Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Mecklenburg Schmerzhafter Fun-Sport in Körkwitz: „Mit dem Gesicht auf dem Wasser“
Mecklenburg Schmerzhafter Fun-Sport in Körkwitz: „Mit dem Gesicht auf dem Wasser“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:41 09.07.2019
OZ-Chefreporter Michael Meyer (55/r.) macht in Körks Strandarena in Körkwitz bei Ribnitz-Damgarten den Selbsttest auf dem Board in der Wasserskianlage. Hebler Hannes Krause (30) assistiert ihm. Quelle: Frank Söllner
Anzeige
Körkwitz

Bei Lenny sieht das so leicht aus. Abspringen, fliegen, schweben. Bei mir sieht das so aus: abheben, Wasserfontäne, schwimmen. Lenny (14) aus Marlow und seine Wakeboard-Kumpel üben Raleys. Eine Absprungvariante beim Wakeboarding für Fortgeschrittene. Der Rider, so nennen sich die Wakeboarder, springt von einer Bank ab, wenn der Seilzug anruckt, zieht das Board hinter dem Rücken Richtung Kopf und kommt wieder auf die Füße. Der Rest ist elegantes Gleiten, Grinsen und hin und wieder mit dem Popo wackeln.

Ich springe nicht von der Bank. Ich mache Teppichstart. Gähn! Hannes Krause (30), Hebler und Techniker an der Wasserski- und Wakeboardanlage in Körks Strandarena auf dem Bernsteinsee bei Ribnitz-Damgarten, gibt elementare Tipps: Die Hantel, so heißt der Hebel, an dem man sich festhält, mit beiden Händen an die linke Hüfte, das vordere Bein aus dem Wasser strecken, wenn der Ruck kommt, nicht die Arme strecken und den Körperschwerpunkt nicht zu weit hinten lassen.

Die schönsten Bilder von Wasserskifahrern und Wakeboard-Ridern: Anfänger, Profis und sogar Hansa-Profis standen schon dort auf den Brettern.

Also locker, cool, easy auf dem Board stehen, lächeln und schweben. Die Figuren, die die Wakeboarder dann so vor sich hinspringen, heißen Raley, Scarecrow, Surface, Big Mac, Elephant, Billion Dollar Baby, Hasselhof oder Moby Dick.

Zwischen Moby Dick und Big Mac

Ich mache alles so, wie Hannes es gesagt hat, der Ruck des Seils kommt, ich hebe gefühlte fünf Meter ab, schwebe ebenso gefühlt wie eine Reinkarnation aus David Hasselhof und Pamela Anderson durch die Luft, und lande mit dem Gesicht auf dem Wasser. Die ersten drei Zehntel Sekunden waren optisch sehr elegant, dann wirkte ein deprimierender Mix aus Energie, Schwerkraft, Trägheit und motorischer Körperkasperkeit auf das Gesamtsystem aus Reporter, Wakeboard und Seil.

Die Landung kam wohl rüber wie eine traurige Mischung aus Moby Dick und einem weggeworfenen Big Mac. „Super“, ruft Hannes. „Das sah gut aus!“ Seltsam, irgendwie glaube ich diesem Kerl nicht, während das Wort „Elephant“ durch mein Hirn hämmert.

„Die Faszination am Wakeboarden ist, wenn man auf die Fresse fliegt.“

„Für den Anfang nicht schlecht“, sagt Lenny und lächelt. Mein rechtes Ohr tuckert. Lenny, Leroy (16) und Sam (16) verbringen ihre Sommerferien in Körks Strandarena. Als Ferienjobber und Wakeboarder. Zur Zeit versuchen sie sich an dem spektakulären Sprungstart, den Kevin (21), Polizist aus Barth, schon perfekt beherrscht. Sam sagt: „Die Faszination am Wakeboarden ist, wenn man auf die Fresse fliegt.“ Na dann bin ich ja schon mal ganz weit vorn. „Nein“, lacht er. „Du musst weitermachen. Wenn man etwas versucht und versucht und es nicht hinkriegt. Irgendwann klappt es.“ Das ist der Kick beim Wakeboarden.

Okay, nächster Versuch. Hannes sagt, dass ich die Arme zu früh gestreckt hätte. „Arme an der Hüfte halten“, ruft er, bevor das Seil anruckt. Diesmal stellt sich das Board fast sofort quer, ich fliege durch die Luft und erfinde ganz spontan eine neue Landung: Den Doppel Whopper. Darauf erhebe ich Copyright, falls es diese Sturzvariante ins Wakeboarder-Glossar schafft. Allein schon aus Gründen der Mitbewerber-Gleichberechtigung in der Fastfood-Branche. Ich schwimme mit dem Board vor mir aus dem Wasser, alle nicken anerkennend. Ja, schon klar. Das sah wieder ganz toll aus – für den Anfang. Nur der OZ-Fotograf will mich veralbern. Ob ich mal ins Mikro den Satz sprechen könnte: „Das ist total einfach. Wirklich was für jedermann.“ Warum hämmert jetzt nicht mehr das Wort „Elephant“, sondern das Wort „Blödmann“ durch mein Hirn. Mein linkes Ohr tuckert immer noch, mein rechter Fuß jetzt auch.

Vier Anlagen in Mecklenburg-Vorpommern

Bundesweit gibt es rund 80 Wasserski- und Wakeboardanlagen. Je sechs in Schleswig-Holstein, Berlin und Brandenburg, eine in Hamburg und vier in Mecklenburg-Vorpommern.

