Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Östliches Mecklenburg Urteil nach Messerattacken: Haftstrafe und Psychiatrieeinweisung
Mecklenburg Östliches Mecklenburg Urteil nach Messerattacken: Haftstrafe und Psychiatrieeinweisung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
11:52 29.03.2019
Das Gericht hat einen 43-Jährigen zu einer Haftstrafe verurteilt. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Anzeige
Neubrandenburg

Zwei Bekannte attackierte er mit einem Messer, und auch auf einen Polizisten stach er ein - das Landgericht Neubrandenburg hat einen 43-Jährigen aus Malchin am Freitag zu einer Freiheitsstrafe verurteilt und zugleich für längere Zeit in die Psychiatrie eingewiesen. „Die Taten entsprangen einer Mischung aus der Grunderkrankung, Alkohol und Medikamenten“, sagte Richter Jochen Unterlöhner am Freitag zur Begründung. Durch diesen „gefährlichen Cocktail“ bestehe bei dem 43-Jährigen eine hohe Wiederholungsgefahr.

Die Schwurgerichtskammer sprach den Mann, der „grundsätzlich geständig war“, der zweifachen gefährlichen Körperverletzung, des Hausfriedensbruchs und eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte schuldig. Die Haftstrafe wurde auf zwei Jahre und vier Monate festgelegt. Weil der Verurteilte erst zur Therapie in eine Fachklinik kommen soll, „wird er die Justizvollzugsanstalt Bützow wohl nicht mehr sehen“, erklärte Unterlöhner.

Anzeige

Der Beamte trug zum Glück eine Schutzweste

Die Haupttat ereignete sich am 25. Oktober in der Wohnung eines Bekannten in Malchin, wie der Richter erläuterte. Beide tranken Alkohol, bei dem 43-Jährigen wurden später 2,5 Promille Alkohol im Blut gemessen. Der Mann leidet seit 2006 an Schizophrenie und nimmt deshalb Medikamente. Der Bekannte sei kurz in den Keller gegangen. Als er zurückkam habe der 43-Jährige ihn mit einem Springmesser in die Herzgegend gestochen. Dazu soll er „Verrecke Du Arsch“ gerufen haben. Das Opfer überlebte. „Das hätte tödlich enden können“, sagte der Richter.

Trotzdem rückte das Gericht von einem „versuchten Totschlag“ wieder ab, weil herauskam, dass der Täter per Handy des Opfers selbst die Polizei gerufen hatte. Als zwei Beamte kamen, stellten sie den Mann im Treppenhaus zur Rede. Da habe der 43-Jährige wieder zum Messer gegriffen. Obwohl ein Polizist seine Pistole gezogen und eine Warnung gerufen hatte, stach der Verurteilte einen Beamten in den Bauch. „Zum Glück hatte der eine Schutzweste an“, erklärte Unterlöhner.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Dann wurde der 43-Jährige überwältigt. Er kam in U-Haft und wurde im Januar 2019 in eine psychiatrische Klinik verlegt. Später wurde bekannt, dass der Tatverdächtige bereits im August in Neubrandenburg auf ähnliche Weise einen Bekannten wegen eines Streits um 50 Euro verletzt haben soll.

Mit dem Urteil ging die Kammer weit über die Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung hinaus. Der Anklagevertreter hatte 15 Monate Freiheitsstrafe und die Unterbringung in einer Klinik verlangt. Verteidigerin Sabine Grabosch hatte ein Jahr Freiheitsstrafe gefordert, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verhandlung war bis zur Urteilsverkündung nicht öffentlich.

RND/dpa

Anzeige