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Östliches Mecklenburg Handicap nach Bombenangriff: 14-Jähriger träumt von Olympia
Mecklenburg Östliches Mecklenburg Handicap nach Bombenangriff: 14-Jähriger träumt von Olympia
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18:14 11.06.2019
Die Neubrandenburger Trainerin Kerstin Kustak mit Radwan Farhat beim Kugelstoßtraining. Quelle: Volker Penne
Greifswald/Neubrandenburg

Wer ihn beim Freistilschwimmen oder im Kugelstoßring beobachtet, ist über die Dynamik des 14-Jährigen verblüfft. Mit vollem Einsatz und einem beachtlichen Balancegefühl meistert er die Disziplinen. Dabei fehlt Radwan Farhat fast der komplette linke Arm und das linke Bein wurde am Oberschenkel amputiert.

Der seit zwei Jahren beim Sportclub Neubrandenburg (SCN) trainierende Syrer liebt Bewegung. Und er träume von den Paralympics, wie er in gutem Deutsch erklärt.

Weitspringer Markus Rehm ist Vorbild

Dabei ist dieser Wunsch eng mit dem Namen Markus Rehm verknüpft. Der vor allem im Weitsprung erfolgreiche Behindertensportler aus Göppingen (Baden-Württemberg) sei sein Vorbild. Er würde gern einmal für die deutsche Nationalmannschaft starten. „Das ist ein langer Weg. Doch wer nicht anfängt, kann nicht ans Ziel gelangen“, erklärt der aus dem Ort Kafr Laha im Norden Syriens stammende Radwan.

Im September 2012 war bei einem der Bombenangriffe auch das Haus seiner Familie zerstört worden. Er verlor Bein und Unterarm. Die Eltern und beiden Geschwister überlebten mit leichten Verletzungen. Es begann ein Leben auf der Flucht. Seit 2016 leben die fünf in Deutschland. Während Mutter Iatedal als Kindergärtnerin arbeitet und Vater Mahamed eine Schweißerausbildung macht, besucht Radwan das Überregionale Förderzentrum in Neubrandenburg.

Trainerin Kerstin Kustak bescheinigt Talent und Ehrgeiz

Zwei Leichtathletik- und eine Ausdauer-Einheit stehen für den Schwarzschopf wöchentlich auf dem Programm. „Ob beim Weitsprung, Sprint oder den Wurfdisziplinen, wie Kugel, Speer oder Diskus – Radwan versucht neue Techniken sofort umzusetzen“, sagt Kerstin Kustak. Die Trainerin bescheinigt dem 1,68 Meter großen Aktiven Talent und Ehrgeiz. „Sein Einsatz im Trainingslager für den diesjährigen Wettkampf ,Jugend trainiert für Paralympics’ war sehr gut“, erklärt sie.

„Ich habe Radwan gedanklich schon auf der Talente-Liste“, sagt Dr. Peer Kopelmann. Dem Greifswalder Landestrainer Para-Leichtathletik imponiert dessen Trainingsfleiß. Kopelmann betreut mit drei Kollegen, die als Lehrer und Trainer arbeiten, derzeit rund 20 Leichtathleten mit Handicap im Nordosten. Dass der Traum von den Paralympics kein Wunsch bleiben muss, zeigten die Erfolge von Athleten, wie der Neubrandenburgerin Lindy Ave, so der Landestrainer. Um Belastungen des Trainings kompensieren zu können, brauche es aber eine Spezialprothese für das Bein.

Spezialprothese kostet 25 000 Euro

„Trotz seiner körperlichen Einschränkungen bringt er vollen Einsatz. Das ist toll und wir wollen ihn unterstützen. Denn die Krankenkassen zahlen eine solche 25 000 Euro teure Prothese, die vorrangig aus carbonfaserverstärktem Kunststoff besteht, nicht“, erklärt Frank Starkowski. Der Orthopädie-Schuhmachermeister ist geschäftsführender Gesellschafter der Greifswalder Firma OT aktiv. Er und seine Kollegen sorgten vor drei Jahren dafür, dass Radwan mit einem passgenauen Beinersatz das Laufen wieder „erlernte“. Gemeinsam mit dem Greifswalder Unfallchirurgen Prof. Dr. Peter Hinz hatte Starkowski die Idee für eine Spendenaktion, um dem Handicap-Sportler zu helfen.

Kraftsportler Hinz: Behinderten-Sportlern gebührt Respekt

„Ich erkenne mich in ihm selbst ein Stückchen wieder. Dieses Leuchten in den Augen, wenn er über seine Ziele spricht. Dieser Wille, Leistung zu bringen“, sagt Hinz. Er, der unter anderem 1992 in Taiwan Weltmeister im Bankdrücken wurde, hatte sich als 16-Jähriger für den Kraftsport entschieden. Bereits als 17-Jähriger habe er Rekorde im Kraftdreikampf gebrochen und später unter anderem den Weltrekord mit 225 Kilogramm im Bankdrücken gehalten. Der Bodybuilder betont die besonderen Herausforderungen, vor denen die Behinderten-Sportler stehen. Er zollt Aktiven wie Radwan größten Respekt. Und er wird sich natürlich mit einer Spende beteiligen.

„Ohne Förderung geht hier nichts“, unterstreicht Dr. Rolf Kaiser. Der Chefarzt des KMG Klinikums Güstrow ist auch seit 27 Jahren verantwortlicher Mediziner für das deutsche Paralympics-Team. „Top-Leute unter den Prothesen-Sportlern absolvieren sieben bis neun Trainingseinheiten pro Woche“, so der Mediziner.

Spendenkonto wurde eingerichtet

Auch Sie, liebe Leser, können helfen, dass der Behindertensportler Radwan Farhat die Chance erhält, Leistungssport zu treiben und den Traum von den Paralympics aktiv zu leben.

Spendenkonto:

Sportclub Neubrandenburg e.V., bei der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin, IBAN: DE38 1505 0200 3010 4444 00, BIC: NOLADE21NBS, Stichwort: OT aktiv Radwan

Volker Penne

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