Körks Strandarena am Bernsteinsee in Körwitzbei Ribnitz-Damgarten (Am Bernsteinsee 1): Geöffnet von Karfreitag bis 31. Oktober. Juli von 11 bis 20 Uhr, August von 10 bis 20 Uhr, September dienstags bis freitags 14 bis 19 Uhr, sa./so. 10 bis 19 Uhr, Oktober sa./so. 12 bis 17 Uhr. http://www.koerks.de/

Wasserski-Seilbahn Neubrandenburg auf dem Reitbahnsee (Reitbahnweg 90): Geöffnet im Juli von 10 bis 21 Uhr. Ferien- und Anfängerkurse beginnen um 8 Uhr. http://www.wasserski-seilbahn.de

Wassersportzentrum Cable Park in Zirkow auf Rügen (Am Kapellenberg 1): Im Juli und August geöffnet von 11 Uhr bis Sonnenuntergang, September 12 bis ca. 19 Uhr, Oktober sonntags von 10 bis 18 Uhr. http://wasserskiruegen.de/

Wasserski-Anlage Zachun Beach am Kiessee in Zachun bei Schwerin (Am Badesee 1): Geöffnet von 10 bis 20 Uhr. https://www.alpincenter.com/hamburg-wittenburg/de/wasserskilift

Hannes meint, dass ich das mit den Armen gut gemacht hätte, aber mein linker Fuß nicht weit genug aus dem Wasser geragt hätte. Weitere zehn Versuche später lässt die Kraft nach. Ich schaffe gut zehn Meter auf dem Wakeboard, bestätigt mir die Gemeinde am Steg. Aber immer wieder haut irgendwas nicht hin. Mal die Arme zu früh gestreckt, mal die Beine zu wenig, mal zu wenig Körperspannung und mal zu sehr in einer Haltung, die man zwar täglich einnehmen muss, aber eher ohne Zuschauer und schon gar nicht mit ’nem Brett unter den Füßen.

„Erst mit Wasserski anfangen und dann aufs Wakeboard wechseln.“

Die Jungs ziehen ihre Runden auf der 800 Meter langen Anlage auf dem Bernsteinsee. 21 Grad hat das Wasser. Sie springen ihre Figuren über die acht Hindernisse, die sich Small Kicker, Long Kicker oder allein wegen des Aussehens Nessi nennen. Ich lerne, dass das keine Hindernisse, sondern Features sind, und die Jungs zelebrieren ihre für Anfänger unerträgliche Leichtigkeit des Seins auf einem Brett im Wasser und der Luft. Seit 2006 gibt es die Anlage in Körkwitz. Eine von vieren in Mecklenburg-Vorpommern. Auch auf dem Reitbahnsee in Neubrandenburg, der Wasserski-Anlage Zachun Beach am Kiessee bei Schwerin und dem Wassersportzentrum Cable Park auf einem alten Kiestagebausee in Zirkow auf Rügen können Wakeboarder und Wasserskifahrer üben, fliegen, schweben, auf die Fresse fliegen. Henry vom Cable Park sagt: „Am besten immer erst mit Wasserski anfangen, und wenn man das Gefühl dafür hat, dann erst aufs Wakeboard wechseln.“

Der Trend, der Anfang der 2000er einsetzte, hält an. Anna Kayser (32), Leiterin von Körks Strandarena sagt, 2016 sei eher ein Tiefpunkt gewesen. Jetzt gehe es wieder bergauf. 150 000 Besucher hat die Strandarena 2018 auf dem Gelände mit Wakeboard, Wasserski, Minigolf, Tischtennis, Volleyball, Boccia und Gastronomie gehabt. „Wir eröffnen traditionell am Karfreitag, egal ob die Sonne scheint oder Schnee liegt. Die Saison geht bis 31. Oktober.“ Auch den Cable Park auf Rügen gibt es nun seit zehn Jahren. Am 9./10. August feiert die Anlage Geburtstag mit Wasserspaß und DJ’s. Betreiber Henry sagt: „Wir haben durch die Urlauber natürlich jede Menge Anfänger, die das hier ausprobieren und zu Hause weiterbetreiben.“ Bundesweit gibt es um die 80 Anlagen.

Vor dem Fun kommt der Schmerz – und das Üben

Ich packe nach gut zehn Versuchen mein Board ein, pelle mich aus dem Neopren und freue mich auf eine heiße Dusche. Das linke Ohr tuckert, der rechte Fuß auch und die Oberkörpermuskulatur meldet schon mal Vorfreude auf den nächsten Morgen samt Muskelkater an. Auch bei Wakeboarding gilt die alte Funsport-Regel: Vor dem Spaß kommt der Schmerz – und das Üben.

Mehr Selbst-Tests der OZ-Reporter:

So funktioniert Hypnose: Ein Rostocker erzählt aus seiner Praxis

Urlaub in Greifswald? Sehr empfehlenswert

Selbstversuch als Abonnentin von Gemüse und Obst: Wie man Spinat selbst kocht

Michael Meyer

Abschiedsparty auf der „Rostocker Sieben“ - Kapitän Kümmritz geht von Bord der Volkstheater-Flotte

Nach drei Jahren verabschiedet das Rostocker Volkstheater Intendant Joachim Kümmritz. Dem Haus bleibt er als Direktor des Volkstheatersommers erhalten.

Die Prinzen gastierten am Samstagabend mit Orchester der Freilichtbühne Schwerin

Ciarán Close und Iveta Kilianova machen als „Kilian & Close“ Schokolade in Rostock und Waren an der Müritz. Inzwischen sind sie mit ihren handgemachten Tafeln so erfolgreich, dass sie bald sogar in New York verkauft werden.

06.07.2019