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Östliches Mecklenburg Waldbrand in Lübtheen: Feuerwehrleute bekommen Rückendeckung von ihren Chefs
Mecklenburg Östliches Mecklenburg Waldbrand in Lübtheen: Feuerwehrleute bekommen Rückendeckung von ihren Chefs
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17:41 04.07.2019
Feuerwehrleute warten an einer der Einsatzstelle am Rand des brennenden Waldgebietes. An den Löscharbeiten sind überwiegend Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren des Landes beteiligt. Quelle: dpa
Lübtheen

Der Waldbrand in Lübtheen wird mit jedem neuen Tag zu einer größeren Herausforderung – nicht nur für die Feuerwehrleute, sondern auch für ihre Arbeitgeber, die solange auf sie verzichten müssen. Es habe Anfragen gegeben, wie lange die Angestellten noch benötigt würden, sagte der Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD).

Die Hilfsbereitschaft der Unternehmen sei jedoch groß. „Wir haben viele Mails von Unternehmensleitern erhalten, die uns angeboten haben, weitere Mitarbeiter für die Löscharbeiten abzustellen“, so Sternberg. Der Kontakt mit betroffenen Firmen sei vernünftig und ohne viele Vorwürfe abgelaufen. Sollte es im Zuge des Einsatzes bei Lübtheen Probleme mit Arbeitgebern geben, werde der Landkreis das Gespräch mit ihnen suchen, stellte Sternberg klar.

Ein erneutes Feuer auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hält die Region in Atem.

Voller Lohn für ehrenamtlichen Einsatz

Im Brandschutzgesetz von MV ist die Fortzahlung der Löhne für die freiwilligen Feuerwehrleute bei Einsätzen geregelt. Die Arbeitgeber sind also verpflichtet, ihre Angestellten weiter zu bezahlen, solange wie der Einsatz dauert. Unternehmen haben jedoch die Möglichkeit, sich ihre Verluste von den jeweiligen Gemeinden oder den Landkreisen in vollem Umfang zurückzahlen zu lassen.

Allerdings verzichten viele Unternehmer freiwillig auf diese Kostenerstattung, wie Andreas Wegner weiß. Seit 43 Jahren ist der Wehrführer von Kühlungsborn Mitglied in der Feuerwehr. Zudem ist er der Leiter des städtischen Bauhofes in Kühlungsborn. Zehn seiner dreißig Angestellten seien in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Der Einsatz bei Lübtheen habe die betrieblichen Abläufe stark eingeschränkt. Und bei 43 Euro, die er jedem seiner Mitarbeiter pro Stunde auch während des mehrtägigen Löscheinsatzes zahlte, kam eine ordentliche Geldsumme zusammen.

Ungerechte Behandlung der Feuerwehrleute?

Dennoch will sich Wegner diese nicht vom Landkreis zurückholen. „Wie viele Unternehmer die ich kenne, habe ich nie einen entsprechenden Antrag gestellt.“ Aus Kulanz, wie er sagt. Die meisten Einsätze dauerten ohnehin nur wenige Tage, sodass sein Betrieb sich das leisten könne. Bei zwei bis drei Wochen sähe das anders aus. „Am wichtigsten ist, dass die Kundschaft Verständnis für solche Ausnahmesituationen aufbringt“, meint Wegner.

Zudem müssten die Kameraden der Feuerwehr bei Einstellungen bevorzugt behandelt werden. „Es fehlt eine entsprechende Regelung im Brandschutzgesetz des Landes“, beklagt er. „Das macht es einigen Feuerwehrleuten mitunter sogar schwerer, eine Anstellung zu erhalten.“ In all den Jahren seiner ehrenamtlichen Tätigkeit habe er eines festgestellt: „Je kleiner der Betrieb, desto verständnisvoller reagieren die Arbeitgeber auf einsatzbedingte Ausfälle ihrer Angestellten.“ Was paradox klingen mag, habe einen einfachen Grund: die Verwurzelung der Unternehmen im Ort und der Zusammenhalt der Menschen, der daraus erwachse.

Arbeitgeber muss Leute gesetzlich abstellen

Dass viele Unternehmen grundsätzlich bereit zur Kooperation mit den Einsatzkräften sind, betont Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände für MV (VU): „Unsere Unternehmen in MV wissen sehr genau um die Notwendigkeit der Freistellung für den ehrenamtlichen Einsatz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei diesem Großschadensereignis. Nicht selten sind Inhaber und Mitarbeiter gemeinsam in der Freiwilligen Feuerwehr oder anderen Hilfsorganisationen aktiv. Diesen Einsatz kann man nicht hoch genug zu würdigen.“

Von einer einvernehmlichen Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern profitiert auch der Feuerwehrverband des Landkreises Rostock, der bis zum Abend des 2. Juli am Löscheinsatz beteiligt war. Es habe keine Probleme mit den Arbeitgebern der freiwilligen Feuerwehrleute gegeben, sagt Verbandsvorsitzender Tessin. Alle der 31 Kameraden aus den Gemeinden Neubukow, Kühlungsborn und Kröpelin sind ehrenamtlich in der Feuerwehr und haben normale Berufe, denen sie nachgehen.

Verständnis für Arbeitgeber zeigen

Sofern sie jedoch für einen Einsatz gebraucht werden, sind sie an den Katastrophenschutz gebunden, so Tessin. „Einsatz geht immer vor Arbeit. Da ist die Rechtslage klar.“ Dennoch habe für den Verband ein gutes Miteinander zwischen Arbeitgebern und den Arbeitnehmern, die sich in der Freiwilligen Feuerwehr engagieren, oberste Priorität. „Man muss auch immer die Arbeitgeber verstehen. Manchmal ist es für sie schwierig, ihre Angestellten für uns abzustellen“, so Tessin. Daher animiere er die Kollegen der Feuerwehr auch immer dazu, ihren Arbeitgebern vor Einsätzen „reinen Wein einzuschenken“ und es vorab anzukündigen, wenn ein Einsatz länger dauern könnte.

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