Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Sport Marathonläufer bringt Geschenke nach Äthiopien
Mecklenburg Mittleres Mecklenburg Sport Marathonläufer bringt Geschenke nach Äthiopien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:27 23.04.2019
Der Wismarer Bernd Romeike läuft seit seinem 29. Lebensjahr und war bisher bei den größten Marathonläufen auf der ganzen Welt dabei. Quelle: Foto: Archiv
Anzeige
Wismar

Vor 39 Jahren entdeckte der Wismarer Prof. Dr. Bernd Romeike die Liebe zum Laufen. Da war er 29 Jahre alt und arbeite als Dozent der Wismarer Hochschule in Äthiopien. „Meinen ersten Marathonlauf absolvierte ich damals mit Studenten der Addis-Abeba-Universität. Ich belegte den letzten Platz mit 25 Minuten Rückstand zum Vorletzten“, gibt der heute 68-Jährige ehrlich zu. „Das war frustrierend, aber gleichzeitig stachelte mich diese Platzierung an, weiterzumachen. Dass ich danach noch viele Läufe absolvieren werde, daran habe ich damals nicht gedacht“, sagt Romeike.

Inzwischen sind es sehr viele im In- und Ausland geworden. „Ich habe niemals aufgegeben“, erklärt er. Wenn er all die Städte aufzählt, wo er seine Laufschuhe geschnürt hat, kommt der Wismarer förmlich ins Schwärmen: „Ich war bei allen großen Marathonläufen in New York, Boston, London, Chicago, Berlin, Athen, Stockholm, Kopenhagen, Rom, Paris, Wien und Venedig dabei. Obwohl ich mir vorgenommen habe, immer nur einmal an einem Städtelauf teilzunehmen, habe ich meine Maxime bei New York über Bord geworfen. Die Kulisse rund um den Lauf und die vielen Menschen an der Strecke sind einfach traumhaft.“ Als nächstes Ziel hat Bernd Romeike nun Tokyo ins Visier genommen. Doch dafür lässt er sich noch ein wenig Zeit. „Ich absolviere jedes Jahr nur zwei Läufe. Im vergangenen Jahr waren es Prag und Lissabon - in diesem Jahr im März Barcelona und im September Oslo“, erklärt er. An den Start geht er immer mit dem Laufshirt der WINGS der Hochschule Wismar. Die Zeit, die er am Ende erreicht, ist ihm unwichtig. Hauptsache er kommt ins Ziel. Eine Uhr hat der 68-Jährige aber bei jedem Lauf dabei. Um aber für einen Marathonlauf fit zu sein, muss er schon mehr als 2000 Kilometer pro Jahr in den Beinen haben.

Anzeige

Zu Äthiopien hat Bernd Romeike eine besondere Beziehung. Stolz ist er darauf, dass er mit Äthiopiens Wunderläufer Haile Gebrselassie (46) persönlich befreundet ist. Der 1,64 Meter kleine Gebrselassie war mehrfacher Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler. Seine Goldmedaillen über 1500, 3000, 5000 und 10000 Meter sowie im Marathon stapeln sich inzwischen in der Vitrine des 46-jährigen Äthiopiers. Einmal lief Bernd Romeike sogar mit ihm zusammen einen Marathon. „Das war 2010 in New York. Allerdings gab Haile damals auf und ich erreichte die Ziellinie. Da hab’ ich ihn also besiegt“, sagt Bernd Romeike scherzhaft. Nun freut sich der Wismarer auf ein Wiedersehen mit dem einstigen Wunderläufer, der heute in Addis Abeba ein erfolgreicher Bauunternehmer ist. „Ich werde ihn in seinem Trainingscamp besuchen und auch ein paar Runden mit ihm drehen“, freut sich Bernd Romeike.

Am Sonnabend startet er mit dem Flugzeug von Frankfurt/Main direkt nach Addis Abeba. Allerdings kommt er nicht mit leeren Händen nach Äthiopien. Im Reisegepäck hat er einiges verstaut. 25 Kilogramm gebrauchte Kinder- und Jugendsportsachen vom FC Anker Wismar, deren Aufsichtsratsmitglied Romeike ist. Aber auch Trikots von den Stadtwerken Wismar hat er dabei.

„Seit 2005 unterstützt eine Gruppe von Sponsoren den Bau einer Schule in Shafamu - 200 Kilometer westlich von Addis Abeba. Wir haben damals mit dem Bau eines ersten Klassenzimmers begonnen. Heute werden dort mehr als 800 Kinder von Klasse eins bis acht von 20 Lehrern unterrichtet“, erzählt der Wismarer stolz. „Mit den Geldern, die jährlich gespendet werden, sollen die Grundbedingungen für den Unterricht geschaffen und erhalten werden“, so Bernd Romeike. Die Gruppe, mit der er bis zum 5. Mai in Äthiopien weilen wird, will außerdem für die Schule einen Brunnen finanzieren. „Wasser muss zur Zeit über viele Kilometer zur Schule transportiert werden. Der Brunnen wird die Situation vor Ort grundlegend verbessern“, meint Marathonläufer Romeike.

Peter Preuß

Anzeige