartakiadesieger. Doch den Durchbruch bei den Männern im Leistungsbereich schaffte er nicht. „Es war ein Fehler, dass ich mit 15 Jahren aus meinem häuslichen Umfeld gerissen wurde. Berlin war für mich so fremd – die Verführung zu groß“, sagt er. „Ich rate allen Kindern, egal welche Sportart sie ausüben, sich nicht von Versprechungen der großen Klubs verleiten zu lassen. Nach zwei, drei Jahren kommen die meisten wieder zurück und fangen in ihrem Heimatverein wieder von vorne an. Wenn einer so ein großes Talent hat, dann sollte die Familie mit dem Kind in der neuen Umgebung auch ihre Zelte aufschlagen“, fügt Herrmann noch hinzu.

Aber auch die Gegenwart spielte in den Gesprächen eine Rolle.“ Leider erleben wir derzeit den Niedergang des Boxens, ob bei den Amateuren oder Profis. „Es gibt viele Fragezeichen“, meint Heinz Herrmann. „Die Amateurboxer wissen nicht, ob sie überhaupt an den nächsten olympischen Spielen teilnehmen können. Dem AIBA-Weltboxverband wurde wegen Korruption die Rote Karte gezeigt. Mir tun die Aktiven leid. Über den Profiboxsport brauchen wir nicht reden. Die deutschen Boxer sind von der Spitze derzeit meilenweit entfernt“, ergänzt er.

Trotzdem ließen sich die ehemaligen Faustkämpfer nicht die gute Stimmung nehmen, sondern wollen sich im nächsten Jahr wieder in Metelsdorf treffen. Klaus-Dieter Manzke dankte Petra und Peter Schmidt vom Köcheklub des Vereins „Metelsdorfer Quellen“ für die gute Bewirtung, aber auch dem Brauhaus am Lohberg für die Bereitstellung von drei kleinen Fässern mit Wismarer Mumme.

Peter Preuß

